Dienstag, 3. Juli 2018
Montag, 4. Juni 2018
Dienstag, 15. Mai 2018
NEWS! "Eine riskante Mission" als ebook erhältlich!
Hallo Ihr Lieben,
ab sofort ist mein neuer Roman bei Amazon als ebook erhältlich. :) Die anderen Plattformen werden in den nächsten Tagen folgen und Ende Mai gibt es das Buch dann überall im Buchhandel als Taschenbuch!
Eine riskante Mission
Liebe Grüße,
Verena <3
Samstag, 5. Mai 2018
Exklusiv vorab: 1. Kapitel von "Eine riskante Mission"
Hallo Ihr Lieben,
da nächste Woche das ebook zu "Eine riskante Mission" erscheint, lade ich Euch hier ein, das erste Kapitel vorab zu lesen. Viel Spaß! ;)
da nächste Woche das ebook zu "Eine riskante Mission" erscheint, lade ich Euch hier ein, das erste Kapitel vorab zu lesen. Viel Spaß! ;)
Inhaltsangabe:
Als Josh seine Heimatstadt
London verlässt, um in einer Auffangstation für Schimpansen in Nigeria zu
arbeiten, ahnt er bereits, dass dies das Abenteuer seines Lebens wird. Tierärzte,
Forscher und freiwillige Helfer unternehmen alles, um die Menschenaffen vor
Wilderern zu beschützen und gefangene Tiere zu befreien. Die größte Herausforderung
für Josh ist jedoch die Begegnung mit dem attraktiven Tierarzt Matt, in den er
sich Hals über Kopf verliebt. Und das ausgerechnet in einem Land, in dem auf
Homosexualität teilweise noch die Todesstrafe steht …
Eine riskante Mission
„Immer wieder bedrängen mich
schreckliche Bilder in dieser Welt, so auch die verzweifelten Blicke von
Schimpansen in Ketten oder in Versuchslabors. Das beeinträchtigt sogar meine
Beobachtung der frei lebenden Schimpansen. Sobald ich denke 'sind sie nicht
glücklich?' sehe ich Schimpansen vor mir, die in winzigen Gefängnissen stecken,
obwohl sie kein Verbrechen begangen haben. Wer das einmal gesehen hat, kann es
nie mehr vergessen.“
Jane Goodall
1
Mai
„Jamie! Thomas!“ Ich dränge mich an den anderen Zoobesuchern vorbei,
um meine Neffen nicht aus den Augen zu verlieren. „Nicht so schnell, die Affen
laufen doch nicht davon! Wenn ich euch verliere, reißt mir eure Mutter den Kopf
ab!“
Ich
entschuldige mich halbherzig, als ich einen Mann fast umrenne und hetze weiter.
Eigentlich brauche ich mir keine Sorgen zu machen, denn ich weiß genau, wo ich
die beiden finde. Aber Jamie ist sieben und Thomas vier – und ich habe schließlich
die Verantwortung für sie. Und da ich nicht nur diese trage, sondern auch den
gesamten Proviant, inklusive gefühlten zehn Liter Wasser und Saft, schwitze ich
wie ein Schwein, als ich endlich am Schimpansengehege ankomme. Dass wir den wärmsten
Mai seit Jahren haben, kommt erschwerend hinzu.
„Danke fürs
Warten“, sage ich japsend und verdrehe die Augen. Jamie und Thomas bemerken
mich kaum. Sie drücken ihre Näschen an der großen Scheibe platt und haben nur
Augen für die Schimpansen. Vor allem für einen von ihnen.
„Izzy!
Izzyyyyyy!“ Thomas klopft gegen die Scheibe und ich muss ihn davon abhalten, während
mich eine Frau neben uns entrüstet ansieht. Ich will ihr sagen, dass nicht ich
die Rabauken erzogen habe, sondern meine Schwester, aber ich lasse es. Sanft
nehme ich Thomas’ Handgelenk
und schüttle es, sodass seine kleine Hand auf und ab wedelt.
„Siehst du?
Du kannst Izzy auch winken“, erkläre ich ihm. „Er kommt von ganz alleine, wenn
er uns sieht, warte ab.“
Thomas sieht
mich kurz an, dann strahlt er übers ganze Gesicht, winkt und beginnt auf und ab
zu hüpfen. Jamie schließt sich ihm lachend an, gemeinsam rufen sie nach Izzy.
Neben uns
höre ich ein spöttisches Lachen.
„Mama, die meinen echt, der Affe kommt her, wenn sie
winken!“
„Schon gut,
Susan. Sie wissen eben nicht, dass man Tiere zu nichts zwingen kann. Sei brav
und hampel nicht herum, ja?“ Die Mutter des Mädchens wirft mir einen herablassenden
Seitenblick zu, der mich wohl darauf hinweisen soll, dass ich mit Ende zwanzig offensichtlich
zu jung und zu dumm bin, meine Kinder anständig zu erziehen. Langsam verliere
ich die Geduld und will etwas erwidern, als Thomas plötzlich freudig quietscht.
„Onkel Josh! Er hat uns gesehen!“
Ich wende
mich wieder zur Glasscheibe und sehe einen Schimpansen in einem wortwörtlichen
Affentempo auf uns zurasen. Izzy hat mit seinen achtzehn Jahren eine
beeindruckende Statur, weswegen es richtig gefährlich aussieht. Die
Zoobesucher, die direkt an der Scheibe stehen, (inklusive Mutter- und
Minizicke) weichen erschrocken zurück, nur Jamie, Thomas und ich bleiben
unbeirrt stehen. Izzy ist völlig aus dem Häuschen. Übermütig springt er ein
paarmal gegen die Scheibe und macht einen Rückwärtssalto, bevor er direkt vor
mir stehen bleibt. Seit beinahe achtzehn Jahren haben wir ein Ritual, das mich
jedes Mal wieder bis ins Tiefste meines Herzens berührt. Ich gehe in die Hocke
und lege meine Hände flach gegen die Scheibe. Izzy macht genau das Gleiche, achtet
penibel darauf, dass seine Finger an derselben Stelle sind wie meine. Ich höre
ein Raunen hinter uns – die Reaktion der Menschen bin ich nach all den Jahren
schon gewohnt. Einige Sekunden lang sehen Izzy und ich uns an, genießen schweigend
das Wiedersehen. Ich blicke in die runden, bernsteinfarbenen Augen, nehme die
feinen Härchen auf seiner Oberlippe wahr. Für den Bruchteil einer Sekunde taucht
das Bild eines zehnjährigen Jungen vor meinem inneren Auge auf, der ein
Schimpansenbaby im Arm hält und ihm liebevoll das Fläschchen gibt.
„Hey, ich
sehe da ein paar graue Haare in deinem Bart“, flüstere ich grinsend. Hinter uns
ist es völlig still geworden. Plötzlich grinst Izzy breit zurück, dann schürzt er
die Lippen und setzt einen dicken Schmatzer gegen die Scheibe. An dieser Stelle
lachen die Leute …wie immer. Ich deute mit einem Kopfnicken auf meine Neffen,
die es gar nicht erwarten können, Izzys Aufmerksamkeit zu erlangen.
„Na, alter Junge? Willst du Jamie und Thomas nicht
begrüßen?“
Izzy gehorcht
aufs Wort und widmet sich den Kindern, deren Augen vor Freude aufleuchten. Sie
geben Küsschen durch die Scheibe, springen auf und ab, und Izzy macht Purzelbäume.
„Onkel, Josh!
Erzählst du uns nochmal, wie Izzy bei dir zu Hause gewohnt hat?“, fragt Jamie.
„Bitte!“
„Ja! Ja! Ja!
Erzähl uns von Izzy!“ Thomas hüpft und klatscht begeistert in die Hände. Izzy
tut es ihm gleich und erntet dafür Lacher von den Zoobesuchern. Ich spüre, wie
die Menge hinter uns größer wird und neugierig näher rückt.
Ich lache,
peinlich berührt und stolz zugleich.
„Ihr habt die
Geschichte doch schon tausendmal gehört, Kinder“, antworte ich amüsiert.
„Ich will die
Geschichte auch hören!“, sagt jemand hinter uns und kurz danach ertönt
zustimmendes Gemurmel. Ich sehe mich um und blicke in ein pausbäckiges
Jungengesicht von etwa elf, zwölf Jahren, das mich erwartungsvoll ansieht. Die Mutterzicke
sieht peinlich berührt zu Boden, während die Minizicke mentale Todeslaser auf
Thomas und Jamie abfeuert.
„Na schön“,
sage ich, während die Leute noch ein wenig dichter herankommen. Gut, dass es
schon spät ist und nicht mehr so viele Besucher im Zoo sind. Thomas streckt
seine Arme nach mir aus, woraufhin ich ihn hochnehme. Aus dem Augenwinkel nehme
ich wahr, dass auch Izzy auf den Arm genommen werden will. Wieder lachen die
Leute. Ich streiche Jamie über das Haar und blicke zu Izzy hinüber. „Wie ihr
wisst, hat euer Grandpa sehr lange im Zoo gearbeitet. Er war hier im Affenhaus
für alles verantwortlich und hat sich sehr gut um seine Schützlinge gekümmert.
Eines Tages brachte ein Schimpansenweibchen ein Junges zur Welt …“
„Izzy!“,
unterbricht mich Thomas begeistert und hüpft auf meinem Arm auf und ab.
„Ja, Izzy“,
wiederhole ich lachend. „Nun, aus irgendeinem Grund wollte die Affenmama ihr
Junges nicht und hat es verstoßen.“
„Wie
gemein!“, wirft der pausbäckige Junge ein.
Ich zucke mit
den Schultern. „Leider kommt es im Tierreich immer wieder vor, dass die Mütter
ihre Jungen nicht annehmen. Die genauen Gründe dafür kennt man nicht.“
„Aber dann
hat Grandpa Izzy mit heimgenommen!“, verkündet Thomas stolz.
Ich nicke
grinsend. „Ja, er hatte sehr viel Erfahrung mit Affenbabys und da hat man ihn
gefragt, ob er Izzy rund um die Uhr versorgen könnte, denn sonst würde er
sterben. Also ist das kleine Affenbaby bei uns eingezogen und hat die ganze
Familie auf Trab gehalten.“
Izzy grinst
hinter der Scheibe so breit, dass für einen Moment nur seine gelben, großen
Zähne zu sehen sind. Er weiß ganz genau, dass wir über ihn sprechen.
„Wir haben es
mit der Flasche aufgezogen, mussten es alle zwei, drei Stunden füttern, wickeln
und herumtragen – genau wie bei einem Menschenbaby auch. Manchmal bin ich in
der Schule fast eingeschlafen, weil ich Izzy nachts unbedingt füttern wollte.
Wir haben sehr viel miteinander gespielt, eure Tante Tess war damals erst vier
Jahre alt. Sie wollte Izzy sogar mit in den Kindergarten nehmen, aber das ging
natürlich nicht.“
Wieder Gelächter
bei den Zoobesuchern.
„Und dann
musste er wieder in den Zoo zurück?“, fragt ein etwa fünfzehnjähriges Mädchen.
Als ich sie ansehe und ihr zulächle, wird sie rot und streicht sich peinlich
berührt eine Haarsträhne hinters Ohr.
Ich nicke.
„Ja, mit einem halben Jahr mussten wir Abschied von Izzy nehmen, denn es war
wichtig, dass er unter seinesgleichen aufwächst. Wir hatten eine sehr
turbulente Zeit hinter uns und der Abschied fiel uns unheimlich schwer. Wir
Kinder haben viel geweint.“
„Hat Izzy
auch geweint?“, fragt Thomas, obwohl er die Antwort schon kennt.
„Natürlich
war Izzy zuerst auch sehr traurig, aber der Zoo fand eine neue Mama, die ihn
adoptiert hat.“ Ich zeige auf eine ältere Affendame, die weiter hinten im
Gehege auf einer Plattform sitzt und ausgiebig einen ihrer Artgenossen
entlaust. „Mara hatte kurz zuvor eines ihrer Jungen verloren. Sie hat Izzy
sofort akzeptiert und auch von der Gruppe wurde er gut aufgenommen. Das ist bei
Schimpansen sehr wichtig. Seht ihn euch an.“ Ich zeige auf Izzy, der sich
sofort der ihm gewidmeten Aufmerksamkeit bewusst ist, und Faxen macht. Er
springt wie ein Riesenfrosch auf und ab, zieht Grimassen und schüttelt wild den
Kopf. Die Leute lachen wieder – und dann klatschen sie Beifall. Auch das bin
ich schon gewohnt, schließlich ist es nicht das erste Mal, dass ich hier im Zoo
Izzys Geschichte erzähle.
****
Als wir wenig
später Richtung Ausgang spazieren, kommt uns die stellvertretende Zoodirektorin
Sarah entgegen. Sie war schon hier, als Dad leitender Tierpfleger war, ich
kenne sie, seit ich denken kann.
„Hey, Josh!“,
begrüßt sie mich mit einer herzlichen Umarmung, bevor sie sich Jamie und Thomas
widmet. „Na, Jungs? Habt ihr Izzy mal wieder einen Besuch abgestattet?“
Die Jungs
nicken begeistert. Thomas wirkt schon etwas müde, aber Jamie erzählt stolz, wie
wir die Besucher unterhalten haben.
„Das ist
schön.“ Sarah streichelt Jamie über den Kopf. „Hey, wir sollten Extraeintritt
im Affenhaus verlangen, wenn euer Onkel alte Geschichten über Izzy erzählt“,
sagt sie lachend und zwinkert mir fröhlich zu. Ich erwidere ihr Lachen.
„Lass dich
doch mal wieder blicken, Sarah. Dad würde sich bestimmt freuen!“
„Mach ich, sobald
ich jetzt mal ein paar Tage freihabe!“, antwortet sie. „Ich ruf ihn an.“ Wir
verabschieden uns und machen uns auf den Weg zum Zug. Der Zoo liegt eineinhalb
Stunden Bahnfahrt von London entfernt, weswegen wir Izzy nicht jedes Wochenende
besuchen können – was die Jungs am liebsten tun würden. Als wir endlich sitzen,
schläft Thomas schon bald auf meinem Schoß ein.
„Onkel Josh?“
Jamie sieht mich nachdenklich an.
„Ja?“
„Wenn ich
groß bin, will ich so sein wie du. Und dann gehe ich auch nach Afrika zu den Schimpansen.“
Jamie nickt entschlossen, um sein Vorhaben zu unterstreichen und lehnt sich gähnend
zurück.
Ich lächle.
„Das ist schön, Jamie. Da wird deine Mum sehr stolz auf dich sein.“
Ich ziehe
Thomas näher an mich und sinke seufzend in die Lehne der Sitzbank zurück. Jamie
hat mich wieder daran erinnert, dass ich in nicht einmal zwei Wochen nach
Nigeria aufbrechen werde, um im „Chimps Sanctuary Center“ zu arbeiten. Die
Auffangstation kümmert sich um verletzte Schimpansen und verwaiste Jungen und
engagiert sich stark gegen das grausame Abschlachten und Ausbeuten dieser
wundervollen Geschöpfe. Vorfreude vermischt sich mit einem mulmigen Gefühl der
Angst, was mich dort wohl erwarten wird. Ich blicke in die kleinen Gesichter
meiner Neffen und denke bekümmert an den Rest der Familie, den ich bald für
lange Zeit nicht mehr sehen werde. Der Vertrag in Nigeria läuft vorerst zwei
Jahre, Verlängerung nicht ausgeschlossen. Klar, werde ich Urlaub haben und
meine Familie besuchen, doch mein vorläufiges Zuhause wird nun erstmal Nigeria
sein.
