Dienstag, 15. Mai 2018

NEWS! "Eine riskante Mission" als ebook erhältlich!


Hallo Ihr Lieben,
ab sofort ist mein neuer Roman bei Amazon als ebook erhältlich. :) Die anderen Plattformen werden in den nächsten Tagen folgen und Ende Mai gibt es das Buch dann überall im Buchhandel als Taschenbuch!

Eine riskante Mission

Liebe Grüße,
Verena <3

Samstag, 5. Mai 2018

Exklusiv vorab: 1. Kapitel von "Eine riskante Mission"

Hallo Ihr Lieben,

da nächste Woche das ebook zu "Eine riskante Mission" erscheint, lade ich Euch hier ein, das erste Kapitel vorab zu lesen. Viel Spaß! ;)

Inhaltsangabe:



Als Josh seine Heimatstadt London verlässt, um in einer Auffangstation für Schimpansen in Nigeria zu arbeiten, ahnt er bereits, dass dies das Abenteuer seines Lebens wird. Tierärzte, Forscher und freiwillige Helfer unternehmen alles, um die Menschenaffen vor Wilderern zu beschützen und gefangene Tiere zu befreien. Die größte Herausforderung für Josh ist jedoch die Begegnung mit dem attraktiven Tierarzt Matt, in den er sich Hals über Kopf verliebt. Und das ausgerechnet in einem Land, in dem auf Homosexualität teilweise noch die Todesstrafe steht …





 Eine riskante Mission





„Immer wieder bedrängen mich schreckliche Bilder in dieser Welt, so auch die verzweifelten Blicke von Schimpansen in Ketten oder in Versuchslabors. Das beeinträchtigt sogar meine Beobachtung der frei lebenden Schimpansen. Sobald ich denke 'sind sie nicht glücklich?' sehe ich Schimpansen vor mir, die in winzigen Gefängnissen stecken, obwohl sie kein Verbrechen begangen haben. Wer das einmal gesehen hat, kann es nie mehr vergessen.“

Jane Goodall


1


Mai

„Jamie! Thomas!“ Ich dränge mich an den anderen Zoobesuchern vorbei, um meine Neffen nicht aus den Augen zu verlieren. „Nicht so schnell, die Affen laufen doch nicht davon! Wenn ich euch verliere, reißt mir eure Mutter den Kopf ab!“
Ich entschuldige mich halbherzig, als ich einen Mann fast umrenne und hetze weiter. Eigentlich brauche ich mir keine Sorgen zu machen, denn ich weiß genau, wo ich die beiden finde. Aber Jamie ist sieben und Thomas vier – und ich habe schließlich die Verantwortung für sie. Und da ich nicht nur diese trage, sondern auch den gesamten Proviant, inklusive gefühlten zehn Liter Wasser und Saft, schwitze ich wie ein Schwein, als ich endlich am Schimpansengehege ankomme. Dass wir den wärmsten Mai seit Jahren haben, kommt erschwerend hinzu.
„Danke fürs Warten“, sage ich japsend und verdrehe die Augen. Jamie und Thomas bemerken mich kaum. Sie drücken ihre Näschen an der großen Scheibe platt und haben nur Augen für die Schimpansen. Vor allem für einen von ihnen.
„Izzy! Izzyyyyyy!“ Thomas klopft gegen die Scheibe und ich muss ihn davon abhalten, während mich eine Frau neben uns entrüstet ansieht. Ich will ihr sagen, dass nicht ich die Rabauken erzogen habe, sondern meine Schwester, aber ich lasse es. Sanft nehme ich ThomasHandgelenk und schüttle es, sodass seine kleine Hand auf und ab wedelt.
„Siehst du? Du kannst Izzy auch winken“, erkläre ich ihm. „Er kommt von ganz alleine, wenn er uns sieht, warte ab.“
Thomas sieht mich kurz an, dann strahlt er übers ganze Gesicht, winkt und beginnt auf und ab zu hüpfen. Jamie schließt sich ihm lachend an, gemeinsam rufen sie nach Izzy.
Neben uns höre ich ein spöttisches Lachen.
„Mama, die meinen echt, der Affe kommt her, wenn sie winken!“
„Schon gut, Susan. Sie wissen eben nicht, dass man Tiere zu nichts zwingen kann. Sei brav und hampel nicht herum, ja?“ Die Mutter des Mädchens wirft mir einen herablassenden Seitenblick zu, der mich wohl darauf hinweisen soll, dass ich mit Ende zwanzig offensichtlich zu jung und zu dumm bin, meine Kinder anständig zu erziehen. Langsam verliere ich die Geduld und will etwas erwidern, als Thomas plötzlich freudig quietscht.
„Onkel Josh! Er hat uns gesehen!“
Ich wende mich wieder zur Glasscheibe und sehe einen Schimpansen in einem wortwörtlichen Affentempo auf uns zurasen. Izzy hat mit seinen achtzehn Jahren eine beeindruckende Statur, weswegen es richtig gefährlich aussieht. Die Zoobesucher, die direkt an der Scheibe stehen, (inklusive Mutter- und Minizicke) weichen erschrocken zurück, nur Jamie, Thomas und ich bleiben unbeirrt stehen. Izzy ist völlig aus dem Häuschen. Übermütig springt er ein paarmal gegen die Scheibe und macht einen Rückwärtssalto, bevor er direkt vor mir stehen bleibt. Seit beinahe achtzehn Jahren haben wir ein Ritual, das mich jedes Mal wieder bis ins Tiefste meines Herzens berührt. Ich gehe in die Hocke und lege meine Hände flach gegen die Scheibe. Izzy macht genau das Gleiche, achtet penibel darauf, dass seine Finger an derselben Stelle sind wie meine. Ich höre ein Raunen hinter uns – die Reaktion der Menschen bin ich nach all den Jahren schon gewohnt. Einige Sekunden lang sehen Izzy und ich uns an, genießen schweigend das Wiedersehen. Ich blicke in die runden, bernsteinfarbenen Augen, nehme die feinen Härchen auf seiner Oberlippe wahr. Für den Bruchteil einer Sekunde taucht das Bild eines zehnjährigen Jungen vor meinem inneren Auge auf, der ein Schimpansenbaby im Arm hält und ihm liebevoll das Fläschchen gibt.
„Hey, ich sehe da ein paar graue Haare in deinem Bart“, flüstere ich grinsend. Hinter uns ist es völlig still geworden. Plötzlich grinst Izzy breit zurück, dann schürzt er die Lippen und setzt einen dicken Schmatzer gegen die Scheibe. An dieser Stelle lachen die Leute …wie immer. Ich deute mit einem Kopfnicken auf meine Neffen, die es gar nicht erwarten können, Izzys Aufmerksamkeit zu erlangen.
„Na, alter Junge? Willst du Jamie und Thomas nicht begrüßen?“
Izzy gehorcht aufs Wort und widmet sich den Kindern, deren Augen vor Freude aufleuchten. Sie geben Küsschen durch die Scheibe, springen auf und ab, und Izzy macht Purzelbäume.
„Onkel, Josh! Erzählst du uns nochmal, wie Izzy bei dir zu Hause gewohnt hat?“, fragt Jamie. „Bitte!“
„Ja! Ja! Ja! Erzähl uns von Izzy!“ Thomas hüpft und klatscht begeistert in die Hände. Izzy tut es ihm gleich und erntet dafür Lacher von den Zoobesuchern. Ich spüre, wie die Menge hinter uns größer wird und neugierig näher rückt.
Ich lache, peinlich berührt und stolz zugleich.
„Ihr habt die Geschichte doch schon tausendmal gehört, Kinder“, antworte ich amüsiert.
„Ich will die Geschichte auch hören!“, sagt jemand hinter uns und kurz danach ertönt zustimmendes Gemurmel. Ich sehe mich um und blicke in ein pausbäckiges Jungengesicht von etwa elf, zwölf Jahren, das mich erwartungsvoll ansieht. Die Mutterzicke sieht peinlich berührt zu Boden, während die Minizicke mentale Todeslaser auf Thomas und Jamie abfeuert.
„Na schön“, sage ich, während die Leute noch ein wenig dichter herankommen. Gut, dass es schon spät ist und nicht mehr so viele Besucher im Zoo sind. Thomas streckt seine Arme nach mir aus, woraufhin ich ihn hochnehme. Aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, dass auch Izzy auf den Arm genommen werden will. Wieder lachen die Leute. Ich streiche Jamie über das Haar und blicke zu Izzy hinüber. „Wie ihr wisst, hat euer Grandpa sehr lange im Zoo gearbeitet. Er war hier im Affenhaus für alles verantwortlich und hat sich sehr gut um seine Schützlinge gekümmert. Eines Tages brachte ein Schimpansenweibchen ein Junges zur Welt …“
„Izzy!“, unterbricht mich Thomas begeistert und hüpft auf meinem Arm auf und ab.
„Ja, Izzy“, wiederhole ich lachend. „Nun, aus irgendeinem Grund wollte die Affenmama ihr Junges nicht und hat es verstoßen.“
„Wie gemein!“, wirft der pausbäckige Junge ein.
Ich zucke mit den Schultern. „Leider kommt es im Tierreich immer wieder vor, dass die Mütter ihre Jungen nicht annehmen. Die genauen Gründe dafür kennt man nicht.“
„Aber dann hat Grandpa Izzy mit heimgenommen!“, verkündet Thomas stolz.
Ich nicke grinsend. „Ja, er hatte sehr viel Erfahrung mit Affenbabys und da hat man ihn gefragt, ob er Izzy rund um die Uhr versorgen könnte, denn sonst würde er sterben. Also ist das kleine Affenbaby bei uns eingezogen und hat die ganze Familie auf Trab gehalten.“
Izzy grinst hinter der Scheibe so breit, dass für einen Moment nur seine gelben, großen Zähne zu sehen sind. Er weiß ganz genau, dass wir über ihn sprechen.
„Wir haben es mit der Flasche aufgezogen, mussten es alle zwei, drei Stunden füttern, wickeln und herumtragen – genau wie bei einem Menschenbaby auch. Manchmal bin ich in der Schule fast eingeschlafen, weil ich Izzy nachts unbedingt füttern wollte. Wir haben sehr viel miteinander gespielt, eure Tante Tess war damals erst vier Jahre alt. Sie wollte Izzy sogar mit in den Kindergarten nehmen, aber das ging natürlich nicht.“
Wieder Gelächter bei den Zoobesuchern.
„Und dann musste er wieder in den Zoo zurück?“, fragt ein etwa fünfzehnjähriges Mädchen. Als ich sie ansehe und ihr zulächle, wird sie rot und streicht sich peinlich berührt eine Haarsträhne hinters Ohr.
Ich nicke. „Ja, mit einem halben Jahr mussten wir Abschied von Izzy nehmen, denn es war wichtig, dass er unter seinesgleichen aufwächst. Wir hatten eine sehr turbulente Zeit hinter uns und der Abschied fiel uns unheimlich schwer. Wir Kinder haben viel geweint.“
„Hat Izzy auch geweint?“, fragt Thomas, obwohl er die Antwort schon kennt.
„Natürlich war Izzy zuerst auch sehr traurig, aber der Zoo fand eine neue Mama, die ihn adoptiert hat.“ Ich zeige auf eine ältere Affendame, die weiter hinten im Gehege auf einer Plattform sitzt und ausgiebig einen ihrer Artgenossen entlaust. „Mara hatte kurz zuvor eines ihrer Jungen verloren. Sie hat Izzy sofort akzeptiert und auch von der Gruppe wurde er gut aufgenommen. Das ist bei Schimpansen sehr wichtig. Seht ihn euch an.“ Ich zeige auf Izzy, der sich sofort der ihm gewidmeten Aufmerksamkeit bewusst ist, und Faxen macht. Er springt wie ein Riesenfrosch auf und ab, zieht Grimassen und schüttelt wild den Kopf. Die Leute lachen wieder – und dann klatschen sie Beifall. Auch das bin ich schon gewohnt, schließlich ist es nicht das erste Mal, dass ich hier im Zoo Izzys Geschichte erzähle.