Meine
Schwester Jenny nimmt mir den immer noch etwas schlaftrunkenen Thomas ab,
während wir in die gemütliche Wohnküche gehen. Ich bin immer wieder aufs Neue
fasziniert von der Einrichtung. Betritt man Jennys Wohnung, könnte man denken,
man wäre eben mal nach Schottland gebeamt worden. Fast alles ist in Karos
gehalten – die Stuhlpolster, die Vorhänge, die Tischdecke –, mir wird manchmal
regelrecht schwindelig davon. An den Wänden hängen Bilder von den weiten,
schottischen Highlands. Jennys Mann Pete ist Schotte, und das durch und durch.
Wenn er nicht gerade in der Bank arbeitet, trägt er fast ausschließlich seinen
traditionellen Kilt. Sogar Jamie und Thomas sind mit Minikilts ausgestattet
worden. Pete ist ein Rotschopf, wie es sich für einen anständigen Schotten
gehört, und diese Gene hat er an seine Jungs weitergegeben. Die rotblonden Haare
der beiden sieht man meilenweit. Pete ist ein feiner Kerl, und er tut alles für
seine Familie. Jenny hat richtig Glück mit ihm.
„Na? Ihr
scheint ja einen anstrengenden Tag gehabt zu haben“, stellt Jenny erfreut fest.
„War es schön? Wie geht es Izzy?“ Sie setzt ihren Jüngsten auf einem Stuhl ab und
streicht ihm liebevoll über den Kopf. Thomas gähnt herzhaft, dann ist er
plötzlich wieder hellwach.
„Onkel Josh
hat alle Leute unterhalten, Mummy! Wir hatten gaaaaanz viel Publikum“,
berichtet er mit ausholenden Handbewegungen stolz. Jamie nickt zustimmend,
während er neben seinem kleinen Bruder Platz nimmt.
„Ja, und Izzy
hat Faxen gemacht und Küsschen gegeben.“ Sie lachen beide, Jenny und ich
stimmen mit ein.
„Sag mal,
hast du geglaubt, wir sind ein ganzes Wochenende weg?“, sage ich ächzend,
während ich den Rucksack abnehme und ihn auf den Tisch stelle. „Ich hätte eine
ganze Schulklasse versorgen können.“
Jenny
schüttelt lachend den Kopf. „Ach was, Kinder brauchen nun mal viel zu trinken,
und die beiden haben ständig Durst.“
„Na ja, heute
war anscheinend kein Trinktag, ich hab die Hälfte wieder zurückgeschleppt“,
antworte ich, während ich mir einen karierten Stuhl zurechtrücke und mich
setze. Jenny streicht mir über den Kopf.
„Och, du
Armer. Du musst ja fix und fertig sein. Willst du ein schönes, kaltes Bier?“
Ich nicke.
„Ja, gern. Das hab ich mir heute wirklich verdient.“ Ich sehe mich um. „Wann
kommt Pete nach Hause?“
„Er hat
vorhin angerufen, dass er noch zu einem Kunden muss. Wird wohl etwas später
werden.“ Jenny nimmt eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank, entfernt den
Kronkorken und reicht sie mir. Ich nicke dankbar und nehme ein paar kräftige
Schlucke.
„Schade. Aber
wir sehen uns ja dann am Wochenende zu meiner Abschiedsparty, ja?“
Jenny setzt
sich zu mir.
„Ich kann
immer noch nicht glauben, dass du für so lange Zeit weg sein wirst“, sagt sie niedergeschlagen
und seufzt schwer. „Das wird ganz schön komisch sein, ohne meinen nervigen
kleinen Bruder“, fügt sie gequält lächelnd hinzu.
„Ich hab auch
so einen nervigen, kleinen Bruder!“, wirft Jamie mit erhobenem Finger ein,
woraufhin ihm Thomas mit der Faust gegen die Schulter boxt. Jamie schreit auf
und schubst Thomas, sodass er fast vom Stuhl fällt.
Jenny fängt
ihn gerade noch auf und schüttelt tadelnd den Kopf.
„Ja, manchmal
nerven kleine Brüder, aber wenn sie dann mal nicht da sind, vermisst man sie
und wünscht sich, von ihnen genervt zu werden. Also vertragt euch, okay?“
„Okay, Mum“,
antworten die Jungs gleichzeitig.
Jenny sieht
mich mit einem traurigen Lächeln an.
„Musste es
denn ausgerechnet Afrika sein? Du bist so weit weg …wenn irgendetwas passiert.“
Sie wendet den Blick ab und seufzt schwer. „Dieser Job ist mit Sicherheit gefährlich.“
Ich werfe von ihr einen Blick zu den Jungs, die sind jedoch damit beschäftigt,
die Reste unseres Proviants zu durchstöbern.
„Hey … ich
bin ja nicht für immer weg. Und es wird nichts passieren. Die Schutzstation hat
viele Mitarbeiter – auch einheimische, die von Anfang an dabei sind. Und ich
bin Zoologe und kein Ranger.“
Dass ich sehr
wohl an den Missionen teilnehme, in denen die Tiere aus gefährlichen
Situationen befreit werden, habe ich meiner Familie verschwiegen, aber ich habe
das Gefühl, sie ahnt es. Ich stehe auf und lege meine Hände auf Jennys
Schultern. „Endlich erhalte ich die Chance, mich um Menschenaffen zu kümmern … sie
zu beobachten, noch dazu in ihrer natürlichen Umgebung. Freu dich doch für
mich.“
Jenny hebt
den Kopf, ihre graublauen Augen schimmern verdächtig. „Das tu ich ja, Josh. Aber
zwei Jahre lang! Mann, das ist echt ’ne verdammt
lange Zeit!“
„Erstens
komme ich nach Hause, wenn ich Urlaub habe, zweitens so lang sind zwei Jahre
auch wieder nicht. Hey, zu deinem neununddreißigsten Geburtstag bin ich mit
großer Wahrscheinlichkeit wieder ganz zu Hause.“ Ich grinse sie frech an. Jenny
schlägt mir vor die Brust.
„Ach du!“
Ich küsse sie
lachend auf die Wange, trinke noch einen Schluck von meinem Bier und wende mich
an meine Neffen.
„Ich muss los, Jungs. Bekomme ich noch eine
Umarmung?“
Jamie und
Thomas nicken eifrig und schubsen sich gegenseitig, im Kampf um die erste
Umarmung. Jenny ermahnt die beiden erneut, nett zueinander zu sein, und wirft
mir einen resignierten Blick zu.
„Bedankt euch
bei Onkel Josh, Jungs. Und danach macht ihr euch bettfertig.“
Es folgt –
wie erwartet – synchroner Widerspruch, da sind sie sich wieder einig.
Lachend
schließe ich die Jungs gleichzeitig in die Arme und wuschle durch ihre roten Haare.
„Bis
Samstag!“
****
Na? Seid Ihr neugierig darauf, wie es Josh in Afrika ergehen wird und was er dort alles erlebt? :) Es wird in jedem Fall gefährlich, dramatisch, lustig, traurig, aufregend, romantisch und - natürlich - auch erotisch ;)
Freitag, 4. Mai 2018
News!
Hallo Ihr Lieben,
ich freue mich, verkünden zu dürfen, dass mein neuer Roman "Eine riskante Mission" voraussichtlich bereits nächste Woche als Ebook erscheinen wird :) Ende Mai folgt dann das Taschenbuch :)
Klappentext:
ich freue mich, verkünden zu dürfen, dass mein neuer Roman "Eine riskante Mission" voraussichtlich bereits nächste Woche als Ebook erscheinen wird :) Ende Mai folgt dann das Taschenbuch :)
Klappentext:
Als Josh seine Heimatstadt
London verlässt, um in einer Auffangstation für Schimpansen in Nigeria zu
arbeiten, ahnt er bereits, dass dies das Abenteuer seines Lebens wird. Tierärzte,
Forscher und freiwillige Helfer unternehmen alles, um die Menschenaffen vor
Wilderern zu beschützen und gefangene Tiere zu befreien. Die größte Herausforderung
für Josh ist jedoch die Begegnung mit dem attraktiven Tierarzt Matt, in den er
sich Hals über Kopf verliebt. Und das ausgerechnet in einem Land, in dem auf
Homosexualität teilweise noch die Todesstrafe steht …
Sonntag, 29. April 2018
"Der italienische Nachbar" nur noch heute gratis auf Amazon ;)
Ihr Lieben,
Heute könnt ihr euch meinen "Italienischen Nachbarn" bei Amazon gratis laden! ;) Viel Spaß!
Eure Verena
Der italienische Nachbar
Heute könnt ihr euch meinen "Italienischen Nachbarn" bei Amazon gratis laden! ;) Viel Spaß!
Eure Verena
Der italienische Nachbar
Freitag, 20. April 2018
Cover "Eine Riskante Mission"
Hallo Ihr Lieben :)
Das Cover für meinen neuen Roman ist fertig und ich darf es Euch bereits zeigen :) Erscheinungsdatum habe ich noch keines,
aber allzu lange sollte es nicht mehr dauern :)
Klappentext:
Als Josh seine Heimatstadt London verlässt, um in einer Auffangstation für Schimpansen in Nigeria zu arbeiten, ahnt er bereits, dass dies das Abenteuer seines Lebens wird. Tierärzte, Forscher und freiwillige Helfer unternehmen alles, um die Menschenaffen vor Wilderern zu beschützen und gefangene Tiere zu befreien. Die größte Herausforderung für Josh ist jedoch die Begegnung mit dem attraktiven Tierarzt Matt, in den er sich Hals über Kopf verliebt. Und das ausgerechnet in einem Land, in dem auf Homosexualität teilweise noch die Todesstrafe steht …
Das Cover für meinen neuen Roman ist fertig und ich darf es Euch bereits zeigen :) Erscheinungsdatum habe ich noch keines,
aber allzu lange sollte es nicht mehr dauern :)
Klappentext:
Als Josh seine Heimatstadt London verlässt, um in einer Auffangstation für Schimpansen in Nigeria zu arbeiten, ahnt er bereits, dass dies das Abenteuer seines Lebens wird. Tierärzte, Forscher und freiwillige Helfer unternehmen alles, um die Menschenaffen vor Wilderern zu beschützen und gefangene Tiere zu befreien. Die größte Herausforderung für Josh ist jedoch die Begegnung mit dem attraktiven Tierarzt Matt, in den er sich Hals über Kopf verliebt. Und das ausgerechnet in einem Land, in dem auf Homosexualität teilweise noch die Todesstrafe steht …
Montag, 16. April 2018
Vorläufiger Prolog meines aktuellen Manuskripts
Hallo Ihr Lieben! :)
Vor einer leeren Seite zu sitzen und den Anfang zu schreiben, ist gar nicht so einfach - trotzdem habe ich mich hingesetzt und den Prolog geschrieben. Zumindest ist das der Entwurf eines Prologs. :)
München, Mai 1998
Ludwig Hofmann öffnete die Wohnungstür und blickte wie versteinert auf die junge Frau am Fußende der Treppe. Sie hatte sich bereits wieder zum Gehen gewandt und sah ihn über die Schulter hinweg an. Es musste schon bald ein Jahr her sein … dennoch hatte er ihr wunderschönes Gesicht nicht vergessen können. Auch ihren Namen nicht. In Anthelias außergewöhnlichen Augen, die die Farbe von frischem Gras besaßen, glitzerten Tränen. In diesem heruntergekommenen Hausflur wirkte sie in ihrer Anmut und Vollkommenheit völlig fehl am Platz. Ihr hüftlanges, dunkles Haar und das grüne Kleid aus Seide hoben ihre außergewöhnliche Erscheinung noch hervor. Als sie sprach, hallte ihre sanfte Stimme im Flur wie Engelsgesang.
„Pass gut auf unseren Sohn auf, er ist etwas Besonderes.“ Sie wandte sich endgültig ab, ihr Haar und das Kleid wallten auf, als sie eilig die Treppe hinunter floh.
„Anthelia! Warte!“ Ludwig stolperte fast über einen Korb auf dem Fußabstreifer, den er erst jetzt bemerkte, und hielt einen Moment verdutzt inne, als sich darin unter einer Decke etwas bewegte. Dann stürzte er zum Treppenabsatz, eilte ein paar Stufen hinab und neigte sich weit über das Geländer. Er blickte die fünf Stockwerke hinunter, doch Anthelia war fort, so als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Ein klägliches Wimmern ließ ihn herumfahren. Es kam aus dem Korb und Ludwig war klar, was sich darin befand. Mit zitternden Knien und heißen Wangen ging er darauf zu und ging davor in die Hocke. Vorsichtig hob er die Decke an und keuchte auf, als ihn grasgrüne Augen aus einem winzigen Gesichtchen musterten.
Vor einer leeren Seite zu sitzen und den Anfang zu schreiben, ist gar nicht so einfach - trotzdem habe ich mich hingesetzt und den Prolog geschrieben. Zumindest ist das der Entwurf eines Prologs. :)
München, Mai 1998
Ludwig Hofmann öffnete die Wohnungstür und blickte wie versteinert auf die junge Frau am Fußende der Treppe. Sie hatte sich bereits wieder zum Gehen gewandt und sah ihn über die Schulter hinweg an. Es musste schon bald ein Jahr her sein … dennoch hatte er ihr wunderschönes Gesicht nicht vergessen können. Auch ihren Namen nicht. In Anthelias außergewöhnlichen Augen, die die Farbe von frischem Gras besaßen, glitzerten Tränen. In diesem heruntergekommenen Hausflur wirkte sie in ihrer Anmut und Vollkommenheit völlig fehl am Platz. Ihr hüftlanges, dunkles Haar und das grüne Kleid aus Seide hoben ihre außergewöhnliche Erscheinung noch hervor. Als sie sprach, hallte ihre sanfte Stimme im Flur wie Engelsgesang.
„Pass gut auf unseren Sohn auf, er ist etwas Besonderes.“ Sie wandte sich endgültig ab, ihr Haar und das Kleid wallten auf, als sie eilig die Treppe hinunter floh.
„Anthelia! Warte!“ Ludwig stolperte fast über einen Korb auf dem Fußabstreifer, den er erst jetzt bemerkte, und hielt einen Moment verdutzt inne, als sich darin unter einer Decke etwas bewegte. Dann stürzte er zum Treppenabsatz, eilte ein paar Stufen hinab und neigte sich weit über das Geländer. Er blickte die fünf Stockwerke hinunter, doch Anthelia war fort, so als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Ein klägliches Wimmern ließ ihn herumfahren. Es kam aus dem Korb und Ludwig war klar, was sich darin befand. Mit zitternden Knien und heißen Wangen ging er darauf zu und ging davor in die Hocke. Vorsichtig hob er die Decke an und keuchte auf, als ihn grasgrüne Augen aus einem winzigen Gesichtchen musterten.
Montag, 9. April 2018
Nach dem Buch ist vor dem Buch :)
Jaaaaaaa, jetzt hab ich es wieder gefunden, das Bild, das mich damals so inspiriert hat. 😍😍 Ich Depp such es überall im Netz, dabei hab ich es doch damals auf meine Festplatte gespeichert 😆 Die Proportionen sind nicht ideal, aber es ist trotzdem irgendwie perfekt und stimmig ... <3
Sonntag, 8. April 2018
Update
Ihr Lieben,
Das Manuskript liegt fertig lektoriert beim Verlag, Cover ist in Auftrag, KLappentext ist fertig.
Titel steht zu 85% fest :D Ich denke, bald gibt es mehr News <3 :)
Genießt den Sonntag und das wunderschöne Wetter ... ich werde jetzt auch gleich in die Sonne gehen
und das erste Eis des Jahres genießen :)
Eure Verena <3
Das Manuskript liegt fertig lektoriert beim Verlag, Cover ist in Auftrag, KLappentext ist fertig.
Titel steht zu 85% fest :D Ich denke, bald gibt es mehr News <3 :)
Genießt den Sonntag und das wunderschöne Wetter ... ich werde jetzt auch gleich in die Sonne gehen
und das erste Eis des Jahres genießen :)
Eure Verena <3
Mittwoch, 4. April 2018
Hallo Ihr Lieben ;)
Habe das korrigierte Manuskript gestern an meine Lektorin zurückgeschickt. Am Wochenende geht es an den Verlag retour und dann kann ich Euch vielleicht schon bald mehr sagen ;)
Bis dahin ein kleines Häppchen:
Ein ohnmächtiges Gefühl ergreift Besitz von meinem Körper, während meine Sicht verschwimmt. Meine Hände kribbeln, als würde mein Kreislauf gleich zusammenbrechen.
„Nein … nein …“ Ich schüttle heftig den Kopf und schluchze auf. Am liebsten würde ich jetzt irgendetwas zerstören, oder um mich schlagen. Ich drehe mich um, greife nach dem leeren Whiskyglas auf dem Tisch und schleudere es fort . „Nein!“ Mein zitternder Aufschrei hallt durch den Raum, während das Glas mit einem Klirren gegen die Wand kracht und in tausend Scherben zerspringt. Ich muss mich mit beiden Händen an der Tischkante festhalten, weil ich Angst habe, dass meine Beine gleich nachgeben. In meinem Kopf schreit es weiter und immer lauter werdend NEIN! Als ich blinzle, fallen meine Tränen auf die Tischplatte und hinterlassen drei winzige Pfützen auf dem hellen Holz. Einige endlose Sekunden lang ist es völlig still im Raum, ich höre nur meinen schweren, schnellen Atem und wie mein Blut in meinem Kopf rauscht.
Schließlich hole ich tief Luft und atme zittrig aus, während ich mich völlig aufgelöst zu Matt umwende. Er starrt mich mit versteinerter Miene an, Tränen laufen an seiner Wange hinunter.
Habe das korrigierte Manuskript gestern an meine Lektorin zurückgeschickt. Am Wochenende geht es an den Verlag retour und dann kann ich Euch vielleicht schon bald mehr sagen ;)
Bis dahin ein kleines Häppchen:
Ein ohnmächtiges Gefühl ergreift Besitz von meinem Körper, während meine Sicht verschwimmt. Meine Hände kribbeln, als würde mein Kreislauf gleich zusammenbrechen.
„Nein … nein …“ Ich schüttle heftig den Kopf und schluchze auf. Am liebsten würde ich jetzt irgendetwas zerstören, oder um mich schlagen. Ich drehe mich um, greife nach dem leeren Whiskyglas auf dem Tisch und schleudere es fort . „Nein!“ Mein zitternder Aufschrei hallt durch den Raum, während das Glas mit einem Klirren gegen die Wand kracht und in tausend Scherben zerspringt. Ich muss mich mit beiden Händen an der Tischkante festhalten, weil ich Angst habe, dass meine Beine gleich nachgeben. In meinem Kopf schreit es weiter und immer lauter werdend NEIN! Als ich blinzle, fallen meine Tränen auf die Tischplatte und hinterlassen drei winzige Pfützen auf dem hellen Holz. Einige endlose Sekunden lang ist es völlig still im Raum, ich höre nur meinen schweren, schnellen Atem und wie mein Blut in meinem Kopf rauscht.
Schließlich hole ich tief Luft und atme zittrig aus, während ich mich völlig aufgelöst zu Matt umwende. Er starrt mich mit versteinerter Miene an, Tränen laufen an seiner Wange hinunter.
Dienstag, 27. März 2018
Sorry, dass es hier momentan so ruhig ist, meine Lieben 🤔😶 Ich erwarte heute oder morgen den zweiten Teil meines aktuellen Manuskripts aus dem Lektorat. Dann wird nochmal fleißig korrigiert und überarbeitet, bevor es dann bald an den Verlag geht. :D Mein neues Projekt befindet sich gerade in einer Umstrukturierungs-Phase :P Obwohl ich schon fast 100 Seiten geschrieben habe, hab ich mich dazu entschlossen, vieles zu ändern ... Orte, Namen, teilweise auch die Handlung. Wie auch schon bei "Wachgeküsst" werde ich die Handlung zum Teil in der realen Welt spielen lassen ... das Meiste wird komplett gestrichen, aber ich weiß, dass es das Richtige ist - vielleicht hat das Manuskript deswegen so lange in der Schublade gelegen ... es war einfach irgendwie nicht rund .... High Fantasy ist nichts für mich ... ich brauche einen Ticken Realität 🤣😅 Ich denke, bald hab ich News für euch, bezüglich des aktuellen Projekts <3 :D Bis bald!!! <3 :D
Sonntag, 18. März 2018
Update
Hallo Ihr Lieben ;)
Manuskript ist zurück aus dem Lektorat und die Hälfte ist bereits bearbeitet!
In den nächsten Wochen werde ich erfahren, wann die Veröffentlichung ist, denke ich <3
Ich freu mich schon so ... da steckt viel Herzblut drinnen ... bald gibts mehr Infos ;)
Eure Verena
Manuskript ist zurück aus dem Lektorat und die Hälfte ist bereits bearbeitet!
In den nächsten Wochen werde ich erfahren, wann die Veröffentlichung ist, denke ich <3
Ich freu mich schon so ... da steckt viel Herzblut drinnen ... bald gibts mehr Infos ;)
Eure Verena
Montag, 26. Februar 2018
Häppchen ;)
Hach, meine Jungs ... <3 Ich kann es kaum erwarten, bis sie aus dem Lektorat zurück sind und ich mich wieder intensiv mit ihnen beschäftigen kann <3 :) Vielleicht kann ich euch in ein paar Wochen schon mehr sagen, in welchem Zeitraum der Roman erscheinen wird. ;)
Matt sieht mich eindringlich an, die Nähe zu ihm beraubt mich jeglichen Denkvermögens. Ich präge mir jedes Detail seines Gesichtes ein, die grünen Augen, seine gerade Nase und vor allem die schön geschwungenen Lippen. Bei seinem Anblick schwirrt mir der ohnehin schon schmerzende Schädel. Ich lehne mich zurück und schließe schwer seufzend die Augen.
„Hey“, flüstert Matt mit sanfter Stimme. „Muss ich mir Sorgen machen?“
„Mich haut so schnell nichts um, das weißt du doch“, antworte ich und sehe ihn wieder an. Stimmt nicht ganz. Du haust mich völlig um, stößt mich aus meiner Umlaufbahn und katapultierst mich wie im Rausch in die unendliche Atmosphäre, denke ich wie benebelt vor Liebe. Warum müssen die besten Männer immer hetero sein, verdammt?
Matt sieht mich eindringlich an, die Nähe zu ihm beraubt mich jeglichen Denkvermögens. Ich präge mir jedes Detail seines Gesichtes ein, die grünen Augen, seine gerade Nase und vor allem die schön geschwungenen Lippen. Bei seinem Anblick schwirrt mir der ohnehin schon schmerzende Schädel. Ich lehne mich zurück und schließe schwer seufzend die Augen.
„Hey“, flüstert Matt mit sanfter Stimme. „Muss ich mir Sorgen machen?“
„Mich haut so schnell nichts um, das weißt du doch“, antworte ich und sehe ihn wieder an. Stimmt nicht ganz. Du haust mich völlig um, stößt mich aus meiner Umlaufbahn und katapultierst mich wie im Rausch in die unendliche Atmosphäre, denke ich wie benebelt vor Liebe. Warum müssen die besten Männer immer hetero sein, verdammt?
Sonntag, 25. Februar 2018
Leseprobe meines neuen Romans ;)
Ich habe hier eine längere Leseprobe meines neuesten Werks ;) Titel steht noch nicht endgültig fest - ich denke das Buch wird in den nächsten 3-4 Monaten erscheinen. Diese Leseprobe ist eine unkorrigierte Fassung!
Viel Spaß ;)
Ich sehe durch das kleine Fenster des Flugzeuges, wie mein geliebtes London immer kleiner wird. Schließlich verschwindet es unter einer dicken Wolkendecke und ich seufze schwermütig und erleichtet zugleich auf. Jetzt gibt es endgültig kein Zurück mehr, das Abenteuer Nigeria kann beginnen. Gute sechs Stunden Flug liegen vor mir, sechs Stunden, in denen ich über vieles nachdenken kann. Meine Gedanken springen hin und her, dass ich sogar für einige Momente vergesse, wie sehr ich das Fliegen hasse. Das Gefühl, mein Leben dieser Maschine und einem fremden Menschen anzuvertrauen, der sie steuert, macht mir Angst. Nervös blicke ich auf den Bildschirm, der die Höhenmeter und die Flugmeilen anzeigt und atme einmal tief ein und aus.
Ich vermisse meine Familie jetzt schon, es wird eigenartig sein, frühmorgens nicht mit Tess ums Badezimmer streiten zu müssen. Ich fühle einen stechenden Schmerz in der Brust, als ich an das tränennasse Gesicht meiner kleinen Schwester denke. Ihr fällt es besonders schwer, mich gehen zu lassen, da wir sehr viel Zeit miteinander verbringen.
Der Abschied am Flughafen war schrecklich. Jenny und Tess haben geweint und es mir damit noch schwerer gemacht, zu gehen. Auch Dad hat seine Tränen nicht verbergen können und hat mich angesteckt. Das muss ein herzzerreißendes Bild abgegeben haben und der ein- oder andere Passagier hat bestimmt geglaubt, ich wandere für immer aus oder gehe ins Exil.
Ich muss an Marc denken – seine traurigen Augen, als ich ihm noch mal sagte, es hätte keinen Sinn, auf mich zu warten. Ich hoffe nur, er kommt schnell darüber hinweg und findet einen netten Kerl, der es ernst mit ihm meint. Wir werden Freunde bleiben – das weiß ich, weil es mit Marc gar nicht anders sein kann. Wenn es einen Orden für Güte geben würde, wäre er der Erste, dem dieser verliehen wird.
Mit den Flugstunden steigt auch meine Nervosität. Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen mit Larry Fisherman und bin gespannt auf das „Chimps Sanctuary Center“ und meine neuen Kollegen.
Dass ich einen sehr gefährlichen Job angenommen habe, ist mir bewusst. Die Organisation hat Feinde – allen voran die Wilderer und diejenigen, die mit dem Buschfleisch Geschäfte machen. Bei den Rettungsaktionen geraten die Mitarbeiter der Schutzstation des Öfteren in Lebensgefahr. Es hat bereits Zwischenfälle gegeben, bei denen Leute verletzt wurden. Ein afrikanischer Ranger kam vor einiger Zeit bei einem Schusswechsel ums Leben. Das alles hat mir Larry offen gesagt und mich von Anfang an auf die Gefahren hingewiesen. Diese Tatsachen habe ich Dad und meinen Schwestern natürlich verschwiegen.
****
Als der Kapitän die bevorstehende Landung ankündigt und ich meinen Gurt anlege, steigt meine Nervosität. Meine Hände sind feucht, ich wische sie an meiner Jeans ab und sehe aus dem Fenster. Der Flieger durchbricht die Wolkendecke und es wird etwas holprig. Ich klammere mich automatisch an den Armlehnen meines Sitzes fest, obwohl ich weiß, dass das ganz normal ist. Und dann tut sich die unendlich weite, grün- und sandflächige Landschaft Afrikas vor mir auf, vereinzelt durchzogen von feinen Linien … eindeutig Flüsse und größere Straßen.
Ich atme noch einmal tief durch und wappne mich mental auf das wahrscheinlich größte Abenteuer meines Lebens.
Pünktlich um halb eins Mittag lande ich in Abuja, der Hauptstadt Nigerias. Ich werfe einen Blick auf mein Handy, das bereits die Ortszeit halb zwei anzeigt.
Als ich aus dem Flugzeug steige, hüllt mich das feucht-heiße Klima Afrikas ein, als würde ich in ein Dampfbad fallen. Zusammen mit den anderen Fluggästen geht es in einem viel zu kleinen, überfüllten Bus zum Terminal. Von der einheimischen Familie mit schreienden Kindern, über den weißen Geschäftsmann im Anzug und in farbenfrohen Stoffen bekleideten Männern und Frauen ist alles vertreten. Es ist laut und stickig im Transfer und ich bin froh, als ich nach einigen Minuten wieder aussteigen kann. Ich lasse mich von der Menge bis zur Gepäckausgabe treiben, wo ich auf meinen Rollkoffer warte. In Afrika geht alles etwas langsamer und behäbiger zu, weswegen beinahe eine Dreiviertelstunde vergeht, ehe ich mit meinem Gepäck Richtung Ausgang marschieren kann. Abujas Flughafen hat nur zwei Terminals – einen für Inlands- und einen für Auslandsflüge. Daher ist alles recht überschaubar und es dauert nicht lange, bis ich Larry im Wartebereich entdecke. Zwischen den vielen bunten Kleidern und den überwiegend dunkelhäutigen Menschen ist es nicht schwer, ihn auszumachen. Er ist ein großer Mann mit breiten Schultern, Ende fünfzig. Sein Haar ist schon mehr grau als dunkelbraun, genau wie sein Bart. Am auffälligsten ist seine runde John Lennon – Brille, ohne die ich ihn gar nicht kenne.
Ich bin überrascht und erfreut zugleich, dass er mich persönlich abholt.
„Josh!“ Er winkt mir zu und schüttelt überschwänglich meine Hand, als ich ihn erreicht habe. „Ich wollte eigentlich einen Fahrer schicken, konnte mir aber dann doch die Zeit nehmen, um dich selbst abzuholen“, begrüßt er mich herzlich. „Willkommen in Nigeria – wie war dein Flug?“
„Hallo Larry“, erwidere ich. „Danke, es hat alles wunderbar geklappt.“
Wir durchqueren die Halle und verlassen das Flughafengebäude durch einen der Hauptausgänge.
„Woah … ich wusste, dass es heiß hier ist, aber das übertrifft meine Vorstellungen“, sage ich grinsend, ziehe ein Haargummi aus der Tasche und fasse meine Haare im Nacken zu einem lockeren Knoten zusammen.
Larry lacht. „Ja, wir haben heute bestimmt wieder kuschelige fünfundfünfzig Grad in der Sonne. Und jetzt herrscht natürlich auch noch die größte Mittagshitze. Aber du wirst dich schnell daran gewöhnen, glaub mir.“
Auf dem Parkplatz erkenne ich Larrys Auto sofort, denn der große schwarze Jeep hat seitlich das Logo und die Aufschrift des „Chimps Sanctuary Center“.
Ich lehne mich im Sitz zurück, während Larry den Motor anlässt.
„Es sind gute zwei Stunden Fahrt bis zur Schutzstation“, erklärt er mir. „Aber wir haben ja gottseidank eine Klimaanlage.“ Er grinst. Ich nicke ihm lächelnd zu und lege den Gurt an.