****

Als wir wenig später Richtung Ausgang spazieren, kommt uns die stellvertretende Zoodirektorin Sarah entgegen. Sie war schon hier, als Dad leitender Tierpfleger war, ich kenne sie, seit ich denken kann.
„Hey, Josh!“, begrüßt sie mich mit einer herzlichen Umarmung, bevor sie sich Jamie und Thomas widmet. „Na, Jungs? Habt ihr Izzy mal wieder einen Besuch abgestattet?“
Die Jungs nicken begeistert. Thomas wirkt schon etwas müde, aber Jamie erzählt stolz, wie wir die Besucher unterhalten haben.
„Das ist schön.“ Sarah streichelt Jamie über den Kopf. „Hey, wir sollten Extraeintritt im Affenhaus verlangen, wenn euer Onkel alte Geschichten über Izzy erzählt“, sagt sie lachend und zwinkert mir fröhlich zu. Ich erwidere ihr Lachen.
„Lass dich doch mal wieder blicken, Sarah. Dad würde sich bestimmt freuen!“
„Mach ich, sobald ich jetzt mal ein paar Tage freihabe!“, antwortet sie. „Ich ruf ihn an.“ Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg zum Zug. Der Zoo liegt eineinhalb Stunden Bahnfahrt von London entfernt, weswegen wir Izzy nicht jedes Wochenende besuchen können – was die Jungs am liebsten tun würden. Als wir endlich sitzen, schläft Thomas schon bald auf meinem Schoß ein.
„Onkel Josh?“ Jamie sieht mich nachdenklich an.
„Ja?“
„Wenn ich groß bin, will ich so sein wie du. Und dann gehe ich auch nach Afrika zu den Schimpansen.“ Jamie nickt entschlossen, um sein Vorhaben zu unterstreichen und lehnt sich gähnend zurück.
Ich lächle. „Das ist schön, Jamie. Da wird deine Mum sehr stolz auf dich sein.“
Ich ziehe Thomas näher an mich und sinke seufzend in die Lehne der Sitzbank zurück. Jamie hat mich wieder daran erinnert, dass ich in nicht einmal zwei Wochen nach Nigeria aufbrechen werde, um im „Chimps Sanctuary Center“ zu arbeiten. Die Auffangstation kümmert sich um verletzte Schimpansen und verwaiste Jungen und engagiert sich stark gegen das grausame Abschlachten und Ausbeuten dieser wundervollen Geschöpfe. Vorfreude vermischt sich mit einem mulmigen Gefühl der Angst, was mich dort wohl erwarten wird. Ich blicke in die kleinen Gesichter meiner Neffen und denke bekümmert an den Rest der Familie, den ich bald für lange Zeit nicht mehr sehen werde. Der Vertrag in Nigeria läuft vorerst zwei Jahre, Verlängerung nicht ausgeschlossen. Klar, werde ich Urlaub haben und meine Familie besuchen, doch mein vorläufiges Zuhause wird nun erstmal Nigeria sein.


Meine Schwester Jenny nimmt mir den immer noch etwas schlaftrunkenen Thomas ab, während wir in die gemütliche Wohnküche gehen. Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert von der Einrichtung. Betritt man Jennys Wohnung, könnte man denken, man wäre eben mal nach Schottland gebeamt worden. Fast alles ist in Karos gehalten – die Stuhlpolster, die Vorhänge, die Tischdecke –, mir wird manchmal regelrecht schwindelig davon. An den Wänden hängen Bilder von den weiten, schottischen Highlands. Jennys Mann Pete ist Schotte, und das durch und durch. Wenn er nicht gerade in der Bank arbeitet, trägt er fast ausschließlich seinen traditionellen Kilt. Sogar Jamie und Thomas sind mit Minikilts ausgestattet worden. Pete ist ein Rotschopf, wie es sich für einen anständigen Schotten gehört, und diese Gene hat er an seine Jungs weitergegeben. Die rotblonden Haare der beiden sieht man meilenweit. Pete ist ein feiner Kerl, und er tut alles für seine Familie. Jenny hat richtig Glück mit ihm.

„Na? Ihr scheint ja einen anstrengenden Tag gehabt zu haben“, stellt Jenny erfreut fest. „War es schön? Wie geht es Izzy?“ Sie setzt ihren Jüngsten auf einem Stuhl ab und streicht ihm liebevoll über den Kopf. Thomas gähnt herzhaft, dann ist er plötzlich wieder hellwach.
„Onkel Josh hat alle Leute unterhalten, Mummy! Wir hatten gaaaaanz viel Publikum“, berichtet er mit ausholenden Handbewegungen stolz. Jamie nickt zustimmend, während er neben seinem kleinen Bruder Platz nimmt.
„Ja, und Izzy hat Faxen gemacht und Küsschen gegeben.“ Sie lachen beide, Jenny und ich stimmen mit ein.
„Sag mal, hast du geglaubt, wir sind ein ganzes Wochenende weg?“, sage ich ächzend, während ich den Rucksack abnehme und ihn auf den Tisch stelle. „Ich hätte eine ganze Schulklasse versorgen können.“
Jenny schüttelt lachend den Kopf. „Ach was, Kinder brauchen nun mal viel zu trinken, und die beiden haben ständig Durst.“
„Na ja, heute war anscheinend kein Trinktag, ich hab die Hälfte wieder zurückgeschleppt“, antworte ich, während ich mir einen karierten Stuhl zurechtrücke und mich setze. Jenny streicht mir über den Kopf.
„Och, du Armer. Du musst ja fix und fertig sein. Willst du ein schönes, kaltes Bier?“
Ich nicke. „Ja, gern. Das hab ich mir heute wirklich verdient.“ Ich sehe mich um. „Wann kommt Pete nach Hause?“
„Er hat vorhin angerufen, dass er noch zu einem Kunden muss. Wird wohl etwas später werden.“ Jenny nimmt eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank, entfernt den Kronkorken und reicht sie mir. Ich nicke dankbar und nehme ein paar kräftige Schlucke.
„Schade. Aber wir sehen uns ja dann am Wochenende zu meiner Abschiedsparty, ja?“
Jenny setzt sich zu mir.
„Ich kann immer noch nicht glauben, dass du für so lange Zeit weg sein wirst“, sagt sie niedergeschlagen und seufzt schwer. „Das wird ganz schön komisch sein, ohne meinen nervigen kleinen Bruder“, fügt sie gequält lächelnd hinzu.
„Ich hab auch so einen nervigen, kleinen Bruder!“, wirft Jamie mit erhobenem Finger ein, woraufhin ihm Thomas mit der Faust gegen die Schulter boxt. Jamie schreit auf und schubst Thomas, sodass er fast vom Stuhl fällt.
Jenny fängt ihn gerade noch auf und schüttelt tadelnd den Kopf.
„Ja, manchmal nerven kleine Brüder, aber wenn sie dann mal nicht da sind, vermisst man sie und wünscht sich, von ihnen genervt zu werden. Also vertragt euch, okay?“
„Okay, Mum“, antworten die Jungs gleichzeitig.
Jenny sieht mich mit einem traurigen Lächeln an.
„Musste es denn ausgerechnet Afrika sein? Du bist so weit weg …wenn irgendetwas passiert.“ Sie wendet den Blick ab und seufzt schwer. „Dieser Job ist mit Sicherheit gefährlich.“ Ich werfe von ihr einen Blick zu den Jungs, die sind jedoch damit beschäftigt, die Reste unseres Proviants zu durchstöbern.
„Hey … ich bin ja nicht für immer weg. Und es wird nichts passieren. Die Schutzstation hat viele Mitarbeiter – auch einheimische, die von Anfang an dabei sind. Und ich bin Zoologe und kein Ranger.“

Dass ich sehr wohl an den Missionen teilnehme, in denen die Tiere aus gefährlichen Situationen befreit werden, habe ich meiner Familie verschwiegen, aber ich habe das Gefühl, sie ahnt es. Ich stehe auf und lege meine Hände auf Jennys Schultern. „Endlich erhalte ich die Chance, mich um Menschenaffen zu kümmern … sie zu beobachten, noch dazu in ihrer natürlichen Umgebung. Freu dich doch für mich.“
Jenny hebt den Kopf, ihre graublauen Augen schimmern verdächtig. „Das tu ich ja, Josh. Aber zwei Jahre lang! Mann, das ist echt ne verdammt lange Zeit!“
„Erstens komme ich nach Hause, wenn ich Urlaub habe, zweitens so lang sind zwei Jahre auch wieder nicht. Hey, zu deinem neununddreißigsten Geburtstag bin ich mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ganz zu Hause.“ Ich grinse sie frech an. Jenny schlägt mir vor die Brust.
„Ach du!“
Ich küsse sie lachend auf die Wange, trinke noch einen Schluck von meinem Bier und wende mich an meine Neffen.
„Ich muss los, Jungs. Bekomme ich noch eine Umarmung?“
Jamie und Thomas nicken eifrig und schubsen sich gegenseitig, im Kampf um die erste Umarmung. Jenny ermahnt die beiden erneut, nett zueinander zu sein, und wirft mir einen resignierten Blick zu.
„Bedankt euch bei Onkel Josh, Jungs. Und danach macht ihr euch bettfertig.“
Es folgt – wie erwartet – synchroner Widerspruch, da sind sie sich wieder einig.
Lachend schließe ich die Jungs gleichzeitig in die Arme und wuschle durch ihre roten Haare.
„Bis Samstag!“

****


Na? Seid Ihr neugierig darauf, wie es Josh in Afrika ergehen wird und was er dort alles erlebt? :) Es wird in jedem Fall gefährlich, dramatisch, lustig, traurig, aufregend, romantisch und - natürlich - auch erotisch ;) 






Freitag, 4. Mai 2018

News!