„Das ist gut“, antworte ich erleichtert und sehe mich neugierig um, als wir den Flughafen verlassen und auf eine zweispurige Autobahn fahren. Die Straßen sind staubig und teilweise fehlen die Markierungen, aber ich habe mir das alles noch viel bescheidener vorgestellt. Larry scheint zu ahnen, was mir durch den Kopf geht.
„Die Airport Road führt bis nach Abuja“, sagt er. „Bis zur Hauptstadt brauchen wir eine gute halbe Stunde, dann nochmal eineinhalb Stunden bis zur Schutzstation. Warte mal ab – du wirst aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen, wenn wir gleich durch Abuja fahren.“ Er lächelt geheimnisvoll. „Wer noch nicht hier war, glaubt nicht, wie erstaunlich westlich doch diese Stadt wirkt. Und das Umland hat durchaus sehr schöne Fleckchen – bestimmt hast du mal die Gelegenheit, diese zu sehen.“
„Ich bin sehr gespannt, was mich hier alles erwartet“, erwidere ich. „Es wird völlig anders sein, als das, was ich bisher gemacht habe, aber ich freue mich auf diese neue Herausforderung.“
Larry nickt. „Die Arbeit ist unglaublich erfüllend und wir sind jeden Abend stolz, auf das was wir geschafft haben“, sagt er. „Diese Tiere zu retten und ihnen die Chance auf ein neues Leben zu geben, erfüllt einen mit großer Befriedigung und Stolz. Aber wir haben natürlich auch sehr gefährliche und traurige Momente. Schließlich läuft es nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Für einige Schimpansen kommt jede Hilfe zu spät, oder sie sterben kurz darauf im Schutzreservat an den Folgen ihrer Gefangenschaft. Das Schicksal der Affen ist schrecklich und manchmal kaum zu ertragen, aber jedes einzelne Tier, das gerettet werden kann, gibt Hoffnung und die Kraft, diese wichtige Arbeit weiterzumachen.“ Er sieht mich kurz an und widmet sich dann wieder der Straße. „Ich bin mir ganz sicher, dass du sehr gut in unser Team passt, Josh. Und wir sind sehr froh, dass du da bist. Eins der Teams besteht momentan nur aus zwei Mitarbeitern, dadurch springt einer immer hin und her. Das ist auf Dauer anstrengend und manchmal schwer zu organisieren – vor allem wenn jemand krank ist, oder Urlaub hat. Jetzt können wir uns wieder ganz auf unsere Schützlinge konzentrieren.“
Während der Fahrt staune ich über das ständig wechselnde Landschaftsbild. Wir fahren etwa zehn Minuten lang durch Einöde, an Müllbergen und rostigen Autowracks vorbei, bis wir in das Stadtcenter von Abuja kommen. Die Hauptstadt erscheint optisch in einigen Teilen tatsächlich sehr westlich. Hochhäuser mit glänzenden Fassaden, von Palmen gesäumte Hauptstraßen und weiße Zäune vor größeren Anwesen wechseln sich mit ärmeren Vierteln ab, die im Kontrast dagegen schmutzig und heruntergekommen sind. Ich ahne bereits jetzt, dass dieses Land viel mehr bietet, als sich die meisten vorstellen können. Wir unterhalten uns über allgemeine Dinge und Larry erzählt mir, dass er seit 2004 mit seiner Frau Sulola, einer Nigerianerin, verheiratet ist. Als er zwei Jahre zuvor aus Texas nach Nigeria kam, hat er als reicher Geschäftsmann die Zelte in seiner Heimatstadt Dallas abgebrochen und das „Chimps Sanctuary Center“ aus eigener Tasche finanziert und aufgebaut. Seine Firma, die mit Immobilien und Aktien handelt, leiten mittlerweile seine erwachsenen Söhne aus erster Ehe.
„Ich bin damals mit einem meiner besten Freunde nach Nigeria gekommen“, erklärt Larry. „Mason Steward ist Tierarzt und mit mir der Dienstälteste im Reservat. Du wirst ihn sicher heute noch kennen lernen.“
Wir sind noch nicht lange raus aus der Stadt – und es kommt mir vor, als hätte man einen Schalter umgelegt und uns aus der Zivilisation heraus katapultiert. Anstatt Hochhäusern, Geschäften, sauberen Straßen und Parkanlagen, fahren wir auf staubigen Wegen, die umgeben sind von wilder Natur, Wäldern, Felsen und abgelegenen Dörfern. Zum Teil scheinen die Hütten nur aus Pappe, Holz und Wellblechen zu bestehen.
Ich zucke zusammen, als eine Hupe ertönt. Uns kommt gerade ein Transporter entgegen, auf dem so viele Menschen sitzen, dass ich Angst habe, dass einer von ihnen herunterfällt. Nicht nur auf der Ladefläche, sondern auch auf dem Dach befinden sich Männer und Frauen, die uns begeistert zuwinken. Larry bemerkt mein erstauntes Gesicht und lacht auf.
„Das ist ganz normal. Hier besitzen nur sehr wenige Menschen ein Auto und so werden Fahrgemeinschaften gegründet, die oft aus einem ganzen Dorf bestehen. Sie fahren meist zum nächsten Markt oder zu einem Brunnen, um Wasservorräte zu holen.
„Ich möchte nicht wissen, wie voll der Transporter ist, wenn sie zurück fahren“, antworte ich kopfschüttelnd, worauf Larry wieder lacht.
„Du würdest dich wundern, was da noch alles drauf geht.“ Er fährt in seinem Bericht über die Anfänge des Schutzcenters fort und ich erfahre, dass es Anfeindungen von Einheimischen gab. Nicht nur die Dorfbewohner, die teilweise Angst vor den Menschenaffen haben, standen dem Projekt feindselig gegenüber. Die größte Gefahr ging von denjenigen aus, die Geschäfte mit dem sogenannten Buschfleisch machen. Deswegen ist das rund sechshundert Hektar große Areal, auf dem das Reservat erbaut wurde, mit schweren, hohen Stacheldrahtzäunen abgesperrt und wird rund um die Uhr von bewaffneten Parkrangern bewacht. Es gab aber auch einige, die gekommen waren, um zu helfen – darunter ein Lehrer aus einem der umliegenden Dörfer und seine Schwester Sulola.
„Sulola ist dank des Einflusses ihres Bruders gebildet, kann lesen und schreiben, was hier nicht selbstverständlich ist“, erklärt mir Larry. „Und sie spricht sehr gut englisch. Aus der Gruppe der freiwilligen Helfer stach sie mit ihrer offenen, freundlichen Art hervor und ist mir bereits am ersten Tag aufgefallen“, schwärmt er, während ein verträumtes Lächeln auf seinen Mundwinkeln liegt. „Sie wollte alles über die Schimpansen und unsere Arbeit wissen – aber genauso interessiert war sie daran, wo ich herkomme und was ich dort gemacht habe. Es hat nicht lange gedauert, sich in diese Frau zu verlieben. Ihr Bruder ist noch ihr einziger, lebender Verwandter und so bat ich ihn irgendwann um die Hand seiner Schwester. Er hat sofort zugestimmt, weil er sie versorgt und in guten Händen wusste.“
„Ich freue mich schon darauf, deine Frau kennen zu lernen“, erwidere ich, als wir gerade auf einen holprigen Feldweg abbiegen. Ich kann bereits die von Larry erwähnten Stacheldrahtzäune erkennen, die die Grenzen des Reservats bilden. Schon jetzt kann man sehen, welch riesige Ausmaße es hat. Schließlich kommen wir an ein großes, schweres Eisentor, das geschlossen ist. Ein bewaffneter Ranger kommt sofort aus dem Wachhäuschen, doch als er Larrys Wagen erkennt, winkt er uns zu und öffnet uns das Tor.
„Wir fahren erstmal zum Hauptgebäude und gehen in mein Büro“, erklärt Larry. „Ich stelle dir ein paar Kollegen vor und anschließend zeige ich dir, wo du wohnen wirst.“
Ich nicke. „Das hört sich gut an“, antworte ich zustimmend und blicke aus dem Fenster. „Wow“, sage ich beeindruckt. „Man hat das Gefühl, in eine andere Welt zu gelangen.“
„Ich weiß“, antwortet Larry schmunzelnd. „Das sagt jeder, der das erste Mal herkommt.“
Abuja liegt in der Savanne und nach einer guten Stunde Autofahrt durch trockene Einöde erwartet mich hier eine grüne Oase. Die Wege sind durch liebevoll gepflegte Gärten gesäumt. Tropische Pflanzen mit wunderschönen bunten Blüten, hohe Gräser und schattenspendende Akazien und Orangenbäume geben ein paradiesisches Bild ab.
„Wir haben aber darauf geachtet, Pflanzen zu verwenden, die nicht allzu viel Wasser benötigen“, erzählt Larry. „Schließlich ist Wasser kostbares Gut und wird an anderer Stelle viel dringender benötigt.“
Das Hauptgebäude wirkt schlicht und gepflegt. Der Vorplatz ist kreisrund, in der Mitte wurde eine kleine Insel angelegt, auf der eine Akazie und einige blühende Büsche wachsen. Wir betreten das Haus durch die offen stehenden Flügeltüren aus dunklem Holz und gehen zuerst durch eine lichtdurchflutete Halle. Larry trägt meine kleine Reisetasche und ich ziehe den Rollkoffer hinter mir her. Ich blicke nach oben und betrachte das runde Kuppelfenster, zwischen den Treppen im zweiten Stock. Genau darunter befindet sich ein steinernes Becken, dem ich mich neugierig nähere.
„Goldfische …“, murmle ich mehr zu mir selbst.
„Ja, eine meiner großen Leidenschaften“, antwortet Larry, in seiner Stimme schwingt Stolz mit. „In meinem Anwesen in Dallas hatte ich einen riesigen Teich mit verschiedenen Fischarten. Wobei mir die Goldfische besonders lieb sind – vor allem die Schleiergoldfische. Wenn ich gestresst bin, setzte ich mich ein paar Minuten hin und beobachte sie. Das verleiht mir Ruhe und neue Kraft.“
„Das kann ich mir gut vorstellen“, antworte ich nickend und folge Larry durch einen breiten Korridor.
„Die Büroräume befinden sich hier im Erdgeschoß“, erklärt er mir. „Genau wie die Kantine, Konferenz- und Aufenthaltsräume. Im Hauptgebäude ist eigentlich fast alles untergebracht. Einzig die Appartements der Mitarbeiter befinden sich woanders – und natürlich die Schimpansenstation. Aber alles zu seiner Zeit.“ Larry bleibt vor einer Tür stehen, klopft kurz und legt die Hand auf die Klinke. „Dein Gepäck kannst du in meinem Büro lassen, während ich dir alles zeige.“
Als wir Larrys Büro betreten, erhebt sich eine dunkelhäutige Frau von einem der beiden Schreibtische im Raum. Als erstes fallen mir ihre warmherzigen, glänzenden Augen auf. Sie trägt ein bunt bedrucktes, afrikanisches Kleid, mit einem passenden Kopftuch, das sie kunstvoll, ähnlich wie einen Turban geschlungen trägt. Ihr gepflegtes Äußeres, wie Ohrringe, Makeup und eine außergewöhnlich ebenmäßige Haut, lässt sie mich vom Alter her schwer einschätzen, aber sie ist mindestens zehn bis fünfzehn Jahre jünger als Larry.
„Schatz, das ist Josh Edwards aus London.“ Larry schließt die Tür und stellt meine Tasche ab. Meinen Rollkoffer stelle ich daneben.
„Josh, freut mich, dich kennen zu lernen“, begrüßt mich Larrys Frau in beinahe akzentfreiem Englisch, während sie mir eine perfekt manikürte Hand hinhält. „Ich bin Sulola. Hattest du einen guten Flug?“
Ich drücke behutsam ihre Hand und nicke.
„Hallo, Sulola“, erwidere ich. „Ja, vielen Dank – es hat alles wunderbar geklappt.“
„Das freut mich.“ Ihr Lächeln lässt ihre weißen Zähne aufblitzen. „Du bist Zoologe, nicht wahr? Larry hat mir schon einiges über dich erzählt.“
„Ach ja?“, antworte ich neugierig und wechsle kurz einen Blick mit Larry, der grinsend zustimmt.
„Natürlich nur Gutes“, sagt er augenzwinkernd. „Wir bewundern deine Öffentlichkeitsarbeit in der Tierschutzorganisation … die Menschen über Tierquälerei jeglicher Art aufzuklären, ist eine enorm wichtige Sache. Außerdem habe ich meiner Frau erzählt, wie du bereits als kleiner Junge einen Schimpansen großgezogen hast.“
Ich lache peinlich berührt. „Na ja, den größten Anteil daran hatte mein Vater. Ich habe nur assistiert.“
„Was bewundernswert ist, in so jungen Jahren“, erwidert Sulola anerkennend, während sie zu ihrem Schreibtisch zurückkehrt, sich über die Tastatur neigt und kurz etwas eintippt. „Entschuldigt, ich muss rasch etwas abspeichern. Das Ding hat die Angewohnheit immer dann abzustürzen, wenn ich meine Daten nicht gesichert habe.“
„Mach du ruhig weiter, Liebling.“ Larry geht kurz zu seiner Frau und küsst sie liebevoll auf die Wange. „Ich möchte Josh ohnehin kurz herumführen und ihm das Wichtigste zeigen. Wir kommen dann wieder, um das Gepäck zu holen.“
Sulola nickt und setzt sich.
„Okay, dann wir sehen uns nachher.“
„Ja, bis dann.“
„Im Moment ist nur Team Eins anwesend – und davon lediglich zwei Leute“, erklärt mir Larry, während wir den Korridor zurückgehen. „Mason ist mit Team Zwei in den Wäldern unterwegs. Wilderer sollen dort ihr Unwesen treiben. Ich hoffe, die Kollegen kehren bald wohlbehalten zurück.“ Wir gehen am Goldfischbecken vorbei zum Lift, der sich genau gegenüber vom Eingang befindet. Erst jetzt fallen mir die Hinweisschilder an den Wänden auf, die aufzeigen, was sich wo befindet. Larry deutet mit dem Kinn nach links. „Hier im linken Flügel befindet sich die Kantine und die Küche, aber da dürfte jetzt niemand mehr da sein. Hast du Hunger? Dann besorgen wir rasch etwas für dich.“
Ich schüttle den Kopf. „Nein, danke. Ich habe im Flugzeug etwas bekommen.“
Wir fahren mit dem Lift in den ersten Stock, wo wir uns in den linken Flügel begeben und dem Schild mit der Aufschrift Teams/Tiermedizinische Versorgung folgen.
Larry klopft kurz an eine Tür und ich betrete nach ihm einen Raum, in dem zwei Schreibtische stehen, ein Tisch mit vier Stühlen und eine kleine Küchenzeile mit einer Mikrowelle und einer Kaffeemaschine. An einem der Schreibtische sitzt ein Mann in etwa meinem Alter, der jetzt aufsieht und sich sofort erhebt.
„Larry“, begrüßt er unseren Boss mit einer winkenden Handbewegung, bevor er mir freundlich zunickt. Ich finde ihn auf Anhieb sympathisch.
„Hey Walt“, erwidert Larry. „Das ist Josh Edwards, der neue Kollege für Team Zwei. Er ist gerade angekommen und ich dachte, wir schauen kurz vorbei.“
Walt und ich reichen uns die Hand.