Hallo Ihr Lieben,

ich freue mich, verkünden zu dürfen, dass mein neuer Roman "Eine riskante Mission" voraussichtlich bereits nächste Woche als Ebook erscheinen wird :) Ende Mai folgt dann das Taschenbuch :)

Klappentext:


Als Josh seine Heimatstadt London verlässt, um in einer Auffangstation für Schimpansen in Nigeria zu arbeiten, ahnt er bereits, dass dies das Abenteuer seines Lebens wird. Tierärzte, Forscher und freiwillige Helfer unternehmen alles, um die Menschenaffen vor Wilderern zu beschützen und gefangene Tiere zu befreien. Die größte Herausforderung für Josh ist jedoch die Begegnung mit dem attraktiven Tierarzt Matt, in den er sich Hals über Kopf verliebt. Und das ausgerechnet in einem Land, in dem auf Homosexualität teilweise noch die Todesstrafe steht …

Sonntag, 29. April 2018

Freitag, 20. April 2018

Cover "Eine Riskante Mission"

Hallo Ihr Lieben :)

Das Cover für meinen neuen Roman ist fertig und ich darf es Euch bereits zeigen :) Erscheinungsdatum habe ich noch keines,
aber allzu lange sollte es nicht mehr dauern :)

Klappentext:

Als Josh seine Heimatstadt London verlässt, um in einer Auffangstation für Schimpansen in Nigeria zu arbeiten, ahnt er bereits, dass dies das Abenteuer seines Lebens wird. Tierärzte, Forscher und freiwillige Helfer unternehmen alles, um die Menschenaffen vor Wilderern zu beschützen und gefangene Tiere zu befreien. Die größte Herausforderung für Josh ist jedoch die Begegnung mit dem attraktiven Tierarzt Matt, in den er sich Hals über Kopf verliebt. Und das ausgerechnet in einem Land, in dem auf Homosexualität teilweise noch die Todesstrafe steht …

Montag, 16. April 2018

Vorläufiger Prolog meines aktuellen Manuskripts

Hallo Ihr Lieben! :)

Vor einer leeren Seite zu sitzen und den Anfang zu schreiben, ist gar nicht so einfach - trotzdem habe ich mich hingesetzt und den Prolog geschrieben. Zumindest ist das der Entwurf eines Prologs. :)

München, Mai 1998

Ludwig Hofmann öffnete die Wohnungstür und blickte wie versteinert auf die junge Frau am Fußende der Treppe. Sie hatte sich bereits wieder zum Gehen gewandt und sah ihn über die Schulter hinweg an. Es musste schon bald ein Jahr her sein … dennoch hatte er ihr wunderschönes Gesicht nicht vergessen können. Auch ihren Namen nicht. In Anthelias außergewöhnlichen Augen, die die Farbe von frischem Gras besaßen, glitzerten Tränen. In diesem heruntergekommenen Hausflur wirkte sie in ihrer Anmut und Vollkommenheit völlig fehl am Platz. Ihr hüftlanges, dunkles Haar und das grüne Kleid aus Seide hoben ihre außergewöhnliche Erscheinung noch hervor. Als sie sprach, hallte ihre sanfte Stimme im Flur wie Engelsgesang.
„Pass gut auf unseren Sohn auf, er ist etwas Besonderes.“ Sie wandte sich endgültig ab, ihr Haar und das Kleid wallten auf, als sie eilig die Treppe hinunter floh.
„Anthelia! Warte!“ Ludwig stolperte fast über einen Korb auf dem Fußabstreifer, den er erst jetzt bemerkte, und hielt einen Moment verdutzt inne, als sich darin unter einer Decke etwas bewegte. Dann stürzte er zum Treppenabsatz, eilte ein paar Stufen hinab und neigte sich weit über das Geländer. Er blickte die fünf Stockwerke hinunter, doch Anthelia war fort, so als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Ein klägliches Wimmern ließ ihn herumfahren. Es kam aus dem Korb und Ludwig war klar, was sich darin befand. Mit zitternden Knien und heißen Wangen ging er darauf zu und ging davor in die Hocke. Vorsichtig hob er die Decke an und keuchte auf, als ihn grasgrüne Augen aus einem winzigen Gesichtchen musterten.

Montag, 9. April 2018

Nach dem Buch ist vor dem Buch :)

Jaaaaaaa, jetzt hab ich es wieder gefunden, das Bild, das mich damals so inspiriert hat. 😍😍 Ich Depp such es überall im Netz, dabei hab ich es doch damals auf meine Festplatte gespeichert 😆 Die Proportionen sind nicht ideal, aber es ist trotzdem irgendwie perfekt und stimmig ... <3

Sonntag, 8. April 2018

Update

Ihr Lieben,

Das Manuskript liegt fertig lektoriert beim Verlag, Cover ist in Auftrag, KLappentext ist fertig.
Titel steht zu 85% fest :D Ich denke, bald gibt es mehr News <3 :)

Genießt den Sonntag und das wunderschöne Wetter ... ich werde jetzt auch gleich in die Sonne gehen
und das erste Eis des Jahres genießen :)

Eure Verena <3

Mittwoch, 4. April 2018

Hallo Ihr Lieben ;)

Habe das korrigierte Manuskript gestern an meine Lektorin zurückgeschickt. Am Wochenende geht es an den Verlag retour und dann kann ich Euch vielleicht schon bald mehr sagen ;)

Bis dahin ein kleines Häppchen:


Ein ohnmächtiges Gefühl ergreift Besitz von meinem Körper, während meine Sicht verschwimmt. Meine Hände kribbeln, als würde mein Kreislauf gleich zusammenbrechen.
„Nein … nein …“ Ich schüttle heftig den Kopf und schluchze auf. Am liebsten würde ich jetzt irgendetwas zerstören, oder um mich schlagen. Ich drehe mich um, greife nach dem leeren Whiskyglas auf dem Tisch und schleudere es fort . „Nein!“ Mein zitternder Aufschrei hallt durch den Raum, während das Glas mit einem Klirren gegen die Wand kracht und in tausend Scherben zerspringt. Ich muss mich mit beiden Händen an der Tischkante festhalten, weil ich Angst habe, dass meine Beine gleich nachgeben. In meinem Kopf schreit es weiter und immer lauter werdend NEIN! Als ich blinzle, fallen meine Tränen auf die Tischplatte und hinterlassen drei winzige Pfützen auf dem hellen Holz. Einige endlose Sekunden lang ist es völlig still im Raum, ich höre nur meinen schweren, schnellen Atem und wie mein Blut in meinem Kopf rauscht.
Schließlich hole ich tief Luft und atme zittrig aus, während ich mich völlig aufgelöst zu Matt umwende. Er starrt mich mit versteinerter Miene an, Tränen laufen an seiner Wange hinunter.

Dienstag, 27. März 2018

Sorry, dass es hier momentan so ruhig ist, meine Lieben 🤔😶 Ich erwarte heute oder morgen den zweiten Teil meines aktuellen Manuskripts aus dem Lektorat. Dann wird nochmal fleißig korrigiert und überarbeitet, bevor es dann bald an den Verlag geht. :D Mein neues Projekt befindet sich gerade in einer Umstrukturierungs-Phase :P Obwohl ich schon fast 100 Seiten geschrieben habe, hab ich mich dazu entschlossen, vieles zu ändern ... Orte, Namen, teilweise auch die Handlung. Wie auch schon bei "Wachgeküsst" werde ich die Handlung zum Teil in der realen Welt spielen lassen ... das Meiste wird komplett gestrichen, aber ich weiß, dass es das Richtige ist - vielleicht hat das Manuskript deswegen so lange in der Schublade gelegen ... es war einfach irgendwie nicht rund .... High Fantasy ist nichts für mich ... ich brauche einen Ticken Realität 🤣😅 Ich denke, bald hab ich News für euch, bezüglich des aktuellen Projekts <3 :D Bis bald!!! <3 :D

Sonntag, 18. März 2018

Update

Hallo Ihr Lieben ;)

Manuskript ist zurück aus dem Lektorat und die Hälfte ist bereits bearbeitet!
In den nächsten Wochen werde ich erfahren, wann die Veröffentlichung ist, denke ich <3

Ich freu mich schon so ... da steckt viel Herzblut drinnen ... bald gibts mehr Infos ;)

Eure Verena

Montag, 26. Februar 2018

Häppchen ;)

Hach, meine Jungs ... <3 Ich kann es kaum erwarten, bis sie aus dem Lektorat zurück sind und ich mich wieder intensiv mit ihnen beschäftigen kann <3 :) Vielleicht kann ich euch in ein paar Wochen schon mehr sagen, in welchem Zeitraum der Roman erscheinen wird. ;)


Matt sieht mich eindringlich an, die Nähe zu ihm beraubt mich jeglichen Denkvermögens. Ich präge mir jedes Detail seines Gesichtes ein, die grünen Augen, seine gerade Nase und vor allem die schön geschwungenen Lippen. Bei seinem Anblick schwirrt mir der ohnehin schon schmerzende Schädel. Ich lehne mich zurück und schließe schwer seufzend die Augen.
„Hey“, flüstert Matt mit sanfter Stimme. „Muss ich mir Sorgen machen?“
„Mich haut so schnell nichts um, das weißt du doch“, antworte ich und sehe ihn wieder an. Stimmt nicht ganz. Du haust mich völlig um, stößt mich aus meiner Umlaufbahn und katapultierst mich wie im Rausch in die unendliche Atmosphäre, denke ich wie benebelt vor Liebe. Warum müssen die besten Männer immer hetero sein, verdammt?

Sonntag, 25. Februar 2018

Leseprobe meines neuen Romans ;)

Ich habe hier eine längere Leseprobe meines neuesten Werks ;) Titel steht noch nicht endgültig fest - ich denke das Buch wird in den nächsten 3-4 Monaten erscheinen. Diese Leseprobe ist eine unkorrigierte Fassung!
Viel Spaß ;)




Ich sehe durch das kleine Fenster des Flugzeuges, wie mein geliebtes London immer kleiner wird. Schließlich verschwindet es unter einer dicken Wolkendecke und ich seufze schwermütig und erleichtet zugleich auf. Jetzt gibt es endgültig kein Zurück mehr, das Abenteuer Nigeria kann beginnen. Gute sechs Stunden Flug liegen vor mir, sechs Stunden, in denen ich über vieles nachdenken kann. Meine Gedanken springen hin und her, dass ich sogar für einige Momente vergesse, wie sehr ich das Fliegen hasse. Das Gefühl, mein Leben dieser Maschine und einem fremden Menschen anzuvertrauen, der sie steuert, macht mir Angst. Nervös blicke ich auf den Bildschirm, der die Höhenmeter und die Flugmeilen anzeigt und atme einmal tief ein und aus.
Ich vermisse meine Familie jetzt schon, es wird eigenartig sein, frühmorgens nicht mit Tess ums Badezimmer streiten zu müssen. Ich fühle einen stechenden Schmerz in der Brust, als ich an das tränennasse Gesicht meiner kleinen Schwester denke. Ihr fällt es besonders schwer, mich gehen zu lassen, da wir sehr viel Zeit miteinander verbringen.
Der Abschied am Flughafen war schrecklich. Jenny und Tess haben geweint und es mir damit noch schwerer gemacht, zu gehen. Auch Dad hat seine Tränen nicht verbergen können und hat mich angesteckt. Das muss ein herzzerreißendes Bild abgegeben haben und der ein- oder andere Passagier hat bestimmt geglaubt, ich wandere für immer aus oder gehe ins Exil.