„Freut mich Josh“, begrüßt er mich breit lächelnd. „Gut, dass du da bist. Das bedeutet nämlich, dass mein Team wieder komplett ist.“
„Hallo Walt“, erwidere ich. „Ja, ich hab schon gehört, dass ihr momentan etwas im Stress seid.“
„Das kann man wohl sagen“, bestätigt Walt nickend, worauf ihm ein paar seiner schwarzen, dicken Dreadlocks ins Gesicht fallen, die er etwa schulterlang trägt. Seine Haut besitzt die Farbe von Milchkaffee. „Deswegen bin ich gerade alleine hier. Unser Team-Tierarzt Mason ist unterwegs auf Mission und Suzie, eine andere Kollegin, ist mit ein paar Rangern und Helfern draußen bei den Schimpansen. Wir bereiten gerade den Umzug zweier Jungtiere in eines der Außenanlagen vor.“
„Suzie ist Verhaltensbiologin“, fügt Larry hinzu. „Du kannst sie gleich kennen lernen, wenn du magst. Wir könnten mit einem Caddy zu den Außengehegen fahren.“
Ich bin begeistert von Larrys Vorschlag und plötzlich so aufgeregt, dass mein Herz schneller schlägt. Ich werde gleich die Gelegenheit haben, ersten Kontakt mit den Schimpansen aufzunehmen.
„Sehr gerne“, antworte ich erfreut.
****
„Also, hier im ersten Stock befinden sich Räume der Teams, die tiermedizinische Versorgungsstation und ein Operationsraum“, unterrichtet mich Larry weiter, als wir in den Lift steigen und wieder nach unten fahren. „Und im zweiten Stock ist die humanmedizinische Station. Ich würde sagen, das kann dir morgen einer deiner Kollegen zeigen. Erstens ist meine Zeit leider begrenzt, zweitens wäre das zu viel für heute.“
Wir verlassen das Hauptgebäude und steuern auf eines von drei Elektro-Caddys zu, die vor dem Eingang parken.
„Wir benutzen die Caddys ganz gerne, weil das Reservat wirklich groß ist und du dir hier so manches Mal die Füße platt latschst“, erklärt mir Larry grinsend. „Nach den Außengehegen zeige ich dir dann erstmal, wo du wohnen wirst.“ Er macht eine ausschweifende Handbewegung in die Ferne. „Dort drüben befinden sich die Bungalows sämtlicher ausländischer Mitarbeiter, wir haben dir bereits einen bezugsfertig gemacht. Die einheimischen Helfer verlassen die Schutzstation abends so zwischen neun und elf Uhr – je nachdem wie sie mit ihrer Arbeit fertig werden. Es sind dann nur noch die Ranger da, die Nachtwache haben. Ich würde sagen, nachdem ich dir die Außenanlagen für die Schimpansen gezeigt habe, holen wir dein Gepäck und ich bringe dich zu deinem Appartement. Du solltest erstmal in Ruhe ankommen, morgen geht’s dann richtig los. Was hältst du davon?“
Da ich ziemlich müde bin, nicke ich dankbar.
„Das hört sich wirklich gut an, danke Larry.“
Wir wollen gerade in das Caddy steigen, als ein dunkler Jeep mit großer Ladefläche sprichwörtlich mit einem Affentempo angerauscht kommt und mit quietschenden Reifen und jeder Menge Sandstaub zum Stehen kommt. Drei Männer springen von der Ladefläche – einer von ihnen ist ein bewaffneter, einheimischer Ranger. Zugleich steigt eine Frau aus, die am Steuer gesessen hat. Einer der Männer trägt ein kleines Bündel in den Armen, eingewickelt in ein Stück Stoff – rot getränkt mit Blut. Der Oberkörper des Mannes ist nackt, und ich kann erkennen, dass er ein Gorillababy in sein Hemd gewickelt hat.
Der andere Mann ist unheimlich blass, es ist offensichtlich, dass es ihm nicht gut geht. Sein rechter Arm ist notdürftig mit einem Stofffetzen verbunden, durch den Blut durchgesickert ist.
„Mason, lass dich von Valentina verarzten!“, ruft ihm der Mann mit dem Gorillababy im Arm gehetzt zu, während er sich suchend umsieht. Sein Blick bleibt für den Bruchteil einer Sekunde an mir hängen, dann entdeckt er Larry.
„Larry! Ich brauche jemanden, der mir assistiert!“, brüllt er ihm gehetzt zu. „Mason fällt aus, er muss sofort in die Krankenstation. Das Kleine muss in den OP!“ Verzweifelt fällt sein Blick wieder auf mich. „Hey, hast du schon mal bei einer OP assistiert?“
Ich wechsle einen Blick mit Larry und mir ist klar, dass mein neuer Job doch sofort beginnt.
Viel Spaß ;)
Ich sehe durch das kleine Fenster des Flugzeuges, wie mein geliebtes London immer kleiner wird. Schließlich verschwindet es unter einer dicken Wolkendecke und ich seufze schwermütig und erleichtet zugleich auf. Jetzt gibt es endgültig kein Zurück mehr, das Abenteuer Nigeria kann beginnen. Gute sechs Stunden Flug liegen vor mir, sechs Stunden, in denen ich über vieles nachdenken kann. Meine Gedanken springen hin und her, dass ich sogar für einige Momente vergesse, wie sehr ich das Fliegen hasse. Das Gefühl, mein Leben dieser Maschine und einem fremden Menschen anzuvertrauen, der sie steuert, macht mir Angst. Nervös blicke ich auf den Bildschirm, der die Höhenmeter und die Flugmeilen anzeigt und atme einmal tief ein und aus.
Ich vermisse meine Familie jetzt schon, es wird eigenartig sein, frühmorgens nicht mit Tess ums Badezimmer streiten zu müssen. Ich fühle einen stechenden Schmerz in der Brust, als ich an das tränennasse Gesicht meiner kleinen Schwester denke. Ihr fällt es besonders schwer, mich gehen zu lassen, da wir sehr viel Zeit miteinander verbringen.
Der Abschied am Flughafen war schrecklich. Jenny und Tess haben geweint und es mir damit noch schwerer gemacht, zu gehen. Auch Dad hat seine Tränen nicht verbergen können und hat mich angesteckt. Das muss ein herzzerreißendes Bild abgegeben haben und der ein- oder andere Passagier hat bestimmt geglaubt, ich wandere für immer aus oder gehe ins Exil.
Ich muss an Marc denken – seine traurigen Augen, als ich ihm noch mal sagte, es hätte keinen Sinn, auf mich zu warten. Ich hoffe nur, er kommt schnell darüber hinweg und findet einen netten Kerl, der es ernst mit ihm meint. Wir werden Freunde bleiben – das weiß ich, weil es mit Marc gar nicht anders sein kann. Wenn es einen Orden für Güte geben würde, wäre er der Erste, dem dieser verliehen wird.
Mit den Flugstunden steigt auch meine Nervosität. Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen mit Larry Fisherman und bin gespannt auf das „Chimps Sanctuary Center“ und meine neuen Kollegen.
Dass ich einen sehr gefährlichen Job angenommen habe, ist mir bewusst. Die Organisation hat Feinde – allen voran die Wilderer und diejenigen, die mit dem Buschfleisch Geschäfte machen. Bei den Rettungsaktionen geraten die Mitarbeiter der Schutzstation des Öfteren in Lebensgefahr. Es hat bereits Zwischenfälle gegeben, bei denen Leute verletzt wurden. Ein afrikanischer Ranger kam vor einiger Zeit bei einem Schusswechsel ums Leben. Das alles hat mir Larry offen gesagt und mich von Anfang an auf die Gefahren hingewiesen. Diese Tatsachen habe ich Dad und meinen Schwestern natürlich verschwiegen.
****
Als der Kapitän die bevorstehende Landung ankündigt und ich meinen Gurt anlege, steigt meine Nervosität. Meine Hände sind feucht, ich wische sie an meiner Jeans ab und sehe aus dem Fenster. Der Flieger durchbricht die Wolkendecke und es wird etwas holprig. Ich klammere mich automatisch an den Armlehnen meines Sitzes fest, obwohl ich weiß, dass das ganz normal ist. Und dann tut sich die unendlich weite, grün- und sandflächige Landschaft Afrikas vor mir auf, vereinzelt durchzogen von feinen Linien … eindeutig Flüsse und größere Straßen.
Ich atme noch einmal tief durch und wappne mich mental auf das wahrscheinlich größte Abenteuer meines Lebens.
Pünktlich um halb eins Mittag lande ich in Abuja, der Hauptstadt Nigerias. Ich werfe einen Blick auf mein Handy, das bereits die Ortszeit halb zwei anzeigt.
Als ich aus dem Flugzeug steige, hüllt mich das feucht-heiße Klima Afrikas ein, als würde ich in ein Dampfbad fallen. Zusammen mit den anderen Fluggästen geht es in einem viel zu kleinen, überfüllten Bus zum Terminal. Von der einheimischen Familie mit schreienden Kindern, über den weißen Geschäftsmann im Anzug und in farbenfrohen Stoffen bekleideten Männern und Frauen ist alles vertreten. Es ist laut und stickig im Transfer und ich bin froh, als ich nach einigen Minuten wieder aussteigen kann. Ich lasse mich von der Menge bis zur Gepäckausgabe treiben, wo ich auf meinen Rollkoffer warte. In Afrika geht alles etwas langsamer und behäbiger zu, weswegen beinahe eine Dreiviertelstunde vergeht, ehe ich mit meinem Gepäck Richtung Ausgang marschieren kann. Abujas Flughafen hat nur zwei Terminals – einen für Inlands- und einen für Auslandsflüge. Daher ist alles recht überschaubar und es dauert nicht lange, bis ich Larry im Wartebereich entdecke. Zwischen den vielen bunten Kleidern und den überwiegend dunkelhäutigen Menschen ist es nicht schwer, ihn auszumachen. Er ist ein großer Mann mit breiten Schultern, Ende fünfzig. Sein Haar ist schon mehr grau als dunkelbraun, genau wie sein Bart. Am auffälligsten ist seine runde John Lennon – Brille, ohne die ich ihn gar nicht kenne.
Ich bin überrascht und erfreut zugleich, dass er mich persönlich abholt.
„Josh!“ Er winkt mir zu und schüttelt überschwänglich meine Hand, als ich ihn erreicht habe. „Ich wollte eigentlich einen Fahrer schicken, konnte mir aber dann doch die Zeit nehmen, um dich selbst abzuholen“, begrüßt er mich herzlich. „Willkommen in Nigeria – wie war dein Flug?“
„Hallo Larry“, erwidere ich. „Danke, es hat alles wunderbar geklappt.“
Wir durchqueren die Halle und verlassen das Flughafengebäude durch einen der Hauptausgänge.
„Woah … ich wusste, dass es heiß hier ist, aber das übertrifft meine Vorstellungen“, sage ich grinsend, ziehe ein Haargummi aus der Tasche und fasse meine Haare im Nacken zu einem lockeren Knoten zusammen.
Larry lacht. „Ja, wir haben heute bestimmt wieder kuschelige fünfundfünfzig Grad in der Sonne. Und jetzt herrscht natürlich auch noch die größte Mittagshitze. Aber du wirst dich schnell daran gewöhnen, glaub mir.“
Auf dem Parkplatz erkenne ich Larrys Auto sofort, denn der große schwarze Jeep hat seitlich das Logo und die Aufschrift des „Chimps Sanctuary Center“.
Ich lehne mich im Sitz zurück, während Larry den Motor anlässt.
„Es sind gute zwei Stunden Fahrt bis zur Schutzstation“, erklärt er mir. „Aber wir haben ja gottseidank eine Klimaanlage.“ Er grinst. Ich nicke ihm lächelnd zu und lege den Gurt an.
„Das ist gut“, antworte ich erleichtert und sehe mich neugierig um, als wir den Flughafen verlassen und auf eine zweispurige Autobahn fahren. Die Straßen sind staubig und teilweise fehlen die Markierungen, aber ich habe mir das alles noch viel bescheidener vorgestellt. Larry scheint zu ahnen, was mir durch den Kopf geht.
„Die Airport Road führt bis nach Abuja“, sagt er. „Bis zur Hauptstadt brauchen wir eine gute halbe Stunde, dann nochmal eineinhalb Stunden bis zur Schutzstation. Warte mal ab – du wirst aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen, wenn wir gleich durch Abuja fahren.“ Er lächelt geheimnisvoll. „Wer noch nicht hier war, glaubt nicht, wie erstaunlich westlich doch diese Stadt wirkt. Und das Umland hat durchaus sehr schöne Fleckchen – bestimmt hast du mal die Gelegenheit, diese zu sehen.“
„Ich bin sehr gespannt, was mich hier alles erwartet“, erwidere ich. „Es wird völlig anders sein, als das, was ich bisher gemacht habe, aber ich freue mich auf diese neue Herausforderung.“
Larry nickt. „Die Arbeit ist unglaublich erfüllend und wir sind jeden Abend stolz, auf das was wir geschafft haben“, sagt er. „Diese Tiere zu retten und ihnen die Chance auf ein neues Leben zu geben, erfüllt einen mit großer Befriedigung und Stolz. Aber wir haben natürlich auch sehr gefährliche und traurige Momente. Schließlich läuft es nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Für einige Schimpansen kommt jede Hilfe zu spät, oder sie sterben kurz darauf im Schutzreservat an den Folgen ihrer Gefangenschaft. Das Schicksal der Affen ist schrecklich und manchmal kaum zu ertragen, aber jedes einzelne Tier, das gerettet werden kann, gibt Hoffnung und die Kraft, diese wichtige Arbeit weiterzumachen.“ Er sieht mich kurz an und widmet sich dann wieder der Straße. „Ich bin mir ganz sicher, dass du sehr gut in unser Team passt, Josh. Und wir sind sehr froh, dass du da bist. Eins der Teams besteht momentan nur aus zwei Mitarbeitern, dadurch springt einer immer hin und her. Das ist auf Dauer anstrengend und manchmal schwer zu organisieren – vor allem wenn jemand krank ist, oder Urlaub hat. Jetzt können wir uns wieder ganz auf unsere Schützlinge konzentrieren.“
Während der Fahrt staune ich über das ständig wechselnde Landschaftsbild. Wir fahren etwa zehn Minuten lang durch Einöde, an Müllbergen und rostigen Autowracks vorbei, bis wir in das Stadtcenter von Abuja kommen. Die Hauptstadt erscheint optisch in einigen Teilen tatsächlich sehr westlich. Hochhäuser mit glänzenden Fassaden, von Palmen gesäumte Hauptstraßen und weiße Zäune vor größeren Anwesen wechseln sich mit ärmeren Vierteln ab, die im Kontrast dagegen schmutzig und heruntergekommen sind. Ich ahne bereits jetzt, dass dieses Land viel mehr bietet, als sich die meisten vorstellen können. Wir unterhalten uns über allgemeine Dinge und Larry erzählt mir, dass er seit 2004 mit seiner Frau Sulola, einer Nigerianerin, verheiratet ist. Als er zwei Jahre zuvor aus Texas nach Nigeria kam, hat er als reicher Geschäftsmann die Zelte in seiner Heimatstadt Dallas abgebrochen und das „Chimps Sanctuary Center“ aus eigener Tasche finanziert und aufgebaut. Seine Firma, die mit Immobilien und Aktien handelt, leiten mittlerweile seine erwachsenen Söhne aus erster Ehe.
„Ich bin damals mit einem meiner besten Freunde nach Nigeria gekommen“, erklärt Larry. „Mason Steward ist Tierarzt und mit mir der Dienstälteste im Reservat. Du wirst ihn sicher heute noch kennen lernen.“
Wir sind noch nicht lange raus aus der Stadt – und es kommt mir vor, als hätte man einen Schalter umgelegt und uns aus der Zivilisation heraus katapultiert. Anstatt Hochhäusern, Geschäften, sauberen Straßen und Parkanlagen, fahren wir auf staubigen Wegen, die umgeben sind von wilder Natur, Wäldern, Felsen und abgelegenen Dörfern. Zum Teil scheinen die Hütten nur aus Pappe, Holz und Wellblechen zu bestehen.
Ich zucke zusammen, als eine Hupe ertönt. Uns kommt gerade ein Transporter entgegen, auf dem so viele Menschen sitzen, dass ich Angst habe, dass einer von ihnen herunterfällt. Nicht nur auf der Ladefläche, sondern auch auf dem Dach befinden sich Männer und Frauen, die uns begeistert zuwinken. Larry bemerkt mein erstauntes Gesicht und lacht auf.
„Das ist ganz normal. Hier besitzen nur sehr wenige Menschen ein Auto und so werden Fahrgemeinschaften gegründet, die oft aus einem ganzen Dorf bestehen. Sie fahren meist zum nächsten Markt oder zu einem Brunnen, um Wasservorräte zu holen.
„Ich möchte nicht wissen, wie voll der Transporter ist, wenn sie zurück fahren“, antworte ich kopfschüttelnd, worauf Larry wieder lacht.
„Du würdest dich wundern, was da noch alles drauf geht.“ Er fährt in seinem Bericht über die Anfänge des Schutzcenters fort und ich erfahre, dass es Anfeindungen von Einheimischen gab. Nicht nur die Dorfbewohner, die teilweise Angst vor den Menschenaffen haben, standen dem Projekt feindselig gegenüber. Die größte Gefahr ging von denjenigen aus, die Geschäfte mit dem sogenannten Buschfleisch machen. Deswegen ist das rund sechshundert Hektar große Areal, auf dem das Reservat erbaut wurde, mit schweren, hohen Stacheldrahtzäunen abgesperrt und wird rund um die Uhr von bewaffneten Parkrangern bewacht. Es gab aber auch einige, die gekommen waren, um zu helfen – darunter ein Lehrer aus einem der umliegenden Dörfer und seine Schwester Sulola.
„Sulola ist dank des Einflusses ihres Bruders gebildet, kann lesen und schreiben, was hier nicht selbstverständlich ist“, erklärt mir Larry. „Und sie spricht sehr gut englisch. Aus der Gruppe der freiwilligen Helfer stach sie mit ihrer offenen, freundlichen Art hervor und ist mir bereits am ersten Tag aufgefallen“, schwärmt er, während ein verträumtes Lächeln auf seinen Mundwinkeln liegt. „Sie wollte alles über die Schimpansen und unsere Arbeit wissen – aber genauso interessiert war sie daran, wo ich herkomme und was ich dort gemacht habe. Es hat nicht lange gedauert, sich in diese Frau zu verlieben. Ihr Bruder ist noch ihr einziger, lebender Verwandter und so bat ich ihn irgendwann um die Hand seiner Schwester. Er hat sofort zugestimmt, weil er sie versorgt und in guten Händen wusste.“
„Ich freue mich schon darauf, deine Frau kennen zu lernen“, erwidere ich, als wir gerade auf einen holprigen Feldweg abbiegen. Ich kann bereits die von Larry erwähnten Stacheldrahtzäune erkennen, die die Grenzen des Reservats bilden. Schon jetzt kann man sehen, welch riesige Ausmaße es hat. Schließlich kommen wir an ein großes, schweres Eisentor, das geschlossen ist. Ein bewaffneter Ranger kommt sofort aus dem Wachhäuschen, doch als er Larrys Wagen erkennt, winkt er uns zu und öffnet uns das Tor.
„Wir fahren erstmal zum Hauptgebäude und gehen in mein Büro“, erklärt Larry. „Ich stelle dir ein paar Kollegen vor und anschließend zeige ich dir, wo du wohnen wirst.“
Ich nicke. „Das hört sich gut an“, antworte ich zustimmend und blicke aus dem Fenster. „Wow“, sage ich beeindruckt. „Man hat das Gefühl, in eine andere Welt zu gelangen.“
„Ich weiß“, antwortet Larry schmunzelnd. „Das sagt jeder, der das erste Mal herkommt.“
Abuja liegt in der Savanne und nach einer guten Stunde Autofahrt durch trockene Einöde erwartet mich hier eine grüne Oase. Die Wege sind durch liebevoll gepflegte Gärten gesäumt. Tropische Pflanzen mit wunderschönen bunten Blüten, hohe Gräser und schattenspendende Akazien und Orangenbäume geben ein paradiesisches Bild ab.
„Wir haben aber darauf geachtet, Pflanzen zu verwenden, die nicht allzu viel Wasser benötigen“, erzählt Larry. „Schließlich ist Wasser kostbares Gut und wird an anderer Stelle viel dringender benötigt.“
Das Hauptgebäude wirkt schlicht und gepflegt. Der Vorplatz ist kreisrund, in der Mitte wurde eine kleine Insel angelegt, auf der eine Akazie und einige blühende Büsche wachsen. Wir betreten das Haus durch die offen stehenden Flügeltüren aus dunklem Holz und gehen zuerst durch eine lichtdurchflutete Halle. Larry trägt meine kleine Reisetasche und ich ziehe den Rollkoffer hinter mir her. Ich blicke nach oben und betrachte das runde Kuppelfenster, zwischen den Treppen im zweiten Stock. Genau darunter befindet sich ein steinernes Becken, dem ich mich neugierig nähere.
„Goldfische …“, murmle ich mehr zu mir selbst.
„Ja, eine meiner großen Leidenschaften“, antwortet Larry, in seiner Stimme schwingt Stolz mit. „In meinem Anwesen in Dallas hatte ich einen riesigen Teich mit verschiedenen Fischarten. Wobei mir die Goldfische besonders lieb sind – vor allem die Schleiergoldfische. Wenn ich gestresst bin, setzte ich mich ein paar Minuten hin und beobachte sie. Das verleiht mir Ruhe und neue Kraft.“
„Das kann ich mir gut vorstellen“, antworte ich nickend und folge Larry durch einen breiten Korridor.
„Die Büroräume befinden sich hier im Erdgeschoß“, erklärt er mir. „Genau wie die Kantine, Konferenz- und Aufenthaltsräume. Im Hauptgebäude ist eigentlich fast alles untergebracht. Einzig die Appartements der Mitarbeiter befinden sich woanders – und natürlich die Schimpansenstation. Aber alles zu seiner Zeit.“ Larry bleibt vor einer Tür stehen, klopft kurz und legt die Hand auf die Klinke. „Dein Gepäck kannst du in meinem Büro lassen, während ich dir alles zeige.“
Als wir Larrys Büro betreten, erhebt sich eine dunkelhäutige Frau von einem der beiden Schreibtische im Raum. Als erstes fallen mir ihre warmherzigen, glänzenden Augen auf. Sie trägt ein bunt bedrucktes, afrikanisches Kleid, mit einem passenden Kopftuch, das sie kunstvoll, ähnlich wie einen Turban geschlungen trägt. Ihr gepflegtes Äußeres, wie Ohrringe, Makeup und eine außergewöhnlich ebenmäßige Haut, lässt sie mich vom Alter her schwer einschätzen, aber sie ist mindestens zehn bis fünfzehn Jahre jünger als Larry.
„Schatz, das ist Josh Edwards aus London.“ Larry schließt die Tür und stellt meine Tasche ab. Meinen Rollkoffer stelle ich daneben.
„Josh, freut mich, dich kennen zu lernen“, begrüßt mich Larrys Frau in beinahe akzentfreiem Englisch, während sie mir eine perfekt manikürte Hand hinhält. „Ich bin Sulola. Hattest du einen guten Flug?“
Ich drücke behutsam ihre Hand und nicke.
„Hallo, Sulola“, erwidere ich. „Ja, vielen Dank – es hat alles wunderbar geklappt.“
„Das freut mich.“ Ihr Lächeln lässt ihre weißen Zähne aufblitzen. „Du bist Zoologe, nicht wahr? Larry hat mir schon einiges über dich erzählt.“
„Ach ja?“, antworte ich neugierig und wechsle kurz einen Blick mit Larry, der grinsend zustimmt.
„Natürlich nur Gutes“, sagt er augenzwinkernd. „Wir bewundern deine Öffentlichkeitsarbeit in der Tierschutzorganisation … die Menschen über Tierquälerei jeglicher Art aufzuklären, ist eine enorm wichtige Sache. Außerdem habe ich meiner Frau erzählt, wie du bereits als kleiner Junge einen Schimpansen großgezogen hast.“
Ich lache peinlich berührt. „Na ja, den größten Anteil daran hatte mein Vater. Ich habe nur assistiert.“
„Was bewundernswert ist, in so jungen Jahren“, erwidert Sulola anerkennend, während sie zu ihrem Schreibtisch zurückkehrt, sich über die Tastatur neigt und kurz etwas eintippt. „Entschuldigt, ich muss rasch etwas abspeichern. Das Ding hat die Angewohnheit immer dann abzustürzen, wenn ich meine Daten nicht gesichert habe.“
„Mach du ruhig weiter, Liebling.“ Larry geht kurz zu seiner Frau und küsst sie liebevoll auf die Wange. „Ich möchte Josh ohnehin kurz herumführen und ihm das Wichtigste zeigen. Wir kommen dann wieder, um das Gepäck zu holen.“
Sulola nickt und setzt sich.
„Okay, dann wir sehen uns nachher.“
„Ja, bis dann.“
„Im Moment ist nur Team Eins anwesend – und davon lediglich zwei Leute“, erklärt mir Larry, während wir den Korridor zurückgehen. „Mason ist mit Team Zwei in den Wäldern unterwegs. Wilderer sollen dort ihr Unwesen treiben. Ich hoffe, die Kollegen kehren bald wohlbehalten zurück.“ Wir gehen am Goldfischbecken vorbei zum Lift, der sich genau gegenüber vom Eingang befindet. Erst jetzt fallen mir die Hinweisschilder an den Wänden auf, die aufzeigen, was sich wo befindet. Larry deutet mit dem Kinn nach links. „Hier im linken Flügel befindet sich die Kantine und die Küche, aber da dürfte jetzt niemand mehr da sein. Hast du Hunger? Dann besorgen wir rasch etwas für dich.“
Ich schüttle den Kopf. „Nein, danke. Ich habe im Flugzeug etwas bekommen.“
Wir fahren mit dem Lift in den ersten Stock, wo wir uns in den linken Flügel begeben und dem Schild mit der Aufschrift Teams/Tiermedizinische Versorgung folgen.
Larry klopft kurz an eine Tür und ich betrete nach ihm einen Raum, in dem zwei Schreibtische stehen, ein Tisch mit vier Stühlen und eine kleine Küchenzeile mit einer Mikrowelle und einer Kaffeemaschine. An einem der Schreibtische sitzt ein Mann in etwa meinem Alter, der jetzt aufsieht und sich sofort erhebt.
„Larry“, begrüßt er unseren Boss mit einer winkenden Handbewegung, bevor er mir freundlich zunickt. Ich finde ihn auf Anhieb sympathisch.
„Hey Walt“, erwidert Larry. „Das ist Josh Edwards, der neue Kollege für Team Zwei. Er ist gerade angekommen und ich dachte, wir schauen kurz vorbei.“
Walt und ich reichen uns die Hand.
„Freut mich Josh“, begrüßt er mich breit lächelnd. „Gut, dass du da bist. Das bedeutet nämlich, dass mein Team wieder komplett ist.“
„Hallo Walt“, erwidere ich. „Ja, ich hab schon gehört, dass ihr momentan etwas im Stress seid.“
„Das kann man wohl sagen“, bestätigt Walt nickend, worauf ihm ein paar seiner schwarzen, dicken Dreadlocks ins Gesicht fallen, die er etwa schulterlang trägt. Seine Haut besitzt die Farbe von Milchkaffee. „Deswegen bin ich gerade alleine hier. Unser Team-Tierarzt Mason ist unterwegs auf Mission und Suzie, eine andere Kollegin, ist mit ein paar Rangern und Helfern draußen bei den Schimpansen. Wir bereiten gerade den Umzug zweier Jungtiere in eines der Außenanlagen vor.“
„Suzie ist Verhaltensbiologin“, fügt Larry hinzu. „Du kannst sie gleich kennen lernen, wenn du magst. Wir könnten mit einem Caddy zu den Außengehegen fahren.“
Ich bin begeistert von Larrys Vorschlag und plötzlich so aufgeregt, dass mein Herz schneller schlägt. Ich werde gleich die Gelegenheit haben, ersten Kontakt mit den Schimpansen aufzunehmen.
„Sehr gerne“, antworte ich erfreut.
****
„Also, hier im ersten Stock befinden sich Räume der Teams, die tiermedizinische Versorgungsstation und ein Operationsraum“, unterrichtet mich Larry weiter, als wir in den Lift steigen und wieder nach unten fahren. „Und im zweiten Stock ist die humanmedizinische Station. Ich würde sagen, das kann dir morgen einer deiner Kollegen zeigen. Erstens ist meine Zeit leider begrenzt, zweitens wäre das zu viel für heute.“
Wir verlassen das Hauptgebäude und steuern auf eines von drei Elektro-Caddys zu, die vor dem Eingang parken.
„Wir benutzen die Caddys ganz gerne, weil das Reservat wirklich groß ist und du dir hier so manches Mal die Füße platt latschst“, erklärt mir Larry grinsend. „Nach den Außengehegen zeige ich dir dann erstmal, wo du wohnen wirst.“ Er macht eine ausschweifende Handbewegung in die Ferne. „Dort drüben befinden sich die Bungalows sämtlicher ausländischer Mitarbeiter, wir haben dir bereits einen bezugsfertig gemacht. Die einheimischen Helfer verlassen die Schutzstation abends so zwischen neun und elf Uhr – je nachdem wie sie mit ihrer Arbeit fertig werden. Es sind dann nur noch die Ranger da, die Nachtwache haben. Ich würde sagen, nachdem ich dir die Außenanlagen für die Schimpansen gezeigt habe, holen wir dein Gepäck und ich bringe dich zu deinem Appartement. Du solltest erstmal in Ruhe ankommen, morgen geht’s dann richtig los. Was hältst du davon?“
Da ich ziemlich müde bin, nicke ich dankbar.
„Das hört sich wirklich gut an, danke Larry.“
Wir wollen gerade in das Caddy steigen, als ein dunkler Jeep mit großer Ladefläche sprichwörtlich mit einem Affentempo angerauscht kommt und mit quietschenden Reifen und jeder Menge Sandstaub zum Stehen kommt. Drei Männer springen von der Ladefläche – einer von ihnen ist ein bewaffneter, einheimischer Ranger. Zugleich steigt eine Frau aus, die am Steuer gesessen hat. Einer der Männer trägt ein kleines Bündel in den Armen, eingewickelt in ein Stück Stoff – rot getränkt mit Blut. Der Oberkörper des Mannes ist nackt, und ich kann erkennen, dass er ein Gorillababy in sein Hemd gewickelt hat.