Ich muss an Marc denken – seine traurigen Augen, als ich ihm noch mal sagte, es hätte keinen Sinn, auf mich zu warten. Ich hoffe nur, er kommt schnell darüber hinweg und findet einen netten Kerl, der es ernst mit ihm meint. Wir werden Freunde bleiben – das weiß ich, weil es mit Marc gar nicht anders sein kann. Wenn es einen Orden für Güte geben würde, wäre er der Erste, dem dieser verliehen wird.
Mit den Flugstunden steigt auch meine Nervosität. Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen mit Larry Fisherman und bin gespannt auf das „Chimps Sanctuary Center“ und meine neuen Kollegen.

Dass ich einen sehr gefährlichen Job angenommen habe, ist mir bewusst. Die Organisation hat Feinde – allen voran die Wilderer und diejenigen, die mit dem Buschfleisch Geschäfte machen. Bei den Rettungsaktionen geraten die Mitarbeiter der Schutzstation des Öfteren in Lebensgefahr. Es hat bereits Zwischenfälle gegeben, bei denen Leute verletzt wurden. Ein afrikanischer Ranger kam vor einiger Zeit bei einem Schusswechsel ums Leben. Das alles hat mir Larry offen gesagt und mich von Anfang an auf die Gefahren hingewiesen. Diese Tatsachen habe ich Dad und meinen Schwestern natürlich verschwiegen.



****

Als der Kapitän die bevorstehende Landung ankündigt und ich meinen Gurt anlege, steigt meine Nervosität. Meine Hände sind feucht, ich wische sie an meiner Jeans ab und sehe aus dem Fenster. Der Flieger durchbricht die Wolkendecke und es wird etwas holprig. Ich klammere mich automatisch an den Armlehnen meines Sitzes fest, obwohl ich weiß, dass das ganz normal ist. Und dann tut sich die unendlich weite, grün- und sandflächige Landschaft Afrikas vor mir auf, vereinzelt durchzogen von feinen Linien … eindeutig Flüsse und größere Straßen.
Ich atme noch einmal tief durch und wappne mich mental auf das wahrscheinlich größte Abenteuer meines Lebens.


Pünktlich um halb eins Mittag lande ich in Abuja, der Hauptstadt Nigerias. Ich werfe einen Blick auf mein Handy, das bereits die Ortszeit halb zwei anzeigt.
Als ich aus dem Flugzeug steige, hüllt mich das feucht-heiße Klima Afrikas ein, als würde ich in ein Dampfbad fallen. Zusammen mit den anderen Fluggästen geht es in einem viel zu kleinen, überfüllten Bus zum Terminal. Von der einheimischen Familie mit schreienden Kindern, über den weißen Geschäftsmann im Anzug und in farbenfrohen Stoffen bekleideten Männern und Frauen ist alles vertreten. Es ist laut und stickig im Transfer und ich bin froh, als ich nach einigen Minuten wieder aussteigen kann. Ich lasse mich von der Menge bis zur Gepäckausgabe treiben, wo ich auf meinen Rollkoffer warte. In Afrika geht alles etwas langsamer und behäbiger zu, weswegen beinahe eine Dreiviertelstunde vergeht, ehe ich mit meinem Gepäck Richtung Ausgang marschieren kann. Abujas Flughafen hat nur zwei Terminals – einen für Inlands- und einen für Auslandsflüge. Daher ist alles recht überschaubar und es dauert nicht lange, bis ich Larry im Wartebereich entdecke. Zwischen den vielen bunten Kleidern und den überwiegend dunkelhäutigen Menschen ist es nicht schwer, ihn auszumachen. Er ist ein großer Mann mit breiten Schultern, Ende fünfzig. Sein Haar ist schon mehr grau als dunkelbraun, genau wie sein Bart. Am auffälligsten ist seine runde John Lennon – Brille, ohne die ich ihn gar nicht kenne.

Ich bin überrascht und erfreut zugleich, dass er mich persönlich abholt.
„Josh!“ Er winkt mir zu und schüttelt überschwänglich meine Hand, als ich ihn erreicht habe. „Ich wollte eigentlich einen Fahrer schicken, konnte mir aber dann doch die Zeit nehmen, um dich selbst abzuholen“, begrüßt er mich herzlich. „Willkommen in Nigeria – wie war dein Flug?“
„Hallo Larry“, erwidere ich. „Danke, es hat alles wunderbar geklappt.“
Wir durchqueren die Halle und verlassen das Flughafengebäude durch einen der Hauptausgänge.
„Woah … ich wusste, dass es heiß hier ist, aber das übertrifft meine Vorstellungen“, sage ich grinsend, ziehe ein Haargummi aus der Tasche und fasse meine Haare im Nacken zu einem lockeren Knoten zusammen.
Larry lacht. „Ja, wir haben heute bestimmt wieder kuschelige fünfundfünfzig Grad in der Sonne. Und jetzt herrscht natürlich auch noch die größte Mittagshitze. Aber du wirst dich schnell daran gewöhnen, glaub mir.“
Auf dem Parkplatz erkenne ich Larrys Auto sofort, denn der große schwarze Jeep hat seitlich das Logo und die Aufschrift des „Chimps Sanctuary Center“.

Ich lehne mich im Sitz zurück, während Larry den Motor anlässt.
„Es sind gute zwei Stunden Fahrt bis zur Schutzstation“, erklärt er mir. „Aber wir haben ja gottseidank eine Klimaanlage.“ Er grinst. Ich nicke ihm lächelnd zu und lege den Gurt an.
„Das ist gut“, antworte ich erleichtert und sehe mich neugierig um, als wir den Flughafen verlassen und auf eine zweispurige Autobahn fahren. Die Straßen sind staubig und teilweise fehlen die Markierungen, aber ich habe mir das alles noch viel bescheidener vorgestellt. Larry scheint zu ahnen, was mir durch den Kopf geht.
„Die Airport Road führt bis nach Abuja“, sagt er. „Bis zur Hauptstadt brauchen wir eine gute halbe Stunde, dann nochmal eineinhalb Stunden bis zur Schutzstation. Warte mal ab – du wirst aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen, wenn wir gleich durch Abuja fahren.“ Er lächelt geheimnisvoll. „Wer noch nicht hier war, glaubt nicht, wie erstaunlich westlich doch diese Stadt wirkt. Und das Umland hat durchaus sehr schöne Fleckchen – bestimmt hast du mal die Gelegenheit, diese zu sehen.“
„Ich bin sehr gespannt, was mich hier alles erwartet“, erwidere ich. „Es wird völlig anders sein, als das, was ich bisher gemacht habe, aber ich freue mich auf diese neue Herausforderung.“
Larry nickt. „Die Arbeit ist unglaublich erfüllend und wir sind jeden Abend stolz, auf das was wir geschafft haben“, sagt er. „Diese Tiere zu retten und ihnen die Chance auf ein neues Leben zu geben, erfüllt einen mit großer Befriedigung und Stolz. Aber wir haben natürlich auch sehr gefährliche und traurige Momente. Schließlich läuft es nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Für einige Schimpansen kommt jede Hilfe zu spät, oder sie sterben kurz darauf im Schutzreservat an den Folgen ihrer Gefangenschaft. Das Schicksal der Affen ist schrecklich und manchmal kaum zu ertragen, aber jedes einzelne Tier, das gerettet werden kann, gibt Hoffnung und die Kraft, diese wichtige Arbeit weiterzumachen.“ Er sieht mich kurz an und widmet sich dann wieder der Straße. „Ich bin mir ganz sicher, dass du sehr gut in unser Team passt, Josh. Und wir sind sehr froh, dass du da bist. Eins der Teams besteht momentan nur aus zwei Mitarbeitern, dadurch springt einer immer hin und her. Das ist auf Dauer anstrengend und manchmal schwer zu organisieren – vor allem wenn jemand krank ist, oder Urlaub hat. Jetzt können wir uns wieder ganz auf unsere Schützlinge konzentrieren.“

Während der Fahrt staune ich über das ständig wechselnde Landschaftsbild. Wir fahren etwa zehn Minuten lang durch Einöde, an Müllbergen und rostigen Autowracks vorbei, bis wir in das Stadtcenter von Abuja kommen. Die Hauptstadt erscheint optisch in einigen Teilen tatsächlich sehr westlich. Hochhäuser mit glänzenden Fassaden, von Palmen gesäumte Hauptstraßen und weiße Zäune vor größeren Anwesen wechseln sich mit ärmeren Vierteln ab, die im Kontrast dagegen schmutzig und heruntergekommen sind. Ich ahne bereits jetzt, dass dieses Land viel mehr bietet, als sich die meisten vorstellen können. Wir unterhalten uns über allgemeine Dinge und Larry erzählt mir, dass er seit 2004 mit seiner Frau Sulola, einer Nigerianerin, verheiratet ist. Als er zwei Jahre zuvor aus Texas nach Nigeria kam, hat er als reicher Geschäftsmann die Zelte in seiner Heimatstadt Dallas abgebrochen und das „Chimps Sanctuary Center“ aus eigener Tasche finanziert und aufgebaut. Seine Firma, die mit Immobilien und Aktien handelt, leiten mittlerweile seine erwachsenen Söhne aus erster Ehe.
„Ich bin damals mit einem meiner besten Freunde nach Nigeria gekommen“, erklärt Larry. „Mason Steward ist Tierarzt und mit mir der Dienstälteste im Reservat. Du wirst ihn sicher heute noch kennen lernen.“

Wir sind noch nicht lange raus aus der Stadt – und es kommt mir vor, als hätte man einen Schalter umgelegt und uns aus der Zivilisation heraus katapultiert. Anstatt Hochhäusern, Geschäften, sauberen Straßen und Parkanlagen, fahren wir auf staubigen Wegen, die umgeben sind von wilder Natur, Wäldern, Felsen und abgelegenen Dörfern. Zum Teil scheinen die Hütten nur aus Pappe, Holz und Wellblechen zu bestehen.


Ich zucke zusammen, als eine Hupe ertönt. Uns kommt gerade ein Transporter entgegen, auf dem so viele Menschen sitzen, dass ich Angst habe, dass einer von ihnen herunterfällt. Nicht nur auf der Ladefläche, sondern auch auf dem Dach befinden sich Männer und Frauen, die uns begeistert zuwinken. Larry bemerkt mein erstauntes Gesicht und lacht auf.
„Das ist ganz normal. Hier besitzen nur sehr wenige Menschen ein Auto und so werden Fahrgemeinschaften gegründet, die oft aus einem ganzen Dorf bestehen. Sie fahren meist zum nächsten Markt oder zu einem Brunnen, um Wasservorräte zu holen.
„Ich möchte nicht wissen, wie voll der Transporter ist, wenn sie zurück fahren“, antworte ich kopfschüttelnd, worauf Larry wieder lacht.
„Du würdest dich wundern, was da noch alles drauf geht.“ Er fährt in seinem Bericht über die Anfänge des Schutzcenters fort und ich erfahre, dass es Anfeindungen von Einheimischen gab. Nicht nur die Dorfbewohner, die teilweise Angst vor den Menschenaffen haben, standen dem Projekt feindselig gegenüber. Die größte Gefahr ging von denjenigen aus, die Geschäfte mit dem sogenannten Buschfleisch machen. Deswegen ist das rund sechshundert Hektar große Areal, auf dem das Reservat erbaut wurde, mit schweren, hohen Stacheldrahtzäunen abgesperrt und wird rund um die Uhr von bewaffneten Parkrangern bewacht. Es gab aber auch einige, die gekommen waren, um zu helfen – darunter ein Lehrer aus einem der umliegenden Dörfer und seine Schwester Sulola.
„Sulola ist dank des Einflusses ihres Bruders gebildet, kann lesen und schreiben, was hier nicht selbstverständlich ist“, erklärt mir Larry. „Und sie spricht sehr gut englisch. Aus der Gruppe der freiwilligen Helfer stach sie mit ihrer offenen, freundlichen Art hervor und ist mir bereits am ersten Tag aufgefallen“, schwärmt er, während ein verträumtes Lächeln auf seinen Mundwinkeln liegt. „Sie wollte alles über die Schimpansen und unsere Arbeit wissen – aber genauso interessiert war sie daran, wo ich herkomme und was ich dort gemacht habe. Es hat nicht lange gedauert, sich in diese Frau zu verlieben. Ihr Bruder ist noch ihr einziger, lebender Verwandter und so bat ich ihn irgendwann um die Hand seiner Schwester. Er hat sofort zugestimmt, weil er sie versorgt und in guten Händen wusste.“
„Ich freue mich schon darauf, deine Frau kennen zu lernen“, erwidere ich, als wir gerade auf einen holprigen Feldweg abbiegen. Ich kann bereits die von Larry erwähnten Stacheldrahtzäune erkennen, die die Grenzen des Reservats bilden. Schon jetzt kann man sehen, welch riesige Ausmaße es hat. Schließlich kommen wir an ein großes, schweres Eisentor, das geschlossen ist. Ein bewaffneter Ranger kommt sofort aus dem Wachhäuschen, doch als er Larrys Wagen erkennt, winkt er uns zu und öffnet uns das Tor.


„Wir fahren erstmal zum Hauptgebäude und gehen in mein Büro“, erklärt Larry. „Ich stelle dir ein paar Kollegen vor und anschließend zeige ich dir, wo du wohnen wirst.“
Ich nicke. „Das hört sich gut an“, antworte ich zustimmend und blicke aus dem Fenster. „Wow“, sage ich beeindruckt. „Man hat das Gefühl, in eine andere Welt zu gelangen.“
„Ich weiß“, antwortet Larry schmunzelnd. „Das sagt jeder, der das erste Mal herkommt.“
Abuja liegt in der Savanne und nach einer guten Stunde Autofahrt durch trockene Einöde erwartet mich hier eine grüne Oase. Die Wege sind durch liebevoll gepflegte Gärten gesäumt. Tropische Pflanzen mit wunderschönen bunten Blüten, hohe Gräser und schattenspendende Akazien und Orangenbäume geben ein paradiesisches Bild ab.
„Wir haben aber darauf geachtet, Pflanzen zu verwenden, die nicht allzu viel Wasser benötigen“, erzählt Larry. „Schließlich ist Wasser kostbares Gut und wird an anderer Stelle viel dringender benötigt.“

Das Hauptgebäude wirkt schlicht und gepflegt. Der Vorplatz ist kreisrund, in der Mitte wurde eine kleine Insel angelegt, auf der eine Akazie und einige blühende Büsche wachsen. Wir betreten das Haus durch die offen stehenden Flügeltüren aus dunklem Holz und gehen zuerst durch eine lichtdurchflutete Halle. Larry trägt meine kleine Reisetasche und ich ziehe den Rollkoffer hinter mir her. Ich blicke nach oben und betrachte das runde Kuppelfenster, zwischen den Treppen im zweiten Stock. Genau darunter befindet sich ein steinernes Becken, dem ich mich neugierig nähere.
„Goldfische …“, murmle ich mehr zu mir selbst.
„Ja, eine meiner großen Leidenschaften“, antwortet Larry, in seiner Stimme schwingt Stolz mit. „In meinem Anwesen in Dallas hatte ich einen riesigen Teich mit verschiedenen Fischarten. Wobei mir die Goldfische besonders lieb sind – vor allem die Schleiergoldfische. Wenn ich gestresst bin, setzte ich mich ein paar Minuten hin und beobachte sie. Das verleiht mir Ruhe und neue Kraft.“
„Das kann ich mir gut vorstellen“, antworte ich nickend und folge Larry durch einen breiten Korridor.
„Die Büroräume befinden sich hier im Erdgeschoß“, erklärt er mir. „Genau wie die Kantine, Konferenz- und Aufenthaltsräume. Im Hauptgebäude ist eigentlich fast alles untergebracht. Einzig die Appartements der Mitarbeiter befinden sich woanders – und natürlich die Schimpansenstation. Aber alles zu seiner Zeit.“ Larry bleibt vor einer Tür stehen, klopft kurz und legt die Hand auf die Klinke. „Dein Gepäck kannst du in meinem Büro lassen, während ich dir alles zeige.“

Als wir Larrys Büro betreten, erhebt sich eine dunkelhäutige Frau von einem der beiden Schreibtische im Raum. Als erstes fallen mir ihre warmherzigen, glänzenden Augen auf. Sie trägt ein bunt bedrucktes, afrikanisches Kleid, mit einem passenden Kopftuch, das sie kunstvoll, ähnlich wie einen Turban geschlungen trägt. Ihr gepflegtes Äußeres, wie Ohrringe, Makeup und eine außergewöhnlich ebenmäßige Haut, lässt sie mich vom Alter her schwer einschätzen, aber sie ist mindestens zehn bis fünfzehn Jahre jünger als Larry.
„Schatz, das ist Josh Edwards aus London.“ Larry schließt die Tür und stellt meine Tasche ab. Meinen Rollkoffer stelle ich daneben.
„Josh, freut mich, dich kennen zu lernen“, begrüßt mich Larrys Frau in beinahe akzentfreiem Englisch, während sie mir eine perfekt manikürte Hand hinhält. „Ich bin Sulola. Hattest du einen guten Flug?“
Ich drücke behutsam ihre Hand und nicke.
„Hallo, Sulola“, erwidere ich. „Ja, vielen Dank – es hat alles wunderbar geklappt.“
„Das freut mich.“ Ihr Lächeln lässt ihre weißen Zähne aufblitzen. „Du bist Zoologe, nicht wahr? Larry hat mir schon einiges über dich erzählt.“
„Ach ja?“, antworte ich neugierig und wechsle kurz einen Blick mit Larry, der grinsend zustimmt.
„Natürlich nur Gutes“, sagt er augenzwinkernd. „Wir bewundern deine Öffentlichkeitsarbeit in der Tierschutzorganisation … die Menschen über Tierquälerei jeglicher Art aufzuklären, ist eine enorm wichtige Sache. Außerdem habe ich meiner Frau erzählt, wie du bereits als kleiner Junge einen Schimpansen großgezogen hast.“
Ich lache peinlich berührt. „Na ja, den größten Anteil daran hatte mein Vater. Ich habe nur assistiert.“
„Was bewundernswert ist, in so jungen Jahren“, erwidert Sulola anerkennend, während sie zu ihrem Schreibtisch zurückkehrt, sich über die Tastatur neigt und kurz etwas eintippt. „Entschuldigt, ich muss rasch etwas abspeichern. Das Ding hat die Angewohnheit immer dann abzustürzen, wenn ich meine Daten nicht gesichert habe.“
„Mach du ruhig weiter, Liebling.“ Larry geht kurz zu seiner Frau und küsst sie liebevoll auf die Wange. „Ich möchte Josh ohnehin kurz herumführen und ihm das Wichtigste zeigen. Wir kommen dann wieder, um das Gepäck zu holen.“
Sulola nickt und setzt sich.
„Okay, dann wir sehen uns nachher.“
„Ja, bis dann.“


„Im Moment ist nur Team Eins anwesend – und davon lediglich zwei Leute“, erklärt mir Larry, während wir den Korridor zurückgehen. „Mason ist mit Team Zwei in den Wäldern unterwegs. Wilderer sollen dort ihr Unwesen treiben. Ich hoffe, die Kollegen kehren bald wohlbehalten zurück.“ Wir gehen am Goldfischbecken vorbei zum Lift, der sich genau gegenüber vom Eingang befindet. Erst jetzt fallen mir die Hinweisschilder an den Wänden auf, die aufzeigen, was sich wo befindet. Larry deutet mit dem Kinn nach links. „Hier im linken Flügel befindet sich die Kantine und die Küche, aber da dürfte jetzt niemand mehr da sein. Hast du Hunger? Dann besorgen wir rasch etwas für dich.“
Ich schüttle den Kopf. „Nein, danke. Ich habe im Flugzeug etwas bekommen.“

Wir fahren mit dem Lift in den ersten Stock, wo wir uns in den linken Flügel begeben und dem Schild mit der Aufschrift Teams/Tiermedizinische Versorgung folgen.
Larry klopft kurz an eine Tür und ich betrete nach ihm einen Raum, in dem zwei Schreibtische stehen, ein Tisch mit vier Stühlen und eine kleine Küchenzeile mit einer Mikrowelle und einer Kaffeemaschine. An einem der Schreibtische sitzt ein Mann in etwa meinem Alter, der jetzt aufsieht und sich sofort erhebt.
„Larry“, begrüßt er unseren Boss mit einer winkenden Handbewegung, bevor er mir freundlich zunickt. Ich finde ihn auf Anhieb sympathisch.
„Hey Walt“, erwidert Larry. „Das ist Josh Edwards, der neue Kollege für Team Zwei. Er ist gerade angekommen und ich dachte, wir schauen kurz vorbei.“
Walt und ich reichen uns die Hand.
„Freut mich Josh“, begrüßt er mich breit lächelnd. „Gut, dass du da bist. Das bedeutet nämlich, dass mein Team wieder komplett ist.“
„Hallo Walt“, erwidere ich. „Ja, ich hab schon gehört, dass ihr momentan etwas im Stress seid.“
„Das kann man wohl sagen“, bestätigt Walt nickend, worauf ihm ein paar seiner schwarzen, dicken Dreadlocks ins Gesicht fallen, die er etwa schulterlang trägt. Seine Haut besitzt die Farbe von Milchkaffee. „Deswegen bin ich gerade alleine hier. Unser Team-Tierarzt Mason ist unterwegs auf Mission und Suzie, eine andere Kollegin, ist mit ein paar Rangern und Helfern draußen bei den Schimpansen. Wir bereiten gerade den Umzug zweier Jungtiere in eines der Außenanlagen vor.“
„Suzie ist Verhaltensbiologin“, fügt Larry hinzu. „Du kannst sie gleich kennen lernen, wenn du magst. Wir könnten mit einem Caddy zu den Außengehegen fahren.“
Ich bin begeistert von Larrys Vorschlag und plötzlich so aufgeregt, dass mein Herz schneller schlägt. Ich werde gleich die Gelegenheit haben, ersten Kontakt mit den Schimpansen aufzunehmen.
„Sehr gerne“, antworte ich erfreut.


****



„Also, hier im ersten Stock befinden sich Räume der Teams, die tiermedizinische Versorgungsstation und ein Operationsraum“, unterrichtet mich Larry weiter, als wir in den Lift steigen und wieder nach unten fahren. „Und im zweiten Stock ist die humanmedizinische Station. Ich würde sagen, das kann dir morgen einer deiner Kollegen zeigen. Erstens ist meine Zeit leider begrenzt, zweitens wäre das zu viel für heute.“

Wir verlassen das Hauptgebäude und steuern auf eines von drei Elektro-Caddys zu, die vor dem Eingang parken.
„Wir benutzen die Caddys ganz gerne, weil das Reservat wirklich groß ist und du dir hier so manches Mal die Füße platt latschst“, erklärt mir Larry grinsend. „Nach den Außengehegen zeige ich dir dann erstmal, wo du wohnen wirst.“ Er macht eine ausschweifende Handbewegung in die Ferne. „Dort drüben befinden sich die Bungalows sämtlicher ausländischer Mitarbeiter, wir haben dir bereits einen bezugsfertig gemacht. Die einheimischen Helfer verlassen die Schutzstation abends so zwischen neun und elf Uhr – je nachdem wie sie mit ihrer Arbeit fertig werden. Es sind dann nur noch die Ranger da, die Nachtwache haben. Ich würde sagen, nachdem ich dir die Außenanlagen für die Schimpansen gezeigt habe, holen wir dein Gepäck und ich bringe dich zu deinem Appartement. Du solltest erstmal in Ruhe ankommen, morgen geht’s dann richtig los. Was hältst du davon?“
Da ich ziemlich müde bin, nicke ich dankbar.
„Das hört sich wirklich gut an, danke Larry.“

Wir wollen gerade in das Caddy steigen, als ein dunkler Jeep mit großer Ladefläche sprichwörtlich mit einem Affentempo angerauscht kommt und mit quietschenden Reifen und jeder Menge Sandstaub zum Stehen kommt. Drei Männer springen von der Ladefläche – einer von ihnen ist ein bewaffneter, einheimischer Ranger. Zugleich steigt eine Frau aus, die am Steuer gesessen hat. Einer der Männer trägt ein kleines Bündel in den Armen, eingewickelt in ein Stück Stoff – rot getränkt mit Blut. Der Oberkörper des Mannes ist nackt, und ich kann erkennen, dass er ein Gorillababy in sein Hemd gewickelt hat.
Der andere Mann ist unheimlich blass, es ist offensichtlich, dass es ihm nicht gut geht. Sein rechter Arm ist notdürftig mit einem Stofffetzen verbunden, durch den Blut durchgesickert ist.
„Mason, lass dich von Valentina verarzten!“, ruft ihm der Mann mit dem Gorillababy im Arm gehetzt zu, während er sich suchend umsieht. Sein Blick bleibt für den Bruchteil einer Sekunde an mir hängen, dann entdeckt er Larry.
„Larry! Ich brauche jemanden, der mir assistiert!“, brüllt er ihm gehetzt zu. „Mason fällt aus, er muss sofort in die Krankenstation. Das Kleine muss in den OP!“ Verzweifelt fällt sein Blick wieder auf mich. „Hey, hast du schon mal bei einer OP assistiert?“
Ich wechsle einen Blick mit Larry und mir ist klar, dass mein neuer Job doch sofort beginnt.



News

Ihr Lieben, sorry, dass ich diesen Blog so verweisen habe lassen. Es gibt News :) Mein neues Manuskript liegt im Lektorat - in den nächsten Wochen/Monaten wird es einen neuen Roman von mir geben :D Es geht um einen jungen Tierschützer, der sich in Afrika in einen Kollegen verliebt. Ich werde noch eine Leseprobe einstellen. Liebe Grüße, Verena

Donnerstag, 26. November 2015

BuchBerlin *klick*

Ihr Lieben! Ich bin am Samstag, den 28.11.15 auf der Buch Berlin ;)

Ihr findet mich zwischen 16:00 Und 17:00 am Dead Soft Stand im Friedrichsaal! Ich freue mich auf euch! ;)

Montag, 14. September 2015

Hallo Ihr Lieben,

sorry, dass ich hier länger nichts geschrieben habe. Dafür gibt es Neuigkeiten! ;) Ich habe meinen Erstling "Gefangen im Zwielicht" komplett überarbeitet, dieser ist nun als ebook erhältlich. Print folgt bald! Mit über 30 Seiten mehr hoffe ich, Euch ein schönes Lesevergnügen mit meinen Vampiren zu bereiten! :D




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Donnerstag, 23. Juli 2015

Neuauflage "Gefangen im Zwielicht" Leseprobe Kapitel 1

Hallo Ihr Lieben! ;)

"Gefangen im Zwielicht" wird mit fast dreißig Seiten mehr Inhalt neu aufgelegt - Termin steht noch keiner fest. :) Ich möchte Euch hier den (noch unkorrigiert!) Prolog und das erste Kapitel präsentieren - viel Spaß!


Prolog

Alexei stand im Schatten einer großen Eiche und beobachtete die Kinder bei ihrem Fußballspiel. Der Junge mit dem blonden Stoppelschnitt und dem fröhlichen Lachen war auch wieder da. Immer wieder huschte der Blick des Kleinen zu Alexei hinüber, aber nur seiner. Für die anderen Kinder schien er unsichtbar zu sein. Auch die wenigen Erwachsenen am Spielfeldrand, von denen einige unmittelbar neben ihm standen, schienen ihn nicht sehen zu können. Ein paar Mal musste Alexei sogar zur Seite springen, damit ihn niemand über den Haufen rannte.
Obwohl der Junge nicht älter als zehn oder elf Jahre alt sein konnte, wirkte er sehr erwachsen. Eindeutig nahm er das Spiel sehr ernst. Seine blauen Augen blitzten wütend auf, während er seine Kameraden zur Ordnung rief, weil sie herumalberten und nicht richtig bei der Sache waren. Er stand in dem improvisierten Tor aus zwei am Boden liegenden Jacken und ging in Position. Doch als er wiederholt zu Alexei hinübersah, zuckte er plötzlich erschrocken zusammen. Mit weit aufgerissenen Augen rief er ihm etwas zu, das wie eine Warnung klang. Alexei konnte ihn hören, verstand jedoch nichts davon. Als würde der Raum zwischen ihnen Teile der Worte verschlucken. Panik stand im Gesicht des Kindes geschrieben, die auch ihn selbst rasch ergriff. Das Fußballspiel war offensichtlich vergessen, als der Junge auf Alexei zu rannte und die Hand nach ihm ausstreckte.
 Alexei war unfähig, sich zu bewegen, als hielten ihn unsichtbare Arme mit Gewalt zurück. Da begann der Junge zu weinen. Heftige Schluchzer schüttelten ihn. Die Wangen waren gerötet, seine blauen Augen von Schmerz erfüllt. Er lief schneller und konnte Alexei dennoch nicht erreichen. Eine gewaltige Macht hielt die beiden auseinander.
Und dann kam der schwarze Nebel. Eine dichte, wabernde Wand, die beide voneinander trennte, und alles in ihrem riesigen Schlund verschlang. Die Bäume, den Himmel und die Sonne. In ihrem letzten Strahl stand der Junge, die Arme um sich selbst geschlungen, als spüre er die Gefahr, die im Dunkeln lauerte.
Auch Alexei hatte Angst im Dunkeln. Immer schon. Ein Blitz durchbrach die schwarze Nebelwand, und er wusste, was als nächstes passieren würde. Das gleißende Licht schillerte zuerst weiß, dann blau und schließlich blutrot, als sich das Licht im Rubin des Siegelringes brach, der für einen Moment vor seinem Gesicht auftauchte. Ein goldener, auffälliger Siegelring, auf dem in goldenen Lettern ein „W“ eingraviert war. Und wieder hallte dieses irre, triumphierende Lachen durch die Finsternis, die Alexei nun endgültig verschluckte…

Alexei erwachte durch seinen eigenen Schrei und saß aufrecht im Bett. Sein Herz raste und die Lungen schmerzten unter seinen heftigen  Atemzügen. Warum nur quälte ihn immer wieder derselbe Traum? Undefinierbare Gefühle der Sehnsucht und der Schmerz von Verlust ergriffen Besitz von ihm. Er strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn, während sein Blick auf den Digitalwecker fiel. Die grün leuchtenden Ziffern sprangen gerade auf 17:18 Uhr. Höchste Zeit, aufzustehen.



1

Leon und sein Vater saßen gemeinsam mit ihrem potenziellen Geschäftspartner im Konferenzraum. Es kam nicht so oft vor, dass sie beide bei einem Angebot dabei waren, aber dieser Zenker hatte nicht gerade das, was man einen guten Ruf nannte. Also beobachtete Leon den Kerl ganz genau. Bevor er eingetreten war, hatte er vor der Glastür innegehalten und den Knoten seiner Designerkrawatte zurechtgerückt. Nun saß er da und Leon war gespannt, was der Typ zu sagen hatte. Zenker kämmte sich mit den Fingerspitzen durch das Haar, während er sich scheinbar interessiert umsah. Sein Blick blieb einen Moment an der auffälligen Kommode hängen, bevor er sich Leons Vater zuwandte.
„Das ist ein schönes Stück, das sie da stehen haben, Herr Bergmann. Ist das Teakholz?“, fragte er mit einem Kichern, das völlig fehl am Platz war, und gelbe, etwas schief stehende Zähne offenbarte. Leon fand, der Kerl hatte Ähnlichkeit mit einer Hyäne, so wie er den Kopf vorschob, während er die Schultern nach oben zog. Und dann dieses irre Kichern dazu.
Leons Vater schien sich nicht so daran zu stören und nickte stolz.
„Malaysia, Achtzehntes Jahrhundert“, bestätigte er mit leuchtenden Augen. „Zwei der Goldgriffe musste ich allerdings ersetzen lassen. Ich habe das bauchige Ding auf einer meiner Reisen gekauft.“
Leon lächelte und seine Gedanken schweiften kurz ab. An den Urlaub konnte er sich nur allzu gut erinnern. Es war der erste mit seiner Stiefmutter und auch einer der schönsten. Vater und Ines händchenhaltend am weißen Sandstrand, der Geruch des Meeres. In seinem Kopf hallten fröhliches Kinderlachen und das Kreischen der Möwen, als wäre es erst gestern gewesen. Leon war acht Jahre alt und in diesen Wochen wohl das glücklichste Kind auf der Welt. Vielleicht wäre er sogar noch glücklicher gewesen, hätte er nicht diese braune Badehose tragen müssen, auf der leuchtend gelbe Bananen abgebildet waren. Womöglich trug aber auch gerade diese Erinnerung dazu bei, dass der Urlaub so unvergessen geblieben war. Am letzten Tag hatte er die Bananenbadehose am Strand vergraben und vorgegeben, sie verloren zu haben.

Zenker räusperte sich, seine für einen Mann ungewöhnlich hohe Stimme riss Leon aus seinen Erinnerungen.
„Kommen wir zum geschäftlichen Teil, meine Herren.“ Wieder ein Hyänenkichern. „Ich möchte Sie nicht drängen, aber ich habe noch weitere Interessenten für das Haus. Ein solch lukratives Angebot bekommen Sie nicht alle Tage.“ Er entblößte seine gelben Zähne zu einem schleimigen Lächeln und kritzelte etwas auf einen Block, den er – zusammen mit einem Laptop - aus seiner Aktentasche entnommen hatte. Dabei zuckte er flatternd mit dem Bein, so dass der große Tisch und sein Laptop, das er gerade aufklappte, vibrierten. Leon warf seinem Vater möglichst unauffällig einen warnenden Blick zu, worauf er nickte. Sie verstanden einander auch ohne Worte, waren längst ein eingespieltes Team. Beruflich ebenso, wie privat.
„Geben Sie uns bis morgen Bedenkzeit, Herr Zenker“, bat er höflich. 

Zenker schüttelte energisch den Kopf, das Zucken seines Beines wurde stärker.
„Ich fürchte, Sie werden sich gleich entscheiden müssen. Ich treffe heute noch zwei weitere Interessenten.“
Leon straffte die Schultern und atmete tief ein. Der miese Typ log, dass sich die Balken bogen. Aber da war noch mehr als das schmutzige Geschäft, an das er die ganze Zeit gedacht hatte. So laut, dass Leon es nicht einmal hätte überhören können, wenn er es gewollt hätte. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Haus. Etwas, das über bloße Gebrauchspuren hinausging.
Bei der Besichtigung war nur sein Vater dabei gewesen, doch Leon konnte in diesem Augenblick trotzdem sehen, was hier faul war. Und zwar faul im wahrsten Sinne des Wortes.
Er war bereits vor einigen Minuten in Zenkers Geist eingedrungen, und brauchte nicht lange, um alles direkt vor sich zu sehen. Nur mit großer Mühe konnte er seinen Zorn zurückhalten.
„Ich würde gerne die oberen Stockwerke noch einmal sehen“, bemerkte Leon zähneknirschend und wunderte sich über die Ruhe in seiner Stimme. Zenkers Gesichtszüge entgleisten. Er trommelte mit den Fingerspitzen auf das Holz des Konferenztisches, seine Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Aber warum denn das?“, stieß er schrill aus.  „Ich glaube kaum, dass dies nötig sein wird. Meine Mitarbeiterin hat Ihrem Vater bereits alles gezeigt.“ Er tat sich sichtlich schwer, die Contenance zu bewahren, und Leon hörte in seinem Kopf, was das Arschloch über das arme Mädchen dachte, das keinen blassen Schimmer davon hatte, was für ein Verbrecher ihr Chef war.

„Das sehe ich anders“, entgegnete Leon so ruhig, wie es seine Wut zuließ und lächelte so strahlend, wie Zenker zu Beginn ihres Gespräches. „Und wenn wir schon dabei sind - die rostigen, mit schlechter Farbe übermalten Wasserleitungen im Keller möchte ich auch sehen. Die brechen vermutlich auseinander, falls eine der Ratten da unten einen Furz lässt.“
Aus den Augenwinkeln sah Leon, dass die Schultern seines Vaters vor Lachen bebten. Die Hyäne schnappte nach Luft und ihre Augen verdunkelten sich, als würden Gewitterwolken darin aufziehen. In der Tat konnte Leon den Sturm schon spüren, als Zenker ihn noch gar nicht realisiert hatte. Armer Idiot. Er hatte sich einfach die Falschen ausgesucht.  Aber wie sollte er auch ahnen, dass Leon all die Dinge sehen konnte, die in seinem Kopf vorgingen.
Zenker zerrte an seiner Krawatte, als wäre sie eine Schlinge um seinen Hals.
„Ich versichere Ihnen, das sind alles Kleinigkeiten, die werden selbstverständlich noch instandgesetzt“, stotterte er wirr. Sein Hyänenkichern war ihm wohl im Hals stecken geblieben. „Wie kommen Sie überhaupt auf ...“
„Etwa wie der Dachboden?“, unterbrach Leon ihn. „Mein Vater berichtete mir, dass alles noch etwas frisch aussieht. Als wäre es … sagen wir … vorgestern mal eben mit Sandfarbe gestrichen worden?“
Zenker quollen die Augen aus den Höhlen, seine Unsicherheit schwand und ging nahtlos in Wut über.
„Jetzt reicht es aber! Glauben Sie, ich habe meine Zeit gestohlen?“ Er sprang vom Stuhl und griff nach seinem Block. „Das hab ich bestimmt nicht nötig.“
Oha, die Hyäne wurde zum Tiger. Leons Vater blickte Zenker ruhig an. Nur das Zucken in seinen Augenwinkeln verriet, dass er kaum noch an sich halten konnte.
„Beruhigen Sie sich doch, Herr Zenker. Mein Sohn hat Sie doch nur um eine klare Auskunft gebeten. Kein Grund, laut zu werden.“
„Von wegen um etwas gebeten!“ Zenker fuchtelte wild mit einer Hand herum und warf Leon einen wütenden Blick zu. „Das sind absurde Anschuldigungen! Mit solchen Leuten muss ich keine Geschäfte machen!“
Wieder eine glatte Lüge, aber die hätte jeder durchschaut, ganz ohne Gedankenlesen. Leon erhob sich nun ebenfalls.
„Auf Geschäfte mit Ihnen können wir verzichten“, sagte er unwirsch.  „Sehen Sie lieber zu, dass Sie ihren Arsch hier raus bewegen, bevor ich mich vergesse und Ihnen ihr Laptop hinein schiebe!“
„Leon.“ Sein Vater stand nun ebenfalls auf und warf ihm einen warnenden Blick zu.
„Ist doch wahr!“
Zenker entgegnete nichts mehr. Er klappte den Laptop zu und stopfte ihn zusammen mit dem Block zurück in den Aktenkoffer. Mit großen Schritten war er bei der Tür und flüchtete ohne Gruß aus dem Konferenzraum.
„Dem ist der Arsch aber gewaltig auf Grundeis gegangen.“ Leon lockerte seine Krawatte und schüttelte seufzend den Kopf.  „Den sehen wir nicht wieder“, stellte er zufrieden fest.
Sein Vater musterte ihn über die Gläser seiner Lesebrille hinweg.
„Ich habe geahnt, dass mit dem Kerl etwas nicht stimmt. Was hast du in seinen Gedanken alles gelesen?“
„Eine Menge. Mir ist ganz schlecht davon.“ Leon imitierte Kotzgeräusche. „Er kauft halb verfallene Hütten und lässt sie durch Schwarzarbeiter dürftig sanieren. Die Schäden sind sehr geschickt vertuscht und ausgebessert worden. Er verwendet die billigsten Materialien, teilweise fehlerhafte Ware vom Schwarzmarkt. Natürlich will er die Projekte dann so schnell wie möglich loswerden, damit er sich aus dem Staub machen kann. Robert Zenker ist nur eines seiner Pseudonyme.“
Leons Vater stieß geräuschvoll die Luft aus.
„So ein Dreckskerl! Ich möchte wissen, wie viele Menschen dieser Gauner schon reingelegt hat.“
„Das willst du nicht, glaub mir. Aber nicht mit Bergmann Immobilien“, antwortete Leon. „Das weiß ich zu verhindern.“
„Ohne dein Eingreifen hätte ich das Haus womöglich gekauft“, stellte sein Vater betroffen fest. „Du bist unglaublich.“
Leon grinste. „Pass auf, sonst könnte ich mir noch was darauf einbilden.“
Sie lachten beide auf.
„Na komm, Mister Eingebildet. Wir haben einen Termin. Hoffentlich nicht noch so ein Verbrecher. Einer am Tag reicht vollkommen.“



****

Eine halbe Stunde später saßen Leon und sein Vater in ihrem gewohnten Geschäftsessen-Restaurant. Leon zupfte gedankenverloren an den Spitzen des Mitteldeckchens, auf dem eine Glasvase mit frischen Blumen stand. Das Restaurant war im Stil der dreißiger bis vierziger Jahre eingerichtet, an den Wänden prangten in Gold gerahmte Bilder von Ikonen dieser Zeit, wie Edith Piaf, Humphrey Bogard oder Hans Albers. Leon bevorzugte privat coolere Kneipen wie „Dee´s Bar“ oder das „Underground“, aber ihm war natürlich klar, dass man dort schlecht Geschäfte abschließen konnte. Außerdem konnte er sich seinen Vater nur schwer in einer Diskothek vorstellen, in der halbnackte Frauen zu Technomusik in Käfigen tanzten.
„Leon. Hörst du mir überhaupt zu?“
Leon zuckte zusammen und blickte ihn über den Tisch hinweg an.
„Entschuldige Vater, hast du was gesagt?“
„Ich sagte, dass ich sehr stolz auf dich bin und nicht wüsste, was ich ohne dich täte. Der Vorfall heute war ja wieder mal Beweis genug. Ich mach das Geschäft schon so lange, aber ich habe die Ausbesserungen wirklich nicht gesehen.“
Leon winkte ab und klappte die Speisekarte auf.
„Für irgendetwas muss meine Gabe ja schließlich gut sein“, antwortete er. „Zur Feier des Tages darfst du mich zum Essen einladen. Ich hab einen Riesenhunger.“ Sein Vater schüttelte belustigt den Kopf und wollte sich ebenfalls die Karte nehmen. Dabei stieß er zwei Weingläser um, die klirrend davon rollten. Eines davon wäre vom Tisch gefallen, wenn Leon es nicht gerade noch rechtzeitig gefangen hätte. Er grinste, während sich sein Vater peinlich berührt umsah, und das andere Glas wieder aufstellte. 
„Das ist nicht lustig, Leon“, sagte er streng, doch sein Tonfall wurde von einem Lächeln um die Mundwinkel gemildert.
„Vielleicht nicht lustig, aber typisch für dich. Du hättest dein Gesicht eben sehen sollen. Bleib doch cool, Mann.“
Sein Vater verdrehte die Augen und rieb sich den graumelierten Kinnbart.
Leon lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück.
„Wer ist eigentlich der Mann, der uns diesen Laden in der Oranienstraße verkaufen will?“
Sein Vater zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß nur, dass er Serban Grigorescu heißt, mehrere Immobilien hier in Berlin besitzt, und im Stadtteil Grünwald lebt. Ich habe ein paar Mal mit ihm telefoniert. Sein Sohn wollte an seiner Stelle kommen, weil er selbst einen wichtigen Termin hat.“ Er blickte auf seine Armbanduhr. „Er müsste jeden Augenblick da sein.“
Leon nickte und erhob sich.
„Würdest du mir bitte einen trockenen Weißwein und ein Glas Wasser bestellen? Wir sollten die Gelegenheit nutzen, solange die Gläser noch stehen. Ich bin gleich wieder da.“
„Das muss ich mir noch gut überlegen“, hörte er seinen Vater amüsiert antworten, während er sich bereits auf halbem Weg zu den Toiletten befand. Eine Bedienung kam ihm entgegen und lächelte ihm freundlich zu. Sie war hübsch, dunkle Locken umrahmten ihr zartes Gesicht. Leon spürte, dass sie nervös war und konnte nicht wiederstehen, ihre Gedanken zu lesen. Sie fand ihn süß … und sexy. Er grinste in sich hinein. Besonders gefielen ihr seine blauen Augen und die Art, wie er sein dunkles Haar trug. Wenn er an ihr vorbeigegangen war, wollte sie einen Blick auf seinen Hintern werfen. Leon lächelte zurück, worauf sich ihre Wangen rot färbten, dann unterbrach er rasch die Verbindung. Es war nicht fair, aber ab und zu musste er einfach wissen, was in den Köpfen der Menschen vorging. Vor allen Dingen beim weiblichen Geschlecht konnte er seine Neugier kaum zügeln.

Als Leon wenig später zurückkam, saß sein Vater nicht mehr allein am Tisch. Er unterhielt sich mit einem Mann, der nun aufsah und Leons Blick entgegnete. Der Typ war ungewöhnlich blass, eine geheimnisvolle Aura umgab ihn. Leon war jetzt schon gespannt auf seine Gedanken. Seltsamerweise war ihm, als wäre er ihm schon einmal begegnet, doch an so einen Kerl würde er sich mit Sicherheit erinnern. Trotz seiner Blässe sah er aus, wie einer dieser Typen, die für Unterwäsche oder Parfüm warben. Seine Gesichtszüge waren weich und doch wirkte er sehr männlich. Sein blondes Haar hatte er im Nacken zu einem Zopf gebunden, gekleidet war er in einen cremefarbenen Anzug und ein schwarzes Hemd. Leons kleine Schwester wäre sicherlich hin und weg von ihm gewesen.
„Darf ich dir Alexei Grigorescu vorstellen? Seiner Familie gehört das Objekt, er wird es uns nachher zeigen. Herr Grigorescu, das ist mein Sohn Leon. Er ist auch mein Geschäftspartner.“ Sein Vater blickte zwischen ihnen hin und her.
„Guten Tag, Herr Grigorescu.“ Leon streckte die Hand aus.
Alexei Grigorescu erhob sich kurz und erwiderte den Gruß. Seine Hand war kühl, er besaß einen kräftigen Händedruck.
„Freut mich, Herr Bergmann“, erwiderte er mit einem Lächeln, das ebenmäßige, weiße Zähne entblößte. Seine Stimme klang sehr  tief, aber angenehm. Aus reinem Instinkt heraus unternahm Leon ohne Umschweife den Versuch, in seinen Geist einzudringen. Schneller als er erwartet hatte, entstand eine Verbindung, doch plötzlich sah ihn der Kerl mit einer Mischung aus Erstaunen und Überraschung an, in seinen grünen Augen blitzte es auf. Leon spürte einen unsichtbaren Schutzwall, der sich um Grigorescus Geist legte. Es war nun unmöglich zu sehen, was in seinem Kopf vorging.

Erschrocken und etwas irritiert war Leon froh, als sich sein Vater sofort nach dem Gebäude erkundigte. Die Bedienung kam an den Tisch und nahm die Bestellung auf. Ihre Gedanken konnte Leon sofort wieder lesen und was sie über Alexei Grigorescu dachte, war nicht mehr jugendfrei. Sie verdrehte sich fast den Hals nach ihm, als sie ging, um die Bestellung abzuliefern.
Während des Essens lag der Schwerpunkt der Unterhaltung auf dem Immobiliengeschäft und Leon überlegte, ob er einen weiteren Versuch unternehmen sollte, in Grigorescus Geist einzudringen. Vielleicht hatte er sich vorhin nur eingebildet, er würde ihn mental abblocken? Wahrscheinlich war er nur unkonzentriert. Bisher war es Leon immer gelungen, sich auf telepathischem Weg in die Gedankengänge der Leute einzuschleichen. Grigorescu war offensichtlich ein hartnäckiger Fall.

Nach dem Essen gingen sie zusammen die Papiere und Pläne durch und unterhielten sich ungezwungen über verschiedene Themen. Die Grigorescus besaßen mehrere Grundstücke und Gebäude in Berlin und im Ausland, die sie vermieteten und auch teilweise zum Kauf anboten. Während des Gesprächs spürte Leon eine merkwürdige Spannung. Grigorescu schien unnahbar und geheimnisvoll – und er beobachtete Leon, wenn er dachte, er würde es nicht bemerken. Hatte er den mentalen Angriff auf seine Gedanken doch bemerkt?

„Und so haben wir uns entschlossen, das Gebäude zu verkaufen“, sagte Alexei gerade, während sein stechender Blick auf Leon traf. Dieser hob sein Glas und fixierte rasch das gerahmte Schwarzweißbild von Hans Albers.
„Er war ein begnadeter Schauspieler“, bemerkte Alexei, der Leons Blick gefolgt war. „Ich habe ihn einmal in Hamburg getroffen.“ Er nippte an seinem Rotwein und grinste. „Ist jedoch schon eine ganze Weile her.“
Leons Vater lachte über den Witz, und auch Leon konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Leben sie schon immer in Berlin, Herr Grigorescu?“
„Ursprünglich stammen wir aus Rumänien, wir kamen hierher, als ich noch ein Kind war.“
 Während er sprach, hörte Leon in seinem Kopf eine Stimme flüstern.
,Du bist hinreißend … und wunderschön.
Leon sah sich überrascht um und runzelte die Stirn. Wessen Gedanken hatte er denn jetzt schon wieder versehentlich gelesen? Und wer redete heute noch so geschwollen daher? Am Tisch neben ihnen saß ein älteres Paar. Links davon in einer Ecke tuschelten drei Damen, die aussahen, als kämen sie gerade von einem Treffen der unbefriedigten Hausfrauen. Sie tranken Prosecco und rauchten Kette. Leon versuchte sich zu konzentrieren, wurde jedoch von seinem Vater unterbrochen.

„Von mir aus können wir uns das Gebäude jetzt gleich ansehen, Herr Grigorescu. Würde es Ihnen etwas ausmachen, mit meinem Sohn schon mal vorzufahren? Ich muss noch kurz etwas erledigen.“
„Kein Problem. Sollen wir, Herr Bergmann?“ Alexei musterte Leon. Dieser blickte kurz irritiert zu seinem Vater, nickte jedoch.
„Ähm… ja, warum nicht.“
„Lass dich von Herrn Grigorescu schon mal herumführen, ich komme sofort nach.“  Er ließ Leon gar keine Zeit zu antworten, schnappte seine Autoschlüssel vom Tisch und nickte ihnen zu. „Kümmern Sie sich nicht um die Rechnung, die ist schon bezahlt. Bis gleich, ich beeile mich!“, rief er hektisch über seine Schulter und schon war er verschwunden.
„Ist ihr Vater immer so impulsiv?“, erkundigte sich Grigorescu amüsiert. Leon zuckte mit den Schultern und lächelte schief. Der Typ war irgendwie seltsam. Er konnte höchstens vier oder fünf Jahre älter sein als Leon - also vielleicht dreißig - aber er drückte sich aus, als stamme er aus dem vorletzten Jahrhundert. Mit einem Mal war ihm eigenartig warm und er war froh, als sie kurz darauf auf die Straße hinaus traten.


Viele Menschen nutzten den ungewöhnlich warmen Spätsommerabend zu einem Spaziergang und so waren die Straßen gesäumt von schlendernden Pärchen, lachenden Kindern und Grüppchen von Jugendlichen. Alexei zog eine dunkle Sonnenbrille aus der Brusttasche seines Jacketts.
„Kommen Sie, mein Wagen steht dort hinten.“ Er deutete mit einer einladenden Geste die Straße hinunter und setzte die Brille auf. Leon grinste in sich hinein. Die Sonne war nicht mehr so stark, dass man eine Sonnenbrille brauchte, doch wahrscheinlich wollte er auf cool machen. Kurz darauf saßen sie in Grigorescus silberfarbenen Audi R8 auf dem Weg zu dem leer stehenden Geschäftsgebäude. Unterwegs sprachen sie kaum ein Wort und Leon war froh darüber. Er fühlte sich seltsam in der Nähe dieses Typen. Fremdartige Schwingungen umgaben ihn, die Leon nicht deuten konnte. Die Tatsache, dass seine mentalen Fähigkeiten bei ihm nicht funktionierten, machte ihn langsam nervös. Leon hatte eine dunkle Vorahnung, was dies bedeuten konnte.

Alexei schloss die Tür auf und bedeutete Leon, vor ihm einzutreten. Als Leon an ihm vorbei ging, stieg ihm ein angenehmer Duft in die Nase. Noch nie zuvor hatte er auf das After Shave eines anderen Mannes geachtet, geschweige denn, es überhaupt wahrgenommen. Erneut fragte er sich, warum er Grigorescus Gedanken nicht lesen konnte.
,Weil Sie nicht alles wissen müssen, Leon. Übrigens ist der Duft von Karl Lagerfeld.’
Leon stockte der Atem und er fuhr erschrocken herum. Alexei war gerade damit beschäftigt, die Tür abzuschließen.
„Ich hoffe das Tageslicht, das durch die Fenster dringt, genügt Ihnen. Der Strom ist bereits abgeschaltet“, sagte er und wandte sich zu Leon um. Dieser starrte ihn perplex an.


Buch Trailer Eine riskante Mission