Der andere Mann ist unheimlich blass, es ist offensichtlich, dass es ihm nicht gut geht. Sein rechter Arm ist notdürftig mit einem Stofffetzen verbunden, durch den Blut durchgesickert ist.
„Mason, lass dich von Valentina verarzten!“, ruft ihm der Mann mit dem Gorillababy im Arm gehetzt zu, während er sich suchend umsieht. Sein Blick bleibt für den Bruchteil einer Sekunde an mir hängen, dann entdeckt er Larry.
„Larry! Ich brauche jemanden, der mir assistiert!“, brüllt er ihm gehetzt zu. „Mason fällt aus, er muss sofort in die Krankenstation. Das Kleine muss in den OP!“ Verzweifelt fällt sein Blick wieder auf mich. „Hey, hast du schon mal bei einer OP assistiert?“
Ich wechsle einen Blick mit Larry und mir ist klar, dass mein neuer Job doch sofort beginnt.
News
Ihr Lieben, sorry, dass ich diesen Blog so verweisen habe lassen. Es gibt News :) Mein neues Manuskript liegt im Lektorat - in den nächsten Wochen/Monaten wird es einen neuen Roman von mir geben :D Es geht um einen jungen Tierschützer, der sich in Afrika in einen Kollegen verliebt. Ich werde noch eine Leseprobe einstellen.
Liebe Grüße,
Verena
Dienstag, 1. Dezember 2015
Donnerstag, 26. November 2015
BuchBerlin *klick*
Ihr Lieben! Ich bin am Samstag, den 28.11.15 auf der Buch Berlin ;)
Ihr findet mich zwischen 16:00 Und 17:00 am Dead Soft Stand im Friedrichsaal! Ich freue mich auf euch! ;)
Ihr Lieben! Ich bin am Samstag, den 28.11.15 auf der Buch Berlin ;)
Ihr findet mich zwischen 16:00 Und 17:00 am Dead Soft Stand im Friedrichsaal! Ich freue mich auf euch! ;)
Montag, 14. September 2015
Hallo Ihr Lieben,
sorry, dass ich hier länger nichts geschrieben habe. Dafür gibt es Neuigkeiten! ;) Ich habe meinen Erstling "Gefangen im Zwielicht" komplett überarbeitet, dieser ist nun als ebook erhältlich. Print folgt bald! Mit über 30 Seiten mehr hoffe ich, Euch ein schönes Lesevergnügen mit meinen Vampiren zu bereiten! :D
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sorry, dass ich hier länger nichts geschrieben habe. Dafür gibt es Neuigkeiten! ;) Ich habe meinen Erstling "Gefangen im Zwielicht" komplett überarbeitet, dieser ist nun als ebook erhältlich. Print folgt bald! Mit über 30 Seiten mehr hoffe ich, Euch ein schönes Lesevergnügen mit meinen Vampiren zu bereiten! :D
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Donnerstag, 23. Juli 2015
Neuauflage "Gefangen im Zwielicht" Leseprobe Kapitel 1
Hallo Ihr Lieben! ;)
"Gefangen im Zwielicht" wird mit fast dreißig Seiten mehr Inhalt neu aufgelegt - Termin steht noch keiner fest. :) Ich möchte Euch hier den (noch unkorrigiert!) Prolog und das erste Kapitel präsentieren - viel Spaß!
"Gefangen im Zwielicht" wird mit fast dreißig Seiten mehr Inhalt neu aufgelegt - Termin steht noch keiner fest. :) Ich möchte Euch hier den (noch unkorrigiert!) Prolog und das erste Kapitel präsentieren - viel Spaß!
Prolog
Alexei
stand im Schatten einer großen Eiche und beobachtete die Kinder bei ihrem Fußballspiel.
Der Junge mit dem blonden Stoppelschnitt und dem fröhlichen Lachen war auch
wieder da. Immer wieder huschte der Blick des Kleinen zu Alexei hinüber, aber
nur seiner. Für die anderen Kinder schien er unsichtbar zu sein. Auch die
wenigen Erwachsenen am Spielfeldrand, von denen einige unmittelbar neben ihm
standen, schienen ihn nicht sehen zu können. Ein paar Mal musste Alexei sogar zur
Seite springen, damit ihn niemand über den Haufen rannte.
Obwohl
der Junge nicht älter als zehn oder elf Jahre alt sein konnte, wirkte er sehr erwachsen.
Eindeutig nahm er das Spiel sehr ernst. Seine blauen Augen blitzten wütend auf,
während er seine Kameraden zur Ordnung rief, weil sie herumalberten und nicht richtig
bei der Sache waren. Er stand in dem improvisierten Tor aus zwei am Boden
liegenden Jacken und ging in Position. Doch als er wiederholt zu Alexei
hinübersah, zuckte er plötzlich erschrocken zusammen. Mit weit aufgerissenen
Augen rief er ihm etwas zu, das wie eine Warnung klang. Alexei konnte ihn
hören, verstand jedoch nichts davon. Als würde der Raum zwischen ihnen Teile
der Worte verschlucken. Panik stand im Gesicht des Kindes geschrieben, die auch
ihn selbst rasch ergriff. Das Fußballspiel war offensichtlich vergessen, als der
Junge auf Alexei zu rannte und die Hand nach ihm ausstreckte.
Alexei war unfähig, sich zu bewegen, als
hielten ihn unsichtbare Arme mit Gewalt zurück. Da begann der Junge zu weinen.
Heftige Schluchzer schüttelten ihn. Die Wangen waren gerötet, seine blauen
Augen von Schmerz erfüllt. Er lief schneller und konnte Alexei dennoch nicht
erreichen. Eine gewaltige Macht hielt die beiden auseinander.
Und
dann kam der schwarze Nebel. Eine dichte, wabernde Wand, die beide voneinander
trennte, und alles in ihrem riesigen Schlund verschlang. Die Bäume, den Himmel und
die Sonne. In ihrem letzten Strahl stand der Junge, die Arme um sich selbst
geschlungen, als spüre er die Gefahr, die im Dunkeln lauerte.
Auch
Alexei hatte Angst im Dunkeln. Immer schon. Ein Blitz durchbrach die schwarze
Nebelwand, und er wusste, was als nächstes passieren würde. Das gleißende Licht
schillerte zuerst weiß, dann blau und schließlich blutrot, als sich das Licht im
Rubin des Siegelringes brach, der für einen Moment vor seinem Gesicht auftauchte.
Ein goldener, auffälliger Siegelring, auf dem in goldenen Lettern ein „W“
eingraviert war. Und wieder hallte dieses irre, triumphierende Lachen durch die
Finsternis, die Alexei nun endgültig verschluckte…
Alexei
erwachte durch seinen eigenen Schrei und saß aufrecht im Bett. Sein Herz raste
und die Lungen schmerzten unter seinen heftigen Atemzügen. Warum nur quälte ihn immer wieder
derselbe Traum? Undefinierbare Gefühle der Sehnsucht und der Schmerz von
Verlust ergriffen Besitz von ihm. Er strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn,
während sein Blick auf den Digitalwecker fiel. Die grün leuchtenden Ziffern
sprangen gerade auf 17:18 Uhr. Höchste Zeit, aufzustehen.
1
Leon
und sein Vater saßen gemeinsam mit ihrem potenziellen Geschäftspartner im
Konferenzraum. Es kam nicht so oft vor, dass sie beide bei einem Angebot dabei
waren, aber dieser Zenker hatte nicht gerade das, was man einen guten Ruf
nannte. Also beobachtete Leon den Kerl ganz genau. Bevor er eingetreten war,
hatte er vor der Glastür innegehalten und den Knoten seiner Designerkrawatte
zurechtgerückt. Nun saß er da und Leon war gespannt, was der Typ zu sagen
hatte. Zenker kämmte sich mit den Fingerspitzen durch das Haar, während er sich
scheinbar interessiert umsah. Sein Blick blieb einen Moment an der auffälligen Kommode
hängen, bevor er sich Leons Vater zuwandte.
„Das
ist ein schönes Stück, das sie da stehen haben, Herr Bergmann. Ist das
Teakholz?“, fragte er mit einem Kichern, das völlig fehl am Platz war, und gelbe,
etwas schief stehende Zähne offenbarte. Leon fand, der Kerl hatte Ähnlichkeit
mit einer Hyäne, so wie er den Kopf vorschob, während er die Schultern nach
oben zog. Und dann dieses irre Kichern dazu.
Leons
Vater schien sich nicht so daran zu stören und nickte stolz.
„Malaysia,
Achtzehntes Jahrhundert“, bestätigte er mit leuchtenden Augen. „Zwei der
Goldgriffe musste ich allerdings ersetzen lassen. Ich habe das bauchige Ding
auf einer meiner Reisen gekauft.“
Leon
lächelte und seine Gedanken schweiften kurz ab. An den Urlaub konnte er sich
nur allzu gut erinnern. Es war der erste mit seiner Stiefmutter und auch einer
der schönsten. Vater und Ines händchenhaltend am weißen Sandstrand, der Geruch
des Meeres. In seinem Kopf hallten fröhliches Kinderlachen und das Kreischen
der Möwen, als wäre es erst gestern gewesen. Leon war acht Jahre alt und in
diesen Wochen wohl das glücklichste Kind auf der Welt. Vielleicht wäre er sogar
noch glücklicher gewesen, hätte er nicht diese braune Badehose tragen müssen,
auf der leuchtend gelbe Bananen abgebildet waren. Womöglich trug aber auch
gerade diese Erinnerung dazu bei, dass der Urlaub so unvergessen geblieben war.
Am letzten Tag hatte er die Bananenbadehose am Strand vergraben und vorgegeben,
sie verloren zu haben.
Zenker
räusperte sich, seine für einen Mann ungewöhnlich hohe Stimme riss Leon aus seinen
Erinnerungen.
„Kommen
wir zum geschäftlichen Teil, meine Herren.“ Wieder ein Hyänenkichern. „Ich
möchte Sie nicht drängen, aber ich habe noch weitere Interessenten für das
Haus. Ein solch lukratives Angebot bekommen Sie nicht alle Tage.“ Er entblößte
seine gelben Zähne zu einem schleimigen Lächeln und kritzelte etwas auf einen
Block, den er – zusammen mit einem Laptop - aus seiner Aktentasche entnommen
hatte. Dabei zuckte er flatternd mit dem Bein, so dass der große Tisch und sein
Laptop, das er gerade aufklappte, vibrierten. Leon warf seinem Vater möglichst
unauffällig einen warnenden Blick zu, worauf er nickte. Sie verstanden einander
auch ohne Worte, waren längst ein eingespieltes Team. Beruflich ebenso, wie privat.
„Geben
Sie uns bis morgen Bedenkzeit, Herr Zenker“, bat er höflich.
Zenker
schüttelte energisch den Kopf, das Zucken seines Beines wurde stärker.
„Ich
fürchte, Sie werden sich gleich entscheiden müssen. Ich treffe heute noch zwei
weitere Interessenten.“
Leon
straffte die Schultern und atmete tief ein. Der miese Typ log, dass sich die
Balken bogen. Aber da war noch mehr als das schmutzige Geschäft, an das er die
ganze Zeit gedacht hatte. So laut, dass Leon es nicht einmal hätte überhören
können, wenn er es gewollt hätte. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Haus.
Etwas, das über bloße Gebrauchspuren hinausging.
Bei
der Besichtigung war nur sein Vater dabei gewesen, doch Leon konnte in diesem
Augenblick trotzdem sehen, was hier faul war. Und zwar faul im wahrsten Sinne des Wortes.
Er
war bereits vor einigen Minuten in Zenkers Geist eingedrungen, und brauchte
nicht lange, um alles direkt vor sich zu sehen. Nur mit großer Mühe konnte er seinen
Zorn zurückhalten.
„Ich
würde gerne die oberen Stockwerke noch einmal sehen“, bemerkte Leon
zähneknirschend und wunderte sich über die Ruhe in seiner Stimme. Zenkers
Gesichtszüge entgleisten. Er trommelte mit den Fingerspitzen auf das Holz des
Konferenztisches, seine Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Aber
warum denn das?“, stieß er schrill aus. „Ich
glaube kaum, dass dies nötig sein wird. Meine Mitarbeiterin hat Ihrem Vater
bereits alles gezeigt.“ Er tat sich sichtlich schwer, die Contenance zu
bewahren, und Leon hörte in seinem Kopf, was das Arschloch über das arme
Mädchen dachte, das keinen blassen Schimmer davon hatte, was für ein Verbrecher
ihr Chef war.
„Das
sehe ich anders“, entgegnete Leon so ruhig, wie es seine Wut zuließ und
lächelte so strahlend, wie Zenker zu Beginn ihres Gespräches. „Und wenn wir
schon dabei sind - die rostigen, mit schlechter Farbe übermalten
Wasserleitungen im Keller möchte ich auch sehen. Die brechen vermutlich
auseinander, falls eine der Ratten da unten einen Furz lässt.“
Aus
den Augenwinkeln sah Leon, dass die Schultern seines Vaters vor Lachen bebten. Die
Hyäne schnappte nach Luft und ihre Augen verdunkelten sich, als würden
Gewitterwolken darin aufziehen. In der Tat konnte Leon den Sturm schon spüren,
als Zenker ihn noch gar nicht realisiert hatte. Armer Idiot. Er hatte sich
einfach die Falschen ausgesucht. Aber
wie sollte er auch ahnen, dass Leon all die Dinge sehen konnte, die in seinem
Kopf vorgingen.
Zenker
zerrte an seiner Krawatte, als wäre sie eine Schlinge um seinen Hals.
„Ich
versichere Ihnen, das sind alles Kleinigkeiten, die werden selbstverständlich
noch instandgesetzt“, stotterte er wirr. Sein Hyänenkichern war ihm wohl im
Hals stecken geblieben. „Wie kommen Sie überhaupt auf ...“
„Etwa
wie der Dachboden?“, unterbrach Leon ihn. „Mein Vater berichtete mir, dass
alles noch etwas frisch aussieht. Als wäre es … sagen wir … vorgestern
mal eben mit Sandfarbe gestrichen worden?“
Zenker
quollen die Augen aus den Höhlen, seine Unsicherheit schwand und ging nahtlos
in Wut über.
„Jetzt
reicht es aber! Glauben Sie, ich habe meine Zeit gestohlen?“ Er sprang vom
Stuhl und griff nach seinem Block. „Das hab ich bestimmt nicht nötig.“
Oha,
die Hyäne wurde zum Tiger. Leons Vater blickte Zenker ruhig an. Nur das Zucken
in seinen Augenwinkeln verriet, dass er kaum noch an sich halten konnte.
„Beruhigen
Sie sich doch, Herr Zenker. Mein Sohn hat Sie doch nur um eine klare Auskunft
gebeten. Kein Grund, laut zu werden.“
„Von
wegen um etwas gebeten!“ Zenker fuchtelte wild mit einer Hand herum und warf Leon
einen wütenden Blick zu. „Das sind absurde Anschuldigungen! Mit solchen Leuten muss
ich keine Geschäfte machen!“
Wieder
eine glatte Lüge, aber die hätte jeder durchschaut, ganz ohne Gedankenlesen. Leon
erhob sich nun ebenfalls.
„Auf
Geschäfte mit Ihnen können wir verzichten“, sagte er unwirsch. „Sehen Sie lieber zu, dass Sie ihren Arsch
hier raus bewegen, bevor ich mich vergesse und Ihnen ihr Laptop hinein schiebe!“
„Leon.“
Sein Vater stand nun ebenfalls auf und warf ihm einen warnenden Blick zu.
„Ist
doch wahr!“
Zenker
entgegnete nichts mehr. Er klappte den Laptop zu und stopfte ihn zusammen mit
dem Block zurück in den Aktenkoffer. Mit großen Schritten war er bei der Tür
und flüchtete ohne Gruß aus dem Konferenzraum.
„Dem
ist der Arsch aber gewaltig auf Grundeis gegangen.“ Leon lockerte seine Krawatte
und schüttelte seufzend den Kopf. „Den
sehen wir nicht wieder“, stellte er zufrieden fest.
Sein
Vater musterte ihn über die Gläser seiner Lesebrille hinweg.
„Ich
habe geahnt, dass mit dem Kerl etwas nicht stimmt. Was hast du in seinen
Gedanken alles gelesen?“
„Eine
Menge. Mir ist ganz schlecht davon.“ Leon imitierte Kotzgeräusche. „Er kauft
halb verfallene Hütten und lässt sie durch Schwarzarbeiter dürftig sanieren. Die
Schäden sind sehr geschickt vertuscht und ausgebessert worden. Er verwendet die
billigsten Materialien, teilweise fehlerhafte Ware vom Schwarzmarkt. Natürlich
will er die Projekte dann so schnell wie möglich loswerden, damit er sich aus
dem Staub machen kann. Robert Zenker ist nur eines seiner Pseudonyme.“
Leons
Vater stieß geräuschvoll die Luft aus.
„So
ein Dreckskerl! Ich möchte wissen, wie viele Menschen dieser Gauner schon
reingelegt hat.“
„Das
willst du nicht, glaub mir. Aber nicht mit Bergmann Immobilien“, antwortete
Leon. „Das weiß ich zu verhindern.“
„Ohne
dein Eingreifen hätte ich das Haus womöglich gekauft“, stellte sein Vater
betroffen fest. „Du bist unglaublich.“
Leon
grinste. „Pass auf, sonst könnte ich mir noch was darauf einbilden.“
Sie
lachten beide auf.
„Na
komm, Mister Eingebildet. Wir haben einen Termin. Hoffentlich nicht noch so ein
Verbrecher. Einer am Tag reicht vollkommen.“
****
Eine
halbe Stunde später saßen Leon und sein Vater in ihrem gewohnten Geschäftsessen-Restaurant.
Leon zupfte gedankenverloren an den Spitzen des Mitteldeckchens, auf dem eine
Glasvase mit frischen Blumen stand. Das Restaurant war im Stil der dreißiger
bis vierziger Jahre eingerichtet, an den Wänden prangten in Gold gerahmte
Bilder von Ikonen dieser Zeit, wie Edith Piaf, Humphrey Bogard oder Hans
Albers. Leon bevorzugte privat coolere Kneipen wie „Dee´s Bar“ oder das
„Underground“, aber ihm war natürlich klar, dass man dort schlecht Geschäfte
abschließen konnte. Außerdem konnte er sich seinen Vater nur schwer in einer
Diskothek vorstellen, in der halbnackte Frauen zu Technomusik in Käfigen
tanzten.
„Leon.
Hörst du mir überhaupt zu?“
Leon
zuckte zusammen und blickte ihn über den Tisch hinweg an.
„Entschuldige
Vater, hast du was gesagt?“
„Ich
sagte, dass ich sehr stolz auf dich bin und nicht wüsste, was ich ohne dich
täte. Der Vorfall heute war ja wieder mal Beweis genug. Ich mach das Geschäft
schon so lange, aber ich habe die Ausbesserungen wirklich nicht gesehen.“
Leon
winkte ab und klappte die Speisekarte auf.
„Für
irgendetwas muss meine Gabe ja schließlich gut sein“, antwortete er. „Zur Feier
des Tages darfst du mich zum Essen einladen. Ich hab einen Riesenhunger.“ Sein
Vater schüttelte belustigt den Kopf und wollte sich ebenfalls die Karte nehmen.
Dabei stieß er zwei Weingläser um, die klirrend davon rollten. Eines davon wäre
vom Tisch gefallen, wenn Leon es nicht gerade noch rechtzeitig gefangen hätte.
Er grinste, während sich sein Vater peinlich berührt umsah, und das andere Glas
wieder aufstellte.
„Das
ist nicht lustig, Leon“, sagte er streng, doch sein Tonfall wurde von einem
Lächeln um die Mundwinkel gemildert.
„Vielleicht
nicht lustig, aber typisch für dich. Du hättest dein Gesicht eben sehen sollen.
Bleib doch cool, Mann.“
Sein
Vater verdrehte die Augen und rieb sich den graumelierten Kinnbart.
Leon
lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück.
„Wer
ist eigentlich der Mann, der uns diesen Laden in der Oranienstraße verkaufen
will?“
Sein
Vater zuckte mit den Schultern.
„Ich
weiß nur, dass er Serban Grigorescu heißt, mehrere Immobilien hier in Berlin
besitzt, und im Stadtteil Grünwald lebt. Ich habe ein paar Mal mit ihm
telefoniert. Sein Sohn wollte an seiner Stelle kommen, weil er selbst einen
wichtigen Termin hat.“ Er blickte auf seine Armbanduhr. „Er müsste jeden
Augenblick da sein.“
Leon
nickte und erhob sich.
„Würdest
du mir bitte einen trockenen Weißwein und ein Glas Wasser bestellen? Wir
sollten die Gelegenheit nutzen, solange die Gläser noch stehen. Ich bin gleich
wieder da.“
„Das
muss ich mir noch gut überlegen“, hörte er seinen Vater amüsiert antworten,
während er sich bereits auf halbem Weg zu den Toiletten befand. Eine Bedienung
kam ihm entgegen und lächelte ihm freundlich zu. Sie war hübsch, dunkle Locken
umrahmten ihr zartes Gesicht. Leon spürte, dass sie nervös war und konnte nicht
wiederstehen, ihre Gedanken zu lesen. Sie fand ihn süß … und sexy. Er grinste
in sich hinein. Besonders gefielen ihr seine blauen Augen und die Art, wie er sein
dunkles Haar trug. Wenn er an ihr vorbeigegangen war, wollte sie einen Blick
auf seinen Hintern werfen. Leon lächelte zurück, worauf sich ihre Wangen rot
färbten, dann unterbrach er rasch die Verbindung. Es war nicht fair, aber ab und
zu musste er einfach wissen, was in den Köpfen der Menschen vorging. Vor allen
Dingen beim weiblichen Geschlecht konnte er seine Neugier kaum zügeln.
Als
Leon wenig später zurückkam, saß sein Vater nicht mehr allein am Tisch. Er
unterhielt sich mit einem Mann, der nun aufsah und Leons Blick entgegnete. Der
Typ war ungewöhnlich blass, eine geheimnisvolle Aura umgab ihn. Leon war jetzt
schon gespannt auf seine Gedanken. Seltsamerweise war ihm, als wäre er ihm
schon einmal begegnet, doch an so einen Kerl würde er sich mit Sicherheit
erinnern. Trotz seiner Blässe sah er aus, wie einer dieser Typen, die für Unterwäsche
oder Parfüm warben. Seine Gesichtszüge waren weich und doch wirkte er sehr
männlich. Sein blondes Haar hatte er im Nacken zu einem Zopf gebunden,
gekleidet war er in einen cremefarbenen Anzug und ein schwarzes Hemd. Leons
kleine Schwester wäre sicherlich hin und weg von ihm gewesen.
„Darf
ich dir Alexei Grigorescu vorstellen? Seiner Familie gehört das Objekt, er wird
es uns nachher zeigen. Herr Grigorescu, das ist mein Sohn Leon. Er ist auch
mein Geschäftspartner.“ Sein Vater blickte zwischen ihnen hin und her.
„Guten
Tag, Herr Grigorescu.“ Leon streckte die Hand aus.
Alexei
Grigorescu erhob sich kurz und erwiderte den Gruß. Seine Hand war kühl, er
besaß einen kräftigen Händedruck.
„Freut
mich, Herr Bergmann“, erwiderte er mit einem Lächeln, das ebenmäßige, weiße
Zähne entblößte. Seine Stimme klang sehr tief, aber angenehm. Aus reinem Instinkt
heraus unternahm Leon ohne Umschweife den Versuch, in seinen Geist
einzudringen. Schneller als er erwartet hatte, entstand eine Verbindung, doch
plötzlich sah ihn der Kerl mit einer Mischung aus Erstaunen und Überraschung
an, in seinen grünen Augen blitzte es auf. Leon spürte einen unsichtbaren
Schutzwall, der sich um Grigorescus Geist legte. Es war nun unmöglich zu sehen,
was in seinem Kopf vorging.
Erschrocken
und etwas irritiert war Leon froh, als sich sein Vater sofort nach dem Gebäude
erkundigte. Die Bedienung kam an den Tisch und nahm die Bestellung auf. Ihre
Gedanken konnte Leon sofort wieder lesen und was sie über Alexei Grigorescu
dachte, war nicht mehr jugendfrei. Sie verdrehte sich fast den Hals nach ihm,
als sie ging, um die Bestellung abzuliefern.
Während
des Essens lag der Schwerpunkt der Unterhaltung auf dem Immobiliengeschäft und Leon
überlegte, ob er einen weiteren Versuch unternehmen sollte, in Grigorescus
Geist einzudringen. Vielleicht hatte er sich vorhin nur eingebildet, er würde ihn
mental abblocken? Wahrscheinlich war er nur unkonzentriert. Bisher war es Leon
immer gelungen, sich auf telepathischem Weg in die Gedankengänge der Leute
einzuschleichen. Grigorescu war offensichtlich ein hartnäckiger Fall.
Nach
dem Essen gingen sie zusammen die Papiere und Pläne durch und unterhielten sich
ungezwungen über verschiedene Themen. Die Grigorescus besaßen mehrere
Grundstücke und Gebäude in Berlin und im Ausland, die sie vermieteten und auch
teilweise zum Kauf anboten. Während des Gesprächs spürte Leon eine merkwürdige
Spannung. Grigorescu schien unnahbar und geheimnisvoll – und er beobachtete
Leon, wenn er dachte, er würde es nicht bemerken. Hatte er den mentalen Angriff
auf seine Gedanken doch bemerkt?
„Und
so haben wir uns entschlossen, das Gebäude zu verkaufen“, sagte Alexei gerade,
während sein stechender Blick auf Leon traf. Dieser hob sein Glas und fixierte
rasch das gerahmte Schwarzweißbild von Hans Albers.
„Er
war ein begnadeter Schauspieler“, bemerkte Alexei, der Leons Blick gefolgt war.
„Ich habe ihn einmal in Hamburg getroffen.“ Er nippte an seinem Rotwein und
grinste. „Ist jedoch schon eine ganze Weile her.“
Leons
Vater lachte über den Witz, und auch Leon konnte sich ein Grinsen nicht
verkneifen.
„Leben
sie schon immer in Berlin, Herr Grigorescu?“
„Ursprünglich
stammen wir aus Rumänien, wir kamen hierher, als ich noch ein Kind war.“
Während er sprach, hörte Leon in seinem Kopf
eine Stimme flüstern.
,Du bist hinreißend … und wunderschön.’
Leon
sah sich überrascht um und runzelte die Stirn. Wessen Gedanken hatte er denn
jetzt schon wieder versehentlich gelesen? Und wer redete heute noch so
geschwollen daher? Am Tisch neben ihnen saß ein älteres Paar. Links davon in
einer Ecke tuschelten drei Damen, die aussahen, als kämen sie gerade von einem
Treffen der unbefriedigten Hausfrauen. Sie tranken Prosecco und rauchten Kette.
Leon versuchte sich zu konzentrieren, wurde jedoch von seinem Vater
unterbrochen.
„Von
mir aus können wir uns das Gebäude jetzt gleich ansehen, Herr Grigorescu. Würde
es Ihnen etwas ausmachen, mit meinem Sohn schon mal vorzufahren? Ich muss noch
kurz etwas erledigen.“
„Kein
Problem. Sollen wir, Herr Bergmann?“ Alexei musterte Leon. Dieser blickte kurz
irritiert zu seinem Vater, nickte jedoch.
„Ähm…
ja, warum nicht.“
„Lass
dich von Herrn Grigorescu schon mal herumführen, ich komme sofort nach.“ Er ließ Leon gar keine Zeit zu antworten,
schnappte seine Autoschlüssel vom Tisch und nickte ihnen zu. „Kümmern Sie sich
nicht um die Rechnung, die ist schon bezahlt. Bis gleich, ich beeile mich!“,
rief er hektisch über seine Schulter und schon war er verschwunden.
„Ist
ihr Vater immer so impulsiv?“, erkundigte sich Grigorescu amüsiert. Leon zuckte
mit den Schultern und lächelte schief. Der Typ war irgendwie seltsam. Er konnte
höchstens vier oder fünf Jahre älter sein als Leon - also vielleicht dreißig - aber
er drückte sich aus, als stamme er aus dem vorletzten Jahrhundert. Mit einem
Mal war ihm eigenartig warm und er war froh, als sie kurz darauf auf die Straße
hinaus traten.
Viele
Menschen nutzten den ungewöhnlich warmen Spätsommerabend zu einem Spaziergang
und so waren die Straßen gesäumt von schlendernden Pärchen, lachenden Kindern
und Grüppchen von Jugendlichen. Alexei zog eine dunkle Sonnenbrille aus der
Brusttasche seines Jacketts.
„Kommen
Sie, mein Wagen steht dort hinten.“ Er deutete mit einer einladenden Geste die
Straße hinunter und setzte die Brille auf. Leon grinste in sich hinein. Die
Sonne war nicht mehr so stark, dass man eine Sonnenbrille brauchte, doch
wahrscheinlich wollte er auf cool machen. Kurz darauf saßen sie in Grigorescus
silberfarbenen Audi R8 auf dem Weg zu dem leer stehenden Geschäftsgebäude.
Unterwegs sprachen sie kaum ein Wort und Leon war froh darüber. Er fühlte sich
seltsam in der Nähe dieses Typen. Fremdartige Schwingungen umgaben ihn, die Leon
nicht deuten konnte. Die Tatsache, dass seine mentalen Fähigkeiten bei ihm
nicht funktionierten, machte ihn langsam nervös. Leon hatte eine dunkle
Vorahnung, was dies bedeuten konnte.
Alexei
schloss die Tür auf und bedeutete Leon, vor ihm einzutreten. Als Leon an ihm
vorbei ging, stieg ihm ein angenehmer Duft in die Nase. Noch nie zuvor hatte er
auf das After Shave eines anderen Mannes geachtet, geschweige denn, es
überhaupt wahrgenommen. Erneut fragte er sich, warum er Grigorescus Gedanken
nicht lesen konnte.
,Weil Sie nicht alles wissen müssen, Leon. Übrigens ist der Duft von
Karl Lagerfeld.’
Leon
stockte der Atem und er fuhr erschrocken herum. Alexei war gerade damit
beschäftigt, die Tür abzuschließen.
„Ich
hoffe das Tageslicht, das durch die Fenster dringt, genügt Ihnen. Der Strom ist
bereits abgeschaltet“, sagte er und wandte sich zu Leon um. Dieser starrte ihn
perplex an.
